Film ab: Wenn Toni noch mal ins Bild rollt

Der Flöhaer Filmemacher Dietmar Hösel dreht für die aktuelle Aktion "Leser helfen" ein Videoporträt über Toni Puschke.

Leubsdorf.

"Toni, bitte. Du kannst kommen!" So lautet zu früher Stunde die Anweisung von Dietmar Hösel an Toni Puschke. Der junge Mann summt mit seinem Elektro-Rollstuhl ins Bild, um Augenblicke später wieder gestoppt zu werden. "Du musst weiter aus dem Bild herausfahren", gibt der Regiekameramann die nächste Anweisung. Und derer folgen an diesem Tag noch viele: Der Flöhaer Filmemacher begleitet für einen Tag den 20-Jährigen Rollstuhlfahrer. Für die "Freie Presse"-Aktion "Leser helfen" wird er den jungen Leubsdorfer in einem Videoporträt in Szene setzen.

Laut Drehplan wird Tonis größte Leidenschaft filmisch eingefangen: Seine kleine Tierfarm auf dem Gelände des Familien-Hofes. "Landwirtschaft ist mein Lieblingsthema, dazu habe ich meine Abschlussarbeit geschrieben", sagt Hösel.

Trotz leichter Minusgrade kommen die Beteiligten vor und hinter der Kamera ins Schwitzen. Mehrmals wiederholt Toni, der nur für wenige kurze Momente von seinem Vater Rudi Puschke Unterstützung braucht, die Tätigkeiten zur Vorbereitung der Fütterung seiner Zwei- und Vierbeiner. Toni ist gut gelaunt und meistert mit erstaunlicher Routine das Lampenfieber. Dietmar Hösel hat das Bildhandwerk im Auge zu behalten: Wie er Filmapparatur, Mikrofone und Leuchten von Drehort zu Drehort zu tragen hat.

Sind Fernsehleute im Haus, kann der eingespielte Tageslauf schon einmal aus dem Rhythmus geraten. Und da heißt es vor allem Geduld zu haben - für Mensch und Tier. Für die morgendliche Fütterungsprozedur der tierischen Freunde von Toni hat diesmal Dietmar Hösel das künstlerisch-organisatorische Sagen. 15 Hühner samt Hahn, fünf Schafe und drei Kaninchen dürften dies spüren: Nicht nur, dass sie länger als üblich im Stall warten müssen, und dies lautstark gackernd und blökend quittieren. Selbst das verspätet vorgesetzte Heu, die Schäler, Möhren und Salatblätter bekommen sie immer wieder weg genommen. Denn zunächst muss die Anfahrt zum Stall abgedreht werden, dann dass Portionieren. Und auch das Einstellen oder Ausstreuen des Futters wird wiederholt probiert. Alles, um den Haupthelden gut ins Bild zu rücken. Alle Handlungen müssen sinnvoll zusammenpassen, es gilt die Tätigkeiten in Schnittbildern zu erfassen.

Für Toni kein Problem. Bestens gelaunt verfolgt er wachen Auges die Arbeit des Filmemachers, folgt aufgeschlossen den Regiehinweisen. Neugierig hinterfragt er technische Parameter, will zum Beispiel wissen, was passiert, wenn er sich verspricht. Während Dietmar Hösel erneut sein Stativ am folgenden Standplatz im Schuppen justiert und den Weißabgleich erneuert, weiß der Leubsdorfer den Video-Mann auch zu necken: "Na, die Kamera ist wohl eingefroren? Soll ich noch mal in Zeitlupe hereinrollen?"

Sobald sich das Federvieh über die Morgenportion hermacht, geht es mitten unter den Hühnern auf der Wiese zum Interview mit dem sympathischen jungen Mann, der sein großes körperliches Handicap mit viel Selbstbewusstsein meistert. Er ist durch eine Hirnblutung bei der Geburt spastisch gelähmt, kann seine Beine und den rechten Arm kaum bewegen.

Nachdem Toni die Körperbehindertenschule in Chemnitz absolviert hat, arbeitet er nun in der "Glück auf"-Werkstatt der Lebenshilfe in Oederan. Von seinem Tagesablauf erzählt er, von seiner Leidenschaft für die Landwirtschaft, aber auch von seinen Träumen. Und genauso von seiner Leidensgeschichte. Korrigierte Dietmar Hösel bisweilen Handlungen, bedarf es im Gespräch keines Schnittes. Ohne Versprecher und nahezu filmreif erklärt Toni seine Meinung zu gesunder Tierhaltung und umweltbewusster Landwirtschaft. Der junge Mann ärgert sich über ein Verbraucherverhalten, das nur den Preis vor Augen hat. "Die Leute müssten viel bewusster einkaufen, und jene unterstützten, die auf einen Gleichklang mit der Natur setzen." In Marcus Schönherr hat er in Grünberg seinen fachlichen Ratgeber zur Seite. Zweimal pro Woche hilft Toni auf dem Schönherr-Bauernhof. Dabei lernt er, wie ein Landwirtschaftsbetrieb funktioniert. Klar, dass der nächste Drehort Grünberg sein wird.

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