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Fan-Quintett: Die Hohenfichtener Fußball-Ultras um ihren Anführer Patrick Neubert (2.v.l.) sind stolz auf das spendierte Banner.

Foto: Knut Berger

"El Clásico" in Hohenfichte

Sie nennen sich Ultras, gelten aber als pflegeleicht. Beim Hohenfichtener SV sorgen jugendliche Fans für Stimmung.

Von Knut Berger
erschienen am 14.06.2018

Hohenfichte. Madrid gegen Barcelona, Schalke gegen Borussia und der Hohenfichtener SV gegen die VSG Marbach/Schellenberg! Wie bitte? Ja, zwischen dem mittelsächsischen Gemeindederby und dem spanischen "El Clásico" liegen Welten. Aber die Kicker aus Hohenfichte können auf einen Fanclub bauen, der sich in Anlehnung an die Großen "Hohenfichtener Ultras" nennt. Die Mitglieder haben ihr Leben noch vor sich, kratzen derzeit alle an der Volljährlichkeit.

Am Wochenende ist die Truppe noch einmal gefordert, wenn Hohenfichte zum Saison-Halali in der 1. Kreisklasse, Staffel Süd, bei der Spielgemeinschaft Mulda II/ Dorfchemnitz aufläuft. Allerdings dürfte sich der Adrenalinspiegel der Anhänger in dieser Partie in Grenzen halten. "Wir haben seit der vergangenen Woche die Vizemeisterschaft in der Tasche und spielen auch nicht gegen einen lokalen Rivalen", sagt Patrick Neubert, der praktisch an der Spitze der HoSV-Ultras steht. Zu Hochform laufen die Jungs vor allem auf, wenn sich ihre Lieblingself mit den Ortsrivalen SV Leubsdorf oder der VSG duelliert. Spannend ist es auch, wenn es gegen den SV Grün-Weiß Breitenau geht.

Dass Hohenfichte dabei im letzten Spiel die Breitenauer 9:1 vom Platz fegte, wirkte bei den Fans als ein kräftiger Stimmungskatalysator. In einem Überschwang an Siegesfreude machten die Ultras dem gegnerischen Torwart ein unmoralisches Angebot. "Wir haben ihm auf dem Platz zugerufen, einen Kasten Bier zu spendieren, wenn er das zehnte Tor kassiert. Er hat zwar gelächelt, uns aber nicht den Gefallen getan", sagt Neubert und lacht.

Er und seine Kumpels sorgen während der Begegnungen des HoSV für gute Stimmung, wenngleich die Mitgliederzahl der Hohenfichtener Fan-Gruppierung noch überschaubar ist. Als im November 2017 knapp 60 Zuschauer das Spiel zwischen Hohenfichte und Marbach/Schellenberg verfolgten, stellten Neubert und Co. einen Anteil von rund zehn Prozent. Schließlich gibt es die Ultras, bei denen neben ihrem ungewählten Präsidenten insbesondere auch Roman Kazich, Max Mehner, Erik Neubert und Tom Oeser mitmischen, erst seit einem reichlichen halben Jahr.

"Die Idee dazu kam uns im Chemnitzer Stadion, als wir auf der Südtribüne das Spiel Chemnitzer FC gegen den 1. FC Magdeburg verfolgten. Da wurden wir von der Stimmung regelrecht angesteckt", berichtet Patrick Neubert. Danach wurde die "Gründungsversammlung" abgehalten, eine große Pappe mit den Vereinsfarben versehen und diese zu den Punktspielen immer mitgeführt. Dass diese Pappe nun ausgedient hat, steht nicht etwa in Zusammenhang damit, dass gegnerische Fans dieses Utensil erbeutet hätten. "Ich habe zu den Spielen dieses Ding immer gesehen. Die sah nicht wirklich gut aus, deshalb habe ich der Ultra-Bande jetzt ein ordentliches Banner spendiert, die Mannschaft hat noch einen Trikotsatz dazu bekommen", sagt Frank Werner, der in Marbach das Unternehmen Nanos24.de betreibt.

Gleich im ersten Spiel brachte das neue Teil Glück, den Weigmannsdorf wurde 3:2 bezwungen. "In Sachen Stimmung lassen sie sich auf jeden Fall immer etwas einfallen, was uns Spieler auch zusätzlich motiviert. Aber Kondition für 90 Minuten haben sie noch nicht", sagt Clemens Böttner schmunzelnd, der mit 15 Treffern beste Torschütze des Vizemeisters ist. Abteilungsleiter Karsten Seifert sieht in der lustigen und - im Gegensatz zu ihrer Bezeichnung - auch äußerst pflegeleichten Fangruppe eine gute Sache.

"Sie haben uns auch begleitet, als es in der Saison nicht so gut lief. Und wenn die Jungs Stimmung machen, zieht das vielleicht auch noch ein paar mehr Zuschauer an", sagt der Abteilungschef. Neubert und Co. wollen natürlich auch in der kommenden Saison für Action sorgen. Nicht ganz so, wie beim "El Clasico", aber anders schön. Und der Meistertitel muss nicht unbedingt her. Hauptsache, Marbach/Schellenberg und Leubsdorf werden bezwungen.

 
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