Der FlöhaNer - oder: Wo kommt eigentlich dieses N her?

Eine Frage von Sprache und Klang: Die FlöhaNer nehmen das N gelassen. Und ein Wissenschaftler hat dafür eine Erklärung.

Flöha.

Es gibt den Chemnitzer, den Freiberger, den Eppendorfer oder Augustusburger. Und es gibt den FlöhaNer. Halt, wieso heißt das nicht Flöhaer? Denn eigentlich ist doch die Formel klar: Einwohner ist gleich Stadt oder Gemeinde plus "er". Wo also kommt beim FlöhaNer das N in der letzten Silber her? Und: War es schon immer da?

Um es gleich vorweg zu nehmen: Eine Antwort, die als wissenschaftliche Erklärung taugt, gibt es nicht. Fragt man Menschen in Flöha, FlöhaNer also, war das N schon immer da. Gefühlt zumindest. Die Antwort von Hauptamtsleiter Martin Mrosek auf die Frage nach dem N dürfte halbwegs repräsentativ sein: "Wissen Sie was, darüber habe ich noch nie nachgedacht", sagt der FlöhaNer. Ortschronist Lothar Schreiter, der auch sprachlich immer um Korrektheit bemüht ist, hat keine Erklärung für das N. Erärgere sich aber regelmäßig über eine fehlerhafte Aussprache: "Das ist Faulheit", zischt der Ortschronist. Faulheit taugt freilich nicht als Erklärung für den FlöhaNer. Das N ist schließlich ein zusätzlicher Aufwand.

Warum wir von der ärgerlichen Faulheit zu Flöhas Oberbürgermeister Volker Holuscha kommen? Bevor hier böswillige Gerüchte geflüstert werden, sei zweifellos festgestellt: Der Stadtvater ist ein unermüdlich-fleißiger Arbeiter. Der FlöhaNer aber ist ihm zuviel. Volker Holuscha sagt meistens: FlöhNer. Faulheit? "Nein, das kann man nicht sagen", so der OB, dessen Familie einst aus dem Berliner Raum nach Flöha zog und der inzwischen ein echter FlöhaNer ist. Teile seiner Verwandtschaft, sagt Holuscha, würden sich bei manch einer hiesigen Wortschöpfung das Schmunzeln nicht verkneifen können. Oder wollen.

Daniel Kästner ist kein Ur-FlöhaNer. Der Vorstand der Wohnungsgenossenschaft Flöha und Umgebung lebt erst seit 2006 in der Stadt. Der FlöhaNer ist Teil seiner privaten E-Mail-Adresse. Will er so den Makel des Zugezogenen loswerden? "Nein, das klingt einfach gut", sagt er. "Ein bisschen wie Indianer."

Dietmar Hösel ist ein Ur-FlöhaNer. Aber wo das N herkommt? Der weit gereiste Filmemacher hebt die Schultern. "Ich sage immer: Ich komme aus Flöha", sagt er und schmunzelt dabei. Na, ist es Ihnen aufgefallen, liebe Leser: In diesem Satz gibt es überhaupt kein N.

Höchste Zeit, einen Sprachwissenschaftler zu fragen. Beat Siebenhaar ist Professor für Germanistische Linguistik an der Universität Leipzig. Wieso also FlöhaNer?

"Ohne historische Belege lässt sich hier nur mutmaßen", sagt der Wissenschaftler. "ö-a-er" wäre eine Folge von drei Vokalen, was im Deutschen eher selten ist. "Deshalb hat sich da ein die Vokale trennender Konsonant eingeschlichen, eine solche Einfügung nennt man Epenthese. Das ist nicht unüblich, aber zeigt kaum eine Systematik", so Beat Siebenhaar. Im Standard gebe es so eine n-Epenthese zum Beispiel auch bei "Afrika" - afrikanisch statt afrikaisch oder "Amerika" - amerikanisch statt amerikaisch. "Oder wenn ,rosa' gebeugt wird, so heißt es eben nicht ein rosaes Kleid, sondern ein rosanes Kleid", sagt der Professor.

Bewertung des Artikels: Noch keine Bewertungen abgegeben
0Kommentare
Um zu kommentieren, müssen Sie angemeldet und Inhaber eines Abonnements sein.



    Bitte schalten Sie ihren AdBlocker aus. An alle Adblocker

    Bitte schalten Sie ihren AdBlocker aus.
    Mehr erfahren Sie hier...