Hennersdorfer Schule: Ein Haus voller Geschichten

Veröffentlichungen zur Ortsgeschichte, in denen die Hennersdorfer Schule vorkam, gab es schon. Zum 180. Jubiläum des Gebäudes plant der Heimatverein nun eine eigene Broschüre.

Hennersdorf. Die ehemalige Schule im Augustusburger Ortsteil Hennersdorf wird im September 180 Jahre alt. Der örtliche Kultur- und Heimatverein will zum Jubiläum erstmals eine Broschüre zur Schulgeschichte herausbringen. In der Vergangenheit wurden bereits Chroniken vom Ort herausgebracht, die einiges zum Thema Schule beinhalten. So verfasste die damalige Hennersdorfer Chronikgruppe im Jahr 2005 eine Gebäudechronik zur 725-Jahr-Feier im Ort.

Der gebürtige Hennersdorfer Klaus Brödner, der heute in Erdmannsdorf lebt, war damals häufig als Mitglied der Chronikgruppe in verschiedenen Archiven von Augustusburg über Freiberg bis hin nach Dresden unterwegs, um alte Dokumente einzusehen und Geschichtsträchtiges zum Ort zusammenzutragen. Der Hennersdorfer Stefan Fröhner nahm alle Texte und Informationen an sich und fasste sie in einer Broschüre zusammen. Darin enthalten waren auch Texte vom ehemaligen Lehrer der Schule, Helmut Schneider.

"Im Laufe der letzten Jahre sind immer wieder Fotos und Informationen zur alten Schule aufgetaucht und sollen nach Aufarbeitung mit in die Broschüre einfließen", sagt Erik Neukirchner, jetziger Bewohner des Gebäudes. Seit 2012 wohnt und arbeitet der Bildhauer in dem geschichtsträchtigen Haus. Er hat in den zwei alten Klassenräumen eine Werkstatt, sein Atelier und einen Ausstellungsraum eingerichtet.

Als Baumeister der Schule wird Christian Friedrich Uhlig genannt. "Es gibt mehrere Schulen, die nach gleicher Bauart errichtet wurden, beispielsweise in Dittmannsdorf und Gornau", sagt Erik Neukirchner. Das Besondere am Hennersdorfer Gebäude ist der vorhandene Glockenturm, dessen Glocke in Betrieb ist. Halbstündig erklingt sie automatisch von 6.30 bis 22 Uhr. Seit einigen Jahren wird sie sogar wieder per Hand zu besonderen Anlässen, wie Geburten, Sterbefällen oder Hochzeiten mehrere Minuten geläutet.

Viel zu der Schulzeit in Hennersdorf kann Lore Ullmann erzählen. Die 86-Jährige hat die Bildungseinrichtung vor 73 Jahren verlassen und trotzdem nie aus dem Auge verloren. "Wir haben bis nach der Wende im Erbgericht gleich neben der Schule gewohnt", sagt Lore Ullmann. Nach dem Verkauf ihres Elternhauses zog sie mit ihrem Mann in ein neues Haus, wieder in Sichtweite der Schule. Trotz des Katzensprungs vom Elternhaus zum Klassenzimmer war die Zeit für die Schülerin nicht immer leicht. "1938, als auch das 100-jährige Bestehen der Einrichtung gefeiert wurde, bin ich eingeschult worden und war 1945 fertig", erzählt die Seniorin. "Fast meine gesamte Schulzeit war vom Krieg geprägt". Trotzdem ging sie gerne zu Schule.

"Der Unterricht dauerte von etwa 7 bis 11 Uhr und 14 bis 16 Uhr. Nachmittags hatten wir oft Handarbeit und Singen auf dem Stundenplan", erzählt die Hennersdorferin. "Zu meiner Zeit waren bis zu 30 Schüler verschiedener Jahrgangsstufen in einem Raum untergebracht. Während zwei Klassenstufen unterrichtet wurden, hatten die anderen Stillarbeit zu verrichten", erinnert sie sich.

1884 besuchten laut der Chronik von 2005 sogar 128 Kinder und 17 Fortbildungsschüler die Schule. Im Jahr 1972 wurde die Einrichtung nach 134-jähriger Schulzeit eingestellt. Diese und viele andere interessante Fakten sollen zusammen mit der jüngsten Geschichte in die neue Broschüre einfließen.

Zusammen mit anderen Mitgliedern aus dem Heimatverein sucht Erik Neukirchner nun noch nach Dokumenten oder Fotos. "Wir haben in Hennersdorf einen Brief verteilt. Es wäre wunderbar, wenn sich Menschen aus anderen Orten melden, die noch Informationen und Material zum Schulgebäude beisteuern können", sagt der 45-Jährige.

Kontakt Wer etwas beitragen möchte, kann unter Telefon 037291 183248 oder per E-Mail an mail@erikneukirchner.de Kontakt zu Erik Neukirchner aufnehmen.

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