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Gudrun Lange mit ihrer Gitarre.

Foto: Claudia Dohle

Frontfrau in der Musik und im Leben

Man kennt sie aus der Zeitung, aus dem öffentlichen Leben. Für "Freie Presse" zeigen Macher aus Mittelsachsen ihre private Seite. Heute: Gudrun Lange, Countrysängerin der Gruppe "Kactus".

Von Astrid Ring (Text) und Claudia Dohle (Foto)
erschienen am 10.02.2018

Augustusburg. So ein bisschen Wild-West-Feeling lässt sich nicht leugnen - obwohl in Augustusburg nun wahrlich nicht die Prärie vor der Haustür liegt. Doch wenn Gudrun Lange erzählt, dann sind die Bilder reitender Cowboys nicht weit. Und die zierliche, quirlige Frau mit den wachen Augen kann stundenlang berichten von ihren Auftritten in den USA, von Tagen und Nächten in Musikstudios und Fans nicht nur in ihrer Heimat.

Gudrun Lange - Countrysängerin und Frontfrau der Gruppe "Kactus" - sitzt dabei zu Hause im Wohnzimmer, erinnert sich an große Festivals und Konzerte mit Sängern, die in dieser Musikszene einen Namen haben. Sie räumt aber auch ein, dass diese Zeit vorbei ist. Country-Festivals, wie es sie in den 1990er-Jahren mit großem Publikum gab, finden sich heute kaum noch. Dennoch: Der Tourplan der Augustusburgerin ist für das Jahr 2018 gut gefüllt - wie sie es beurteilt. Zwischen Sassnitz, Frankenberg, Freiberg, Jonsdorf und Chemnitz ist sie solo und mit "Kactus" unterwegs. Und auch die beiden Country-Open-Airs in Schleusingen und an den Greifensteinen stehen fest im Kalender. "Das ist gut so", sagt sie mit Blick auf das Jahr.

Dabei war es zunächst überhaupt nicht Countrymusik, mit der die heute 53-Jährige ihr Geld verdienen wollte. Zwar sang sie immer gern, auch im Schulchor, erzählt sie. Sie lernte Flöte, brachte sich das Gitarrespielen bei und nahm privat Gesangsunterricht. "Musik gehörte in die Familie. Ich habe viel mit meiner Schwester und den Eltern gesungen", denkt sie zurück. Nach der Schule jedoch lernte Gudrun Lange zunächst Chemiefacharbeiterin, war in Flöha in der Buntpapier-Fabrik tätig. Ein Freund habe sie schließlich mit zu einer Probe der Gruppe "Kactus" genommen. "Ich sang, und die wollten mich sofort als Sängerin haben", sagt sie lachend. Im Jahr 1982 ist das gewesen, sie war 18 Jahre alt - im 36. Jahr steht sie nun mit der Band auf der Bühne.

Waren es zunächst Auftritte in der Region, zogen Gudrun Lange und "Kactus" den Radius bald größer. "Immer an den Wochenenden spielten wir zu Tanzveranstaltungen." Im Erzgebirge, im Raum Berlin und an der Ostsee tingelte die Band. "Zuerst mit Folkrock und irischen Titeln, bis sich alles in Richtung Country drehte", so Gudrun Lange. Dass sie die Stimme dafür habe - bestätigten "ihre Jungs" ihr. Einer davon - Band-Chef Martin Djoleff - wurde ihr Ehemann. Zunächst spielte "Kactus" 1985 beim internationalen Countryfestival im polnischen Mrongowo. "Das war so eine tolle Atmosphäre und für uns wie ein Startschuss", erinnert sich die Sängerin. Eine sechswöchige Tour in die damalige Sowjetunion folgte und der erste eigene Song: Das Lied "Bärenstarke Cowboys" schrieben Gudrun Lange und Achim Schaale 1986. Er erschien auf der Amiga-Platte "Kleeblatt Nr. 28". Steil nach oben, so erzählt sie noch heute mit leuchtenden Augen, ging es ab 1990. Als erste europäische Countryband sei "Kactus" von den Bellamy Brothers in die USA eingeladen worden. "Wir standen vor mehr als 15.000 Zuschauern mit Countrystars wie Pam Tillis und der Desert Rose Band in Florida auf der Bühne", schwärmt die Augustusburgerin. Und David Bellamy persönlich habe der Band den Golden American Award überreicht. Beim Truck Grand Prix auf dem Nürburgring folgte der "Silberne Truck". Gudrun Lange wurde von der German American Country Music Federation 2002 zur besten Sängerin Deutschlands gewählt.

In Nashville öffneten sich Studio-Türen, nachdem Tom Astor die Band quasi unter seine Fittiche genommen hatte. Es ging praktisch Schlag auf Schlag - eigene Lieder wie "Ich tanz im Regen" oder "Wo sind all die Gefühle" fanden sich auf den Chartlisten. Mehrere CDs, aufgenommen in Nashville, folgten und auch der Reise- und Musikfilm "American Dream", der im Süden der USA entstand.

Angebote, als Solosängerin zu arbeiten, habe Gudrun Lange damals abgelehnt. "Die Band war mir immer wichtig und ich ein Teil von ihr. Wir sind eine eingeschworene Truppe", sagt sie. Auch als ihr Mann starb und sie damals drohte, in ein Loch zu fallen, standen die Musiker von "Kactus" und ihre Familie hinter ihr. "Es war eine schwere Zeit, das half mir weiter, ebenso wie meine Tochter", denkt sie zurück. Ihre Tochter ist heute 22 Jahre alt und studiert Lehramt. Auch einen anderen Mann hat Gudrun Lange an ihrer Seite - er gehört seit 2004 als Techniker zur Band. "Das passt ganz gut, wir machen zusammen auch ein kleines Programm", erzählt sie.

Insgesamt sieben CDs erschienen von "Kactus" und Gudrun Lange, darunter ein Weihnachtsalbum. Die letzte Scheibe "Du und ich" kam 2011. "Mehr poppig-rockig und mit Schlagerelementen - Country kann modern sein. Das wollen die Fans", beschreibt sie die Titel. Und sie erzählt, an neuen Liedern zu arbeiten. Doch wie die Bandmitglieder, so geht Gudrun Lange auch einem zweiten Job nach, tageweise in der Buchhaltung einer Firma. Bodenständigkeit trotz aller Erfolge nennt sie als ihr Markenzeichen.

Und die Auftritte? Die sind Leidenschaft - von Lampenfieber begleitet und voller Energie für ihre Fans. Gudrun Lange weiß: "Ein dankbares Publikum ist heute nicht mehr selbstverständlich."

Mittendrin Teil 51 stellt Anna Silke Röder und Andreas Unglaub vom Schlosstheater Augustusburg vor. www.freiepresse.de/mittendrin

 
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