Der Klassenclown von Oederan

Lennox Köllner hat die Lizenz zum Blödeln. Selbst im Klassenraum darf er ab und zu lustige Grimassen schneiden. Freundschaften kann er dennoch nicht wirklich knüpfen. Denn der Achtjährige wechselt die Schule wöchentlich.

Oederan.

Gestern hatte Lennox seinen letzten Schultag in der Grundschule Oederan. Und das nur fünf Tage nach seinem ersten Tag an eben dieser Schule. Schon kommenden Montag wird er in der Grundschule Hainichen erwartet. Eine Woche später lernt er fünf Tage lang in Niederwiesa, ehe es dann für eine Schulwoche nach Chemnitz geht.

Lennox ist ein Zirkuskind. Er ist jüngster Spross der Familie Köllner aus Mecklenburg-Vorpommern, die in siebenter Generation den "Circus Piccolino" betreibt. Derzeit gastieren Mutter Katharina, Vater Sascha, die Schwestern Lijanne und Joline und eben Lennox in Oederan. Gestern lief die erste Vorstellung, auch heute und morgen gibt es Artistik, Tierdressuren und Clownsnummern zu sehen. "In der Manege stehen nur wir fünf Familienmitglieder", sagt Katharina Köllner. "Zum Team gehören dazu zwei Mitarbeiter, die uns beim Auf- und Abbau helfen."

An das Vagabundenleben, also daran, immer auf Achse zu sein, hätten sich die Köllners schon seit vielen Jahren gewöhnt. "Wir kennen es ja nicht anders", sagt die Chefin des Familienbetriebs. Sie selbst sei auch ein Zirkuskind gewesen, das jede Woche in einer anderen Schule gelernt hat. "Bis zur fünften Klasse muss das so sein, danach machen die Kinder Fernunterricht am Laptop. Das klappt ganz gut", sagt Katharina Köllner. Auch Lennox, der in der Manege als Clown auftritt, kommt gut klar damit, dass er ständig neue Mitschüler hat. "Das passt schon", sagt er. "Ich lerne einfach mit, mache meine Hausaufgaben und kann am Ende immer wieder mal meine Clownsnummer zeigen."

So auch gestern in Oederan, wo er in den vergangenen fünf Tagen nicht selten von seinen Mitschülern der Klassenstufe eins umringt war. "Klassenclowns haben wir auch bei den jüngsten Schülern schon einige. Einen echten Clown aber zum ersten Mal", sagt Lehrerin Lilly Schellenberger mit einem Augenzinkern. "Lennox macht sich echt gut. Er bringt sich ein, ist aufmerksam", sagt die Pädagogin, die sich ein Leben als Zirkuskind schwierig vorstellt. "Das ist bestimmt nicht ganz einfach, wenn man sich Woche für Woche neu eingewöhnen muss."

Den Unterrichtsstoff bekommt Lennox Köllner von seiner Stammschule in Lübtheen im Westen von Mecklenburg-Vorpommern. In den einzelnen Schulen, die er während der Tournee besucht, richtet sich sein Unterricht nach dem dortigen Lehrplan, was aufgrund der Länderhoheit in Kultusfragen nicht immer einfach ist. "Sicher - der Unterricht ist von Schule zu Schule anders, aber die Aufgaben ähneln sich. Damit kriegt man das schon hin", sagt Mutter Katharina Köllner. Sollte eines ihrer Kinder dennoch keine Lust mehr auf das nicht selten harte Zirkusleben haben, könne es auch einen anderen Beruf erlernen, betont sie. "Wir zwingen niemanden. Aber wenn man einmal in diese Welt hineingeboren wurde, will man meistens auch dort bleiben."

Circus Piccolino gastiert bis Sonntag in Oederan, ab kommendem Freitag in Hainichen, in der Woche darauf in Niederwiesa. Neue Tickethotline: 0174 9370253

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