"Einige Schulleiter sträuben sich noch gegen die Fragebögen"

Kreiselternratsvorsitzender Peter Lorenz: Maßnahmepaket soll Alternativen zum Unterrichtsausfall bieten

Frankenberg.

Mehr als 30 Vertreter von Elternräten aus allen Schularten und Regionen Mittelsachsens haben sich am Samstag zur Versammlung des Kreiselternrates in Frankenberg getroffen. Die Folgen des Lehrermangels gehörten zu den bestimmenden Themen des Treffens, wie Kreiselternratsvorsitzender Peter Lorenz im Gespräch mit Jan Leißner erklärte.

Warum haben Sie wenige Tage vor Ferienbeginn noch eine Vollversammlung einberufen?

Der Termin war abhängig vom neuen Schulgesetz. Damit verbunden sind Neuregelungen für die Elternmitwirkung. Die wollten wir vorstellen, bevor das Schuljahr beginnt.

Was sind wichtige Änderungen?

Wir können die Arbeit der Elternvertretung auf mehr Leute verteilen, es werden Aufgaben künftig nicht mehr so häufig auf wenigen Personen lasten. So kann ein Schulelternsprecher einen anderen Vertreter der Elternschaft in den Kreiselternrat delegieren. Sechs Mütter beziehungsweise Väter aus je einer Schulart können vom Kreiselternrat direkt in den Landeselternrat delegiert werden, ohne dass sie Schulelternsprecher sein müssen.

Der Lehrermangel dürfte auch im neuen Schuljahr erneut Thema für Eltern sein. Was kann der Kreiselternrat unternehmen?

Wir haben den Elternsprechern an allen Schulen einen Fragebogen ausgereicht, der mit den Schulleitungen besprochen werden sollte, um die Situation beschreiben zu können. Also zum Beispiel geht es um die Frage, in welchen Fächern wegen Personalmangel über längere Zeit Unterricht ausfällt. Einige Schulleiter sträuben sich gegen den Fragebogen noch. Aber wir müssen wissen, wo es Lehrermangel gibt, um nach Lösungen zu suchen, nicht um Streit anzufangen. Unsere Arbeitsgruppe "Lehrermangel" ist da professionell unterwegs und kümmert sich bereits um einige Fälle mit Erfolg.

Sie hatten eine Resolution zu dem Thema angekündigt. Was ist daraus geworden?

Aktuell vor den Ferien macht es keinen Sinn, mit einer Resolution Druck auf die Politik auszuüben. Deshalb beschränken wir uns nun auf ein Maßnahmepaket, welches der Kreiselternrat zum Start des neuen Schuljahres auf seiner Homepage veröffentlichen wird. Wir wissen, dass geplant ist, an den Schulen die Anzahl der Unterrichtsstunden wegen Lehrermangels zu senken. Wir wollen mit dem Maßnahmepaket den Eltern eine Handlungsanleitung in die Hand geben, um in der Zeit sinnvolle Dinge mit den Kindern zu tun, statt Unterrichtsausfall einfach hinzunehmen.

Was könnten denn Eltern in der Situation unternehmen?

Als Alternative zum Unterrichtsausfall könnte man auch eine regionale Veranstaltung zur Berufsorientierung wie Exkurse in Unternehmen organisieren und dabei können sich Eltern einbringen. Es könnten auch Schüler der Oberstufe auf Honorarbasis Förderstunden für Fünftklässler übernehmen.

Auch die Schülerbeförderung hat den Elternrat immer wieder beschäftigt. Sind Sie bei der Forderung nach einem Bildungsticket weiter gekommen?

Wir fordern nach wie vor ein Bildungsticket für alle Schüler. Doch Mittelsachsens Landrat und der für den Transport zuständige Zweckverband Verkehrsverbund Mittelsachsen haben es nicht auf dem Schirm. Dabei soll es 2018/19 sachsenweit eingeführt werden. So ist es von der Staatsregierung zugesagt. Merkwürdigerweise gibt es ein Bildungsticket während der Ferien. Warum soll das nicht im Schuljahr funktionieren? Ziel ist, dass jeder Schüler ein solches Ticket für 10 Euro erhält und damit mit allen öffentlichen Verkehrsmitteln im Freistaat unterwegs sein kann. Das wäre für Fahrten bei Praktika, Ferienarbeit, zum Sportverein ebenso sinnvoll wie für den täglichen Weg zur Schule.

Im November wird ein neuer Vorstand des Kreiselternrates gewählt. Sie müssen Ihre Funktion als Vorsitzender abgeben, weil ihr Kind volljährig ist. Fällt Ihnen der Abschied schwer?

Ja, das fällt mir sehr schwer, weil wir uns im Vorstand über Jahre die Kompetenz erarbeitet haben, die jetzt gebraucht wird. Es ist schade, dass man sich dann nicht weiter aktiv in der Funktion engagieren kann. Ich werde versuchen, als Berater weiter ehrenamtlich für den Kreiselternrat tätig zu sein.

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