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Weiterem Dorfladen in der Region droht das endgültige Aus

Die Lebensmittelmärkte in Lauterbach und Pfaffroda sind bereits geschlossen. Das gleiche Schicksal könnte noch 2018 die Schuwe-Filiale in Großolbersdorf ereilen.

Von Jonathan Rebmann
erschienen am 11.01.2018

Großolbersdorf. Zu Fuß einkaufen gehen: Was früher auch in kleinen Gemeinden selbstverständlich war, ist heute in ländlichen Teilen des Erzgebirges immer seltener möglich. Nun droht auch einem Dorfladen in Großolbersdorf das endgültige Aus.

Die Schuwe-Filiale - eines von drei Lebensmittelgeschäften im Ort - schließt Ende 2018. Das bestätigt Geschäftsführer Friedolin Schubert. "Die Nahversorgung mit Lebensmitteln ist bei uns gefährdet", sagt Bürgermeister Uwe Günther (Gewerbeverein). Er habe aber noch Hoffnung, dass das Geschäft weiter am Leben erhalten werden könnte. "Wir werden Gespräche mit Schuwe und den Ladenbesitzern aufnehmen", erklärt Günther. Er versuche, eine Lösung zu finden.

Dieser Versuch ist anderenorts gescheitert. In Pfaffroda ist der Dorfladen bereits seit mehreren Wochen geschlossen. Betreiberin Tabea Herrmann hatte zunächst gehofft, dass sie den Lebensmittelmarkt an einen Nachfolger übergeben kann. Inzwischen mussten sich die Angestellten jedoch neue Arbeitgeber suchen. Zu den Gründen sagt Tabea Herrmann, dass sie im Zuge von Straßenbauarbeiten viele Kunden verloren habe. Der Laden sei mitunter kaum erreichbar gewesen. Daher zog sie einen Schlussstrich.

Auch in Lauterbach konnte für das Geschäft von Heidrun Sachße kein Nachfolger gefunden werden. Nach der Schließung im Mai 2016 keimte zunächst Hoffnung auf eine neue Einkaufsmöglichkeit. Doch knapp ein Jahr darauf sprang die Genossenschaft Bürgerläden Scharfenstein-Venusberg, mit deren Hilfe das Vorhaben gestemmt werden sollte, ab. Deren beide Läden in Scharfenstein und Venusberg befanden sich zu diesem Zeitpunkt ebenfalls in Not. Es wurde mehr ausgegeben als eingenommen. Unter Mitarbeitern ging die Angst um, dass sie ihren Job verlieren könnten. Mittlerweile aber macht sich verhaltener Optimismus breit. Die Lage der Genossenschaft hat sich stabilisiert.

"Wir haben das Jahr gut über die Runden gebracht", sagt der Aufsichtsratsvorsitzende Steffen Leischnig. Die Situation sei zwar nach wie vor schwierig, aber die Bürgerläden hätten mehr Kunden gewonnen und den Umsatz gesteigert. Schwarze Zahlen schrieben die Läden zwar noch nicht, aber man sei auf einem guten Weg dahin.

In den letzten Monaten wurde manches in den Bürgerläden verändert, um den Wünschen der Kunden gerecht zu werden. "Wir haben das Sortiment bereinigt", berichtet Susann Thiele. Sie ist Vorstandsmitglied und sitzt in Scharfenstein an der Kasse. So wurde etwa die unübersichtliche, zu große Auswahl bei Wurstkonserven reduziert. Seit knapp einem Monat schnüren die Mitarbeiter Wochenendtüten, die allerlei Fleischwaren enthalten und für den schnellen Einkauf gedacht sind. Außerdem gibt es im Bistro Rabattkarten für treue Kunden.

Susann Thiele bekommt wegen des übersichtlicheren Sortiments viele positive Rückmeldungen. "Die Kunden unterstützen uns, indem sie Werbung machen." Weihnachtliche Aktionen, wie etwa die Glühweinstände, kamen gut an. Auch die Kauffreude der Mitglieder habe sich etwas gebessert. Allerdings wünscht sich die Verkäuferin, dass die Besucher des Ladens nicht nur Kleinigkeiten, sondern hin und wieder auch einen Großeinkauf machen. Nicht nur Genossenschaftler besuchen die Bürgerläden, etwa jeder dritte Kunde ist kein Mitglied.

Auch auf der Ausgabenseite hat sich etwas getan. So konnte die Genossenschaft mithilfe eines Anbieterwechsels die Energiekosten verringern. Seit Herbst macht sie Werbung mit Plakaten an Wanderwegen. Ziel sei es, das Überleben zu sichern und das Angebot stabil zu halten, erklärt Leischnig. "Mit den Bürgerläden bleibt ein Stück Dorfkultur und Infrastruktur erhalten."

Da es in Venusberg keinen Geldautomaten mehr gibt, können Besucher der Venusberger Filiale dort Geld abheben und ihre Bankgeschäfte tätigen. Die Läden sind auch ein sozialer Treffpunkt. Susann Thiele ist nach wie vor überzeugt: "Ich selbst gehe ungern woanders einkaufen. Hier ist es sehr familiär." Die Angst, ihre Arbeitsstelle zu verlieren, hat Susann Thiele jetzt nicht mehr. (mit geom/rickh)

 
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