Augustusburg: Hier soll die digitale Zukunft zu Hause sein

Mit dem Lehngericht wird ein prägendes, lange leer stehendes Altstadt-Haus verkauft. Überraschend ist, was dort einziehen soll.

Augustusburg.

Der Chemnitzer Unternehmer Lars Fassmann wird das Lehngericht am Markt in Augustusburg kaufen. Das hat der Vorstandsvorsitzende der Chemmedia AG der "Freien Presse" bestätigt. Das Gebäude wird eine zentrale Rolle bei den Bemühungen der Stadt Augustusburg spielen, die Digitalisierung voranzutreiben und zugleich deren Möglichkeiten für die Stadtentwicklung zu nutzen.

Rund 600.000 Euro wird die Stadt in den nächsten zwei Jahren für die Breitbanderschließung investieren. Das Netz soll am Ende einer Bürgernetzgesellschaft gehören und damit nicht vordergründig profitabel, sondern gemeinnützig betrieben werden. Verschiedene Technologien sollen eingesetzt werden. Die Stadt will schneller und preiswerter zum Ziel kommen als mit dem Glasfaserkabel-Tiefbau. Ein Großteil dieser Investition wird mit Fördermitteln gestemmt, sagt Bürgermeister Dirk Neubauer (parteilos), der in der Digitalisierung eine große Chance für kleine Städte und den ländlichen Raum sieht. "Arbeit und Arbeitsort werden entkoppelt", sagt Neubauer. Kleine Städte und der ländliche Raum werden als Wirtschaftsstandort interessant, weil für die Entwicklung digitaler Anwendungen ein Anschluss an die Datenautobahn vorhanden sein muss, eine Auffahrt auf die Autobahn dagegen nicht.

Neubauer hat mit der Initiative Demisa, was für Digitale Entwicklung Mittelsachsen steht, im Vorjahr bereits eine Austausch-Plattform für das Thema Breitbandausbau initiiert. Eine erste Breitbandkonferenz mit Vertretern aus Städten und Gemeinden sowie Unternehmen fand im August statt. Der Stadtchef hat inzwischen auch die Aufmerksamkeit der Landesregierung auf sich gezogen. Der für Digitalisierung und Breitbandausbau zuständige Staatssekretär im Ministerium für Wirtschaft, Arbeit und Verkehr, Stefan Brangs, lobt Neubauer dafür, dass er seine Ideen bis zur Umsetzung vorantreibt, und ermunterte den Bürgermeister, seinen Weg weiterzugehen. Er bescheinigt Augustusburg eine Vorreiterrolle beim wichtigsten Zukunftsthema Digitalisierung: "Wir brauchen solche positiven Geschichten", sagt Brangs mit Verweis auf die vielerorts noch dominierende Skepsis.

Nächste Stufe ist nun "#diStadt". Die Marke steht für digitale Stadt und soll ein offene Entwicklungsplattform sein. Am Anfang steht ein Gemeinschaftsprojekt der Stadt Augustusburg mit der Komsa, einem der führenden Dienstleister für Informations- und Kommunikationstechnik, der Chemmedia AG, die E-Learning-Systeme entwickelt, Envia-Tel und dem Zweckverband Kisa, der vorrangig IT-Systeme in Kommunen betreut.

Sitz dieses Gemeinschaftsprojektes wird das Lehngericht in Augustusburg, 1478 errichtet, später zum Gasthof mit Pension umgebaut. Im Juni 2002 hatte der Hamburger Kaufmann André Radünz das Gebäude ersteigert und die Gebäudehülle saniert. Leben zog dort nur noch vorübergehend ein.

Der künftige Eigentümer Lars Fassmann plant lediglich kleine Umbauten. Das Gebäude soll geöffnet werden, um den Durchgang von der Altstadt zum Schloss zu ermöglichen. Einen Zeitplan hat Fassmann nicht. "Das wird sich ergeben", sagt er. Der Diplom-Wirtschaftsinformatiker besitzt in Chemnitz mehrere Immobilien, in denen Künstler und kreative Köpfe Platz finden. Innovation ist für ihn wichtiger als Rendite, wobei er sagt, dass sich eine Investition natürlich auch rechnen müsse.

Augustusburg ist für ihn ein reizvoller Platz, um neue Dinge auszuprobieren, sagt Fassmann. Auch die Begeisterung und die Beharrlichkeit, mit der Neubauer die Digitalisierung und den Breitbandausbau vorantreibt, haben ihn neugierig gemacht und letztlich mit nach Augustusburg gelockt. Lars Fassmann glaubt an den wirtschaftlichen Erfolg der digitalen Stadt: "Da wird etwas passieren", sagt er.

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