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Im Obergeschoss des Depots sind zur Osterschau Teddybären und Puppen zu sehen, hinter denen oft tragische Geschichten stehen.

Foto: Matthias DegenBild 1 / 2

Teddy erinnert an die verlorene Kindheit einer Kriegsgeneration

Knapp 13.000 Besucher haben die Weihnachtsausstellung im Gelenauer Depot Pohl-Ströher gesehen. Erst zu Ostern öffnen sich wieder die Türen - dann mit einer ganz besonderen Gemeinde.

Von Matthias Degen
erschienen am 29.01.2018

Gelenau. Nach neun Wochen hat gestern die diesjährige Weihnachtsschau im Gelenauer Depot Pohl-Ströher ihre Türen geschlossen. Zufrieden bilanzieren Michael Schuster und sein Team die 8. Sonderausstellung. "Wir liegen bei der Besucherresonanz im Trend der zurückliegenden Jahre", so der Depotleiter. Insgesamt wurden 12.900 Gäste aus ganz Deutschland und zahlreiche Besucher aus dem Ausland begrüßt. Darunter weit gereiste Freunde der erzgebirgischen Weihnachtskunst aus China, Indien, Kanada und den USA. Besonders in der Zeit zwischen den Weihnachtsfeiertagen und dem Jahreswechsel fanden viele Familien den Weg nach Gelenau. "In Spitzenzeiten wurden bis zu 900 Eintrittskarten an einem Tag verkauft."

Doch bevor gestern die letzten Gäste die Ausstellung verließen, meldete sich noch ein neuer Bewohner im Depot an, der seinen Platz zur Eröffnung der Osterausstellung am 9. März unter seinesgleichen finden wird. Denn in der Spielzeugabteilung im oberen Stockwerk versammelt sich eine ganz besondere Gemeinde aus fünf Teddys und sieben Puppen, die im Depot ein neues Zuhause gefunden haben. "In den vergangenen Jahren erreichte uns immer wieder Post mit der Bitte, Spielsachen mit einer besonders emotionalen Bindung zu ihren langjährigen Besitzern im Depot aufzunehmen und auszustellen", erklärte Schuster. Bei Todesfällen sind es oft die Hinterbliebenen, die beim Ausräumen der großelterlichen Wohnung auf Plüschbären oder Gliederpuppen stoßen, mit denen sie Geschichten verknüpfen. Beim Wechsel in eine Alterseinrichtung äußern die Besitzer oft selbst diesen Wunsch. Auch Marina Junghanns kann eine wechselvolle Geschichte von dem Teddy ihrer Mutter erzählen. Im Kriegsjahr 1940 im niederschlesischen Lättnitz/Lednica geboren, musste sie als Vierjährige mit ihrer Familie die Heimat verlassen. "In den wenigen Koffern war kein Platz für das Spielzeug der Kinder", berichtet die Chemnitzerin.

In Leipnitz bei Leipzig schlug die Familie neue Wurzeln, doch an Spielzeug für ihre Mutter und deren ältere Schwester war in den Nachkriegsjahren nicht zu denken. Erst als junges Mädchen bekam Rosemarie Junghanns wieder einen Teddy geschenkt, den sie Ende der 1950er-Jahre mit ins Internat nach Plauen nahm und der bis ins hohe Alter einen Stammplatz auf dem Sofa hatte. "Spielen durften wir als Kinder nicht damit", erinnert sich die 54-Jährige. "Der 85 Zentimeter große Teddy war für meine Mutter ein symbolischer Trost für die Verluste der Kriegs- und Nachkriegszeit."

Vor zwei Jahren kam die Mutter in ein Pflegeheim. "Zur Wohnungsauflösung kam auch der Teddy wieder zum Vorschein, und ich habe es nicht übers Herz gebracht, den kuscheligen Gesellen dem Müllcontainer zu opfern."

 
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