Forscher aus Mittelsachsen gestaltet Gedenktafel am Südpol mit

Zu Beginn eines jeden Jahres muss die konkrete Lage des Südpols neu markiert werden. Weil der sogenannte Polmarker mit dem Eis wandert. Ein Erdmannsdorfer durfte gestalten, was aktuell auf dem südlichsten Punkt der Erde steht.

Erdmannsdorf/Südpol.

Seit gut drei Wochen hat Martin Wolf statt des ewigen Eises in der Antarktis wieder den deutschen Boden unter den Füßen. Statt ECW-Kleidung - die Abkürzung steht für Extremly Cold Weather, also für Temperaturen zwischen minus 30 und minus 70 Grad Celsius - tut es hier auch eine normale Winterjacke. Statt ausschließlich Helligkeit im antarktischen Sommer oder nur Dunkelheit im Winter gibt es für den 33-Jährigen nun wieder einen normalen Tages- und Nachtrhythmus.Doch am Neujahrsmorgen war der Erdmannsdorfer mit seinen Gedanken noch einmal am Südpol. Denn immer am 1. Januar wird traditionell der neue Polmarker der Öffentlichkeit vorgestellt. Das ist seit 1957 so. Und der Entwurf des aktuellen Exemplars stammt von Martin Wolf.

Jedes Jahr verschiebt sich das Gletschereis am Südpol um etwa zehn Meter - und mit ihm alles, was darauf steht. Damit muss der tief unter dem Eis liegende geografische Südpol immer wieder neu bestimmt und neu markiert werden. Mit dem Polmarker, einer Gedenktafel und den Flaggen der Unterzeichnerstaaten des Antarktischen Vertragssystems. Für das Design des Polmarkers können von den Mitarbeitern der Amundsen-Scott-Südpolstation Vorschläge eingebracht werden. Über diese wird bei einem Fest zur Sonnenwende am 21. Juni abgestimmt. "Zusammen mit meinem Kollegen Grantland Hall hatte ich das Design an nur einem Abend entworfen, kurz vor Abgabefrist. Und tatsächlich wurde unseres ausgewählt", freut sich Wolf, der seinerzeit am Pol an verschiedenen Experimenten mitgearbeitet hat. Umgesetzt wurde der Entwurf des Polmarkers schließlich von einem kanadischen Feinmechaniker.Das Resultat ähnelt einer Kugel, doch ein Viertel ist herausgeschnitten. Darin ist der Südpol mit der Forschungsstation zu sehen. Darüber schweben Aurora australis, also das Polarlicht und das Sternbild "Kreuz des Südens". "An der Halterung sind alle Namen der Winterover-Crew eingraviert, also auch meiner", erzählt Martin Wolf. Im Winter arbeiten über 40 Personen in der Station, die nach Roald Amundsen benannt ist. Er war 1911 der erste Mensch, der den unbesiedelten Südpol betrat. Im Jahr 1956 wurde die erste Forschungsstation eingeweiht, die seither ständig besetzt ist und von den USA betrieben wird.

Vor über zehn Jahren wurde sie durch einen Neubau ersetzt, in dem im Sommer etwa 150 Leute arbeiten, im Winter nur ein knappes Drittel davon. Geforscht wird vor allem auf den Gebieten der Glaziologie, Geophysik, Meteorologie, Astronomie und Astrophysik.

Die Polmarker der vergangenen Jahre wurden übrigens abgebaut und sind nun in einer Vitrine ausgestellt. Vielleicht kann Martin Wolf "seinen" Polmarker, dessen Enthüllung er leider verpasst hat, eines Tages auch dort betrachten. Denn ab März tritt der Doktor der Physik an der TU München eine neue Stelle an, bei der er sich weiterhin mit der Dunklen Materie beschäftigt. "Vielleicht komme ich eines Tages zum Südpol zurück, um dort zu forschen", sagt der Erdmannsdorfer. Das würde mich sehr freuen." Jetzt aber freut er sich erst einmal darüber, dass beim Verlassen des Hauses eine normale Winterjacke reicht.

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