Gemeinschaftsgärten und Insektenweiden

Die Kleingartenanlage "Morgensonne" in Oederan braucht junge Mitglieder und sucht neue Formen des Gärtnerns. Warum sollten zum Beispiel nicht mehrere Familien ein Stück Land in der Sparte zusammen bewirtschaften?

Oederan.

In den Gärten der Kleingartenanlage "Morgensonne" in Oederan blüht und gedeiht es. Jedenfalls in den meisten der 78 Parzellen. Denn mittlerweile warten 15 von ihnen auf einen neuen Pächter und damit rund doppelt so viele wie vor vier Jahren, als das 90-jährige Bestehen der Anlage gefeiert wurde.

"Wir befinden uns in einem Generationswechsel", stellt Günter Föhst fest. Aber während in den Großstädten schon seit Jahren das Interesse von jungen Familien an den Kleingärten wächst, spürt er in Oederan davon nichts. Oder fast nichts, denn erst vor wenigen Wochen übernahm eine Familie einen bislang brachliegenden Garten gleich neben dem Vereinshaus.

Günter Föhst, gelernter Tischler und seit 1980 mit Unterbrechungen Vorsitzender des Vereins, will sich damit nicht abfinden. Die eine Idee hat ihre Wurzeln ebenfalls in den großen Städten: Urban Gardening. Sagt Föhst und lächelt: "Ich spreche lieber von Gemeinschaftsgärten. Warum sollten nicht mehrere Familien ein Stück Land bei uns in der Anlage gemeinsam nachhaltig bewirtschaften? Sie könnten auch das Vereinsheim nutzen und hier beispielsweise zusammen kochen." Nach seinen Vorstellungen müssten die Interessenten nicht einmal Vereinsmitglied werden. Kosten, beispielsweise für Elektroenergie und Wasser, könnten mit einer Bewirtschaftungspauschale abgegolten werden. Die zweite Idee wird Günter Föhst demnächst nach Augustusburg führen, wo in der Kleingartenanlage "Höckericht" Blumenwiesen als Insektenweide angelegt wurden. "Ich möchte gern wissen, unter welchen Bedingungen und wie das funktioniert."

Zwei Möglichkeiten, wie die Zahl der brachliegenden Gärten in der Anlage reduziert werden könnte. "Wir haben auch gute Erfahrungen mit den Tafelgärtnern gemacht, die vom Regionalbüro Brand-Erbisdorf der LEB Ländliche Erwachsenenbildung im Freistaat Sachsen betreut wurden. Aber aufgrund der späten Regierungsbildung wurde das Geld nicht rechtzeitig freigegeben, sodass daraus in diesem Jahr bei uns nichts wird", erklärt Günter Föhst und hofft, dass dies im kommenden Jahr wieder klappt. In der Anlage "Morgensonne" soll die Zahl der unbewirtschafteten Parzellen jedenfalls nicht noch größer werden.

"Wir haben hier ja recht gute Bedingungen. Erst im vergangenen Jahr wurden die Toiletten im Vereinsheim, das man für private Feiern nutzen kann, für 15.000 Euro inklusive Fördermittel saniert. Wenn der Bau der Augustusburger Straße beendet ist, erhalten wir neue Zugänge zur Anlage und einen neuen Zaun. Es passiert also einiges, was die Anlage attraktiver macht." Und nicht zuletzt packen auch die Kleingärtner selbst mit an.

Günter Föhsts Gedanken gehen noch weiter in die Zukunft. Er hofft, einen Gartenfreund zu gewinnen, der sich zum Gartenfachberater weiterbildet, und er denkt schon an 2024. Dann wird der 100. Geburtstag der "Morgensonne" gefeiert.


Der Neuling

Sandra Blaschke und Ronny Blaschke haben vor einigen Wochen einen der brachliegenden Gärten übernommen und bringen diesen nun nach und nach auf Vordermann. Die Altenpflegerin und der Bodenleger nutzen ihn als Rückzugsort für sich und die Kinder und zum Auftanken nach der Arbeit. "Es ist aber auch ein schöner Gedanke, dass frisches Obst und Gemüse durch unsere Arbeit wachsen und gedeihen. Und das die bei uns gewachsenen Dinge reine Bio-Produkte sind, ist ja auch klar", sagt Ronny Blaschke, der sich schon auf die ersten eigenen Kirschen freut. (uls)


Der Gestandene

Jürgen Hollakbewirtschaftet bereits seit den 1970er-Jahren eine der Parzellen, die er und seine Frau von deren Eltern übernommen hatten. Damals ein Glücksumstand, denn es gab lange Wartelisten und Gärten wurden zugewiesen, während man heute die Wahl hat. Jürgen Hollak ist eines der aktivsten Vereinsmitglieder, gehört zum Vorstand, und hält mit seinen Nachbarn auch zwei, drei angrenzende Gärten in Schuss, die derzeit keinen Pächter haben. "Es sieht einfach schöner aus, wenn nicht alles wild durcheinander wächst", sagt er und hofft neue Gartenfreunde. (uls)


Der Vorsitzende

Vereinsvorsitzender Günter Föhst nicht vor seinem Garten, sondern vor einer Parzelle, die etwa zehn jungen Leuten im Alter von 16 bis 19 Jahren zur Verfügung gestellt wurde. Föhst hofft, dass einige von ihnen sich an die Zeit in der Gartenanlage erinnern, wenn sie Familien gegründet haben und dass sie dann zurückkommen. "Drei von ihnen haben jüngst beim Arbeitseinsatz geholfen und Probleme wegen Lärm hatten wir noch nicht mit ihnen", sagt Föhst und hofft, die jungen Leute auch noch mit dem Anbau von Gemüse und mehr anfreunden zu können. (uls)

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