Die Orgel im Beichtstuhl

Katharina Müller führte Kinder durch das Schloss Lichtenwalde. Dabei verband sie historische Fakten mit Rätseln und Sagen.

Lichtenwalde.

Ein kleiner Junge zieht seine Flügel aus und legt sie beiseite. "Welche Figur ist das?", fragte Katharina Müller, Tourenführerin im Schloss Lichtenwalde. Die Kinder beäugten die kleine Figur gespannt. Ein Junge rief plötzlich: "Der Abend!" "Genau, das ist der Abend", stimmte die Schlossführerin zu.

Mit spannenden Geschichten im Gepäck und Suchbildern in der Hand machten sich die drei Mädchen und acht Jungen in Begleitung ihrer Eltern sowie Katharina Müller neugierig auf den Weg zur Kinderführung in und um das Schloss Lichtenwalde.

Gabriele Walther nahm bereits zum zweiten Mal an einer Kinderführung unter der Leitung von Katharina Müller teil: "Vor etwa fünf Jahren habe ich schon einmal eine Führung mit einer Schulklasse gemacht. Nun bin ich privat mit meinem Enkel Oskar hier." Die Stationen seien gleich geblieben, trotzdem gebe es Neues zu entdecken. Zum Beispiel in der evangelischen Schlosskapelle.

Die Kinder saßen auf den Bänken. Plötzlich ertönte die Orgel. Ein Blick zu dem imposanten Instrument zeigte, dass niemand dort saß und spielte. Da öffnet Katharina Müller den Beichtstuhl und deutet auf eine Musikanlage, die darin versteckt ist.

Die sechsjährige Magdalena aus Lichtenwalde war begeistert. Auch Mick, der an diesem Ferientag spontan wegen des schlechten Wetters mit seiner Großmutter Christa Schirmeister gekommen war, fand Gefallen an der kleinen Kapelle und seiner Donati-Orgel. "Ich habe Keyboard spielen gelernt. Deswegen finde ich die Orgel sehr interessant", so der Zehnjährige. Ein weiterer Höhepunkt sei für ihn die massive Truhe mit 26 Riegeln gewesen, die im Gang im ersten Stock des Schlosses hinter einer Glaswand stand. Katharina Müller: "Nur ein einziger Schlüssel passt." Hinter einer der Türen, die vom Flur abgingen, befand sich der Rote Salon. Schwere rote Seidentapeten, knarzendes Parkett und goldgerahmte barocke Bilder sorgten für eine gemütliche und warme Atmosphäre - trotz des kleinen Besucheransturms, während die Kinder die Holzschnitzereien an den Türen erkundeten.

Die Führung war kindgerecht, aber trotz allem sehr detailliert. Zum Beispiel führte Katharina Müller das Archäologische Fenster neben dem Ausgang der Schlosskapelle so ein: "Hups, haben die da den Putz vergessen?" Aber nein, an dieser Stelle können heute noch Rochlitzer und Hilbersdorfer Porphyrtuff - eine Gesteinsart - bestaunt werden, aus dem die kleine Kapelle vor 800 Jahren errichtet wurde.

Ebenso gespannt wie beim Archäologischen Fenster waren die Kinder im heutigen Trauzimmer. An dieser Stelle befand sich vor 100Jahren die Bibliothek des Grafen von Vitzthum von Eckstädt.

Am Ende der Führung zog Christa Schirmeister ein Fazit: "Frau Müller hat das ganz toll gemacht. Sie geht auf die Kinder ein - und vor allem: Sie spricht laut." Häufig sei es ja so, dass man Museumsführer kaum verstehe, wenn man etwas weiter entfernt stehe.


Achtjähriger ließ Schloss Lichtenwalde erbauen

Um 1230 entstand die Burganlage zu Lichtenwalde. Bauherr war der damals achtjährige Heinrich, Markgraf von Meißen und Landgraf von Thüringen.

Im Jahre 1280 findet Burg Lichtenwalde schließlich die erste urkundliche Erwähnung. 1454 sprang, laut der sächsischen Sage "Harras der kühne Springer", Ritter Dietrich von Harras vom Hauenstein hinunter in die Fluten der Zschopau und überlebte. Seine Knappen ließ er damit im Stich.

1722 erwarb Reichsgraf Christoph Heinrich von Watzdorf die Reste der alten Burg. Er ließ sie abreißen und ein Barockschloss errichten.

Ab 1730 bis 1737 entstand durch den Sohn des Reichsgrafen die Parkanlage. Das Schloss erbte nach dem Tod Friedrich Carls dessen Frau Henrietta Sophie, eine geborene von Vitzthum von Eckstädt. Bis 1945 blieb das Schloss im Besitz der Grafen Vitzthum von Eckstädt.

Die nächste Führung durch den Schlosspark findet am 20. Juli, 13.30Uhr statt. Thema des Rundganges ist "Dem Wasser auf der Spur". Eintrittspreise 4, ermäßigt 3 Euro

pro Person. Anmeldung unter Telefon 037291 3800. (kirp)

Bewertung des Artikels: Noch keine Bewertungen abgegeben
0Kommentare
Um zu kommentieren, müssen Sie angemeldet und Inhaber eines Abonnements sein.



    Bitte schalten Sie ihren AdBlocker aus. An alle Adblocker

    Bitte schalten Sie ihren AdBlocker aus.
    Mehr erfahren Sie hier...