Kork taugt nicht nur zum Stöpsel

In der Galerie "Angewandte Kunst Schneeberg" im Lichtenwalder Schloss zeigen gegenwärtig Absolventen der gleichnamigen Fakultät ihre Arbeiten. Zu ihnen gehört Grit Otto, die vom Leistungssport zum Design fand und mit dem Naturmaterial experimentierte.

Lichtenwalde.

Kork wird üblicherweise zum Verschließen von Flaschen oder als Isoliermaterial verwendet. Einen Stuhl aus geschichtetem Kork mit einem Gestell aus Edelstahl hat Designerin Grit Otto aus Schneeberg entwickelt. Die Absolventin der Westsächsischen Hochschule Zwickau, Fakultät Angewandte Kunst Schneeberg, experimentierte in ihrer Bachelorarbeit 2017 mit dem Rohstoff Kork.

"Ich wollte herausfinden, wie flexibel das Naturmaterial ist und wie man es am sinnvollsten einsetzen kann", erklärt die 27-Jährige. Mit dem Ergebnis kann sie sich sehen lassen. Obgleich es vielleicht nicht den Anschein hat, ist der Stuhl sehr bequem und passt sich durch seine gewellte Lehne perfekt dem Rücken an. Ein raffiniertes, nicht sichtbares Furniersystem stabilisiert das aus der Rinde der Korkeiche gewonnene Material an den entsprechenden Stellen.

Nun hofft die junge Designerin, dass ihre Arbeit in naher Zukunft das Interesse eines Möbelherstellers findet, damit es kein Einzelstück bleibt. Als ehemalige Biathletin und Leistungssportlerin im Nachwuchsbereich des Bundesstützpunktes Altenberg bringt sie jedenfalls genügend Ausdauer und Zielstrebigkeit mit. Sport ist ein Hobby geblieben, aber ihr Wunsch war ein handwerklicher Beruf.

Nach Praktika bei einem Tischlerunternehmen in Pirna bewarb sie sich erfolgreich an der Westsächsischen Hochschule. Zielstrebig geht sie jetzt auch nach dem Abschluss als Bachelor für Holzgestaltung/Produktdesign ihr weiterführendes Masterstudium. "Ich möchte nach meinem Abschluss im Sommer als Designerin gern in der Region weiter arbeiten", wünscht sich Grit Otto. Bis es so weit ist, unterstützt sie die Galerie "Angewandte Kunst Schneeberg" im Schloss Lichtenwalde als studentische Galeristin, bereitet die vielfältigen Ausstellungen vor und erklärt Besuchern die Exponate der Absolventen. Dort kann man auch ihre Bachelorarbeit, den futuristischen Stuhl, besichtigen.

Für Besucher der aktuellen Ausstellung "Primavera" gibt es aber noch viel mehr zu entdecken, etwa ein imaginäres "Café Primavera" mit ungewöhnlichen Tischflächen, an denen man sitzen und Kaffee oder Tee genießen kann, Raumteiler mit interessanten Motiven, Wandschmuck, kleine Kunstobjekte und ungewöhnliche Collagen - alles Arbeiten der Schneeberger Designstudenten aus den Studienrichtungen Textilkunst/-design und Holzgestaltung.


Design, Kunst und Gespräche

Die Ausstellung "Primavera" in der Galerie "Angewandte Kunst Schneeberg" in Lichtenwalde versammelt noch bis 17. Juni Arbeiten von Designstudierenden der Fachrichtungen Textilkunst/-design und Holzgestaltung. Geöffnet ist freitags bis sonntags, jeweils von 11 bis 18 Uhr. Eintritt frei.

Im "Talk in der Galerie" am 24. Mai, 19.30 Uhr diskutieren Galerieleiter Jochen Voigt, Detlef Göschel, Chefrestaurator der Kunstsammlungen Chemnitz, und die Künstlerin Dagmar Zemke unter dem Titel "Slow Motion - Zeit für Kunst" über zeitaufwendige künstlerische Verfahren. Es musizieren Mathis Stendike und Sara Alagha. Im Anschluss können Besucher mitgebrachte Kunst kostenlos begutachten lassen. Der Eintritt kostet 15Euro (mit Getränken). Karten können per E-Mail an galerie@fh-zwickau.de bestellt werden. (anpö)

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