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Foto: Härtelpress

Angeklagter soll einen Bekannten angefahren und überrollt haben

Ein Tötungsverbrechen sorgte im April 2017 vor allem in Chemnitz und Mittelsachsen für Aufregung. Steckten krumme Autogeschäfte dahinter? Der Angeklagte schweigt zum Prozessauftakt.

Von Gabi Thieme
erschienen am 12.01.2018

Chemnitz. Aus dem Tatort Breitenau bei Oederan, aus dem Wohnort des Opfers, Chemnitz, und aus dem Wohnort des Angeklagten, Niederwiesa, waren am Freitagfrüh mehr als 50 Zuschauer ins Landgericht Chemnitz gekommen. Die Plätze im größten Verhandlungssaal füllten sich binnen Minuten. Doch eine halbe Stunde nach Beginn war der Prozess an diesem ersten Tag auch schon wieder zu Ende. Gericht und Zuschauer hörten die Anklage des Staatsanwalts Stephan Butzkies, die auf Totschlag lautet.

Der Mann, der sich vor Gericht verantworten muss, nahm die Vorwürfe regungslos zur Kenntnis. Er werde sich erst am nächsten Verhandlungstag persönlich zu dem Vorhalt äußern, kündigte einer seiner beiden Verteidiger an. Zwar hatte sich der 32-Jährige offenbar wegen des großen Fahndungsdrucks acht Tage nach der Tat in Begleitung eines Anwalts selbst bei der Polizei gestellt, aber nur gesagt, er sei der, der mit Haftbefehl gesucht werde. Dass er am 3. April 2017 bei Nacht und Nebel einen guten Bekannten absichtlich totgefahren haben soll, gestand er bis heute nicht.

Staatsanwalt Butzkies sagte am Rande des Prozesses, dass die gesamte Beweisführung auf Zeugenaussagen, auf Spuren am Tatort und am Tatfahrzeug sowie umfangreichen "Umfeldermittlungen" beruhe. Es sei auch nicht ausgeschlossen, dass das Gericht das Geschehen am Ende nicht nur als Totschlag, sondern sogar als Mord werte. In beiden Fällen könnte eine lebenslange Haftstrafe verhängt werden, bei Totschlag allerdings nur in einem besonders schweren Fall.

Der Angeklagte soll mit dem 38 Jahre alten Opfer schon lange gut bekannt gewesen sein. Zwischenzeitlich hatten sich die Männer zwar aus den Augen verloren, am 3. April 2017 aber dann zu einen Autokauf verabredet. Genau das sagte der Chemnitzer auch seiner Frau, als er an jenem Abend die Wohnung verließ. Er kam nicht zurück. Stattdessen entdeckte ihn ein Mann am nächsten Morgen leblos in Breitenau auf einem Feld.

Die Ermittler rekonstruierten, dass er dort mit dem Pkw Peugeot des Angeklagten mit mindestens 35 Kilometern pro Stunde angefahren wurde. Das Opfer sei dabei über die linke Fahrzeugseite und das Dach des Autos auf das Feld geschleudert worden. Der Täter habe danach mit seinem Wagen auf dem Feld eine 180-Grad-Wende vollzogen, sei nochmals auf den am Boden liegenden Mann zugefahren und habe diesen quer überrollt. Danach sei er mit dem Auto davongefahren. Das Opfer starb noch am Unfallort an den schweren Verletzungen. Augenzeugen gibt es nicht. Laut Staatsanwalt Butzkies waren die Männer zuvor wohl in Streit geraten. Es sei unklar, ob von Seiten des Angeklagten überhaupt ein Autoverkauf geplant war: "Möglicherweise ging es hier um krumme Geschäfte."

Der Angeklagte stand wegen solcher Geschäfte schon einmal vor Gericht. Im Juni 2015 verurteilte ihn das Landgericht Chemnitz zu eineinhalb Jahren Haft wegen Betrugs und Unterschlagung in Zusammenhang mit vorgetäuschtem Autohandel. Die Strafe wurde auf drei Jahre zur Bewährung ausgesetzt. Der Niederwiesaer stand also noch unter Bewährung, als er letzten April seinen Bekannten überfahren haben soll. Die Ehefrau und der Vater des getöteten Familienvaters treten als Nebenkläger auf. Insgesamt sind bis Ende Juni noch 17 Verhandlungstage angesetzt. 59 Zeugen und drei Gutachter sollen gehört werden.

 
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