Unverhofftes Familientreffen mit Teddy und Tretauto

Derselbe Gedanke hat zwei Brüder unabhängig voneinander zu Unterstützern des Depots Pohl-Ströhler werden lassen.

Gelenau.

Altes Spielzeug weiß oft wundersame Geschichten zu erzählen. Im Depot Pohl-Ströher kann Michael Schuster ein ganzes Buch mit Lebensbiografien, kleinen und großen Begebenheiten und Schicksalen füllen, die einstige Besitzer von Kindesbeinen an mit Puppen, Teddys, Baukästen oder Kinderfahrzeugen verbinden.

"Eine Familienzusammenführung hatten wir aber bislang noch nicht", berichtet der Depotleiter und verweist auf ein neues Objekt zur diesjährigen Sommersonderschau "Wir rollen in die Ferien". Ganz selbstverständlich sitzt dort ein Teddy neben vielen anderen Exponaten in einem Kindertretauto und wartet auf die große Fahrt in den Sommer. "Hier handelt es sich um Leihgaben der Brüder Werner und Peter Heinz, die noch vor wenigen Tagen nichts von der Zusammenführung ihrer einst heißgeliebten Spielsachen wussten", hebt der 57-Jährige zu einer spannenden Geschichte an.

Für Peter Heinz war der Sommertag im Jahr 1954 der schönste, den sich ein Kind vorstellen kann. Drei Lose durfte der Dreijährige an der Tombola auf dem Schlossteichfest in Chemnitz ziehen. "Eines davon war der Hauptpreis, ein großer Plüschteddy, um den mich auf dem Festplatz alle Kinder beneidet haben", erinnert sich Peter Heinz. Einen Kopf größer als sein neuer Besitzer, war ein Spielgefährte von dieser Qualität eine kleine Sensation in den Nachkriegsjahren.

Das muss wohl auch seine Mutter so gesehen haben, die den Tombolagewinn kurzerhand unter Verschluss nahm. "Kann sein, dass ich mit meinen Spielsachen nicht so ganz ordentlich umgegangen bin", räumt der heute 64-Jährige ein. Oder aber Else Heinz war ein so teures Kinderspielzeug in dieser Zeit unangenehm. Schließlich wusste ja keiner, dass es sich um einen Losgewinn handelte. "Den Teddy habe ich in all den Jahren nicht wiedergesehen", bedauert der gebürtige Wittgensdorfer.

Was blieb, war ein Kindertretauto aus den 1940er-Jahren. "Doch das gehörte meinem drei Jahre jüngeren Bruder Werner und der Streit um das kleine Fahrzeug war vorprogrammiert." Ein Wiedersehen mit dem 70 Zentimeter großen Plüschtier gab es erst Ende der 1990er-Jahre, als sich seine Mutter von dem unbenutzten Spielzeug trennte. Peter Heinz lebte damals schon zehn Jahre im baden-württembergischen Buchen und fragte sich zu Recht, was er nun mit dem vermasselten Kinderglück von damals anfangen sollte. "Lächerliche zehn Euro wollte mir ein Antiquitätenhändler geben", empört sich Peter Heinz heute noch über ein Angebot auf Nachfrage. Im Internet erfuhr er von der Sammlung Pohl-Ströher und entschied sich für eine Dauerleihgabe.

Michael Schuster und Depotmitarbeiter Eckhart Holler erzählte der aufgeschlossene Leihgeber auch vom Tretauto, das noch immer einen Ehrenplatz im elterlichen Haus bei Bruder Werner einnimmt. Besonders Holler, anerkannter Sammler und Restaurator von Kinderfahrzeugen, spitzte die Ohren. Fotos wurden ausgetauscht. "Nur wenige Wochen später wurde mir ein zum Verwechseln ähnliches Kinderfahrzeug als Leihgabe angeboten", erzählt Eckhart Holler. Sein Besitzer wollte das gute Stück nicht mehr nur für sich allein beanspruchen. "Ich habe keine Kinder, da ist so eine Rarität in einem Museum doch besser aufgehoben", resümierte Werner Heinz nach einem Ausstellungsbesuch in Gelenau.

Gewusst haben die beiden Brüder von ihren gleichgearteten Vorhaben nichts. Erst bei einem Treffen während der Vorbereitung zur diesjährigen Sommersonderschau lüftete Michael Schuster das Geheimnis und die Familienzusammenführung war perfekt. Gerätselt wird jetzt über die Herkunft von Fahrer und Auto. "Bei einem Spielzeug aus dieser Zeit ist eine verbindliche Aussage schwer zu treffen", sagt Schuster. Schausteller waren damals noch in ganz Deutschland unterwegs und haben ihre Warenbestände je nach Angebot aufgefüllt.

"Bei dem Tretauto aus Sperrholz könnte es sich um ein französisches Modell aus den Kriegsjahren handeln", spekuliert Eckhard Holler auf Citroën. "Die Lampen erinnern an den Vorgänger der legendären 2-CV-Ente."

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