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Ein Wohnhaus der Wohnungsgenossenschaft Flöha und Umgebung an der Lessingstraße. Es ist das Kerngebiet der Genossenschaft.

Foto: Hendrik JattkeBild 1 / 2

Mieterkritik: Warum jetzt, warum so viel

Der Vorstandsvorsitzende der Wohnungsgenossenschaft Flöha Daniel Kästner spricht im Interview über die Gründe für die Mieterhöhung

erschienen am 16.04.2018

Flöha. Die Wohnungsgenossenschaft Flöha und Umgebung erhöht zum 1. Juni die Grundmiete. Das gab es in der gut 60-jährigen Geschichte der Genossenschaft noch nie. Matthias Behrend hat den Vorstandsvorsitzenden Daniel Kästner gefragt, wie die Mieter auf diesen Schritt reagieren und hat sich erklären lassen, wie die Erhöhung berechnet wurde.

Freie Presse: Herr Kästner, die Wohnungsgenossenschaft Flöha und Umgebung erhöht erstmals in ihrer Geschichte die Grundmiete. Warum tun Sie das und warum jetzt?

Daniel Kästner: Es gibt für diesen Schritt mehrere Gründe. Zunächst - wir haben in den vergangenen 15 Jahren mehr als drei Millionen Euro investiert, um die Heizkosten für unsere Mieter zu senken. Alle diese Investitionen hätten wir anteilig auf die Miete umlegen können. Die Genossenschaft hat darauf aber verzichtet, um die Einspareffekte direkt bemessen zu können. Wir können also jedem Mieter seine konkrete Einsparung berechnen. Es ist jetzt an der Zeit, zumindest einen Teil der Investitionen zu refinanzieren.

Sie holen sich also das, was ihre Mieter dank der Investition eingespart haben.

Wir setzen nur einen Teil der erzielten Einsparungen als Erhöhung an. Ein Beispiel: Ein Mieter, der früher mit einer Gas-Etagenheizung 1000 Euro Heizkosten im Jahr hatte, zahlte dank unserer Pellet-Heizanlage ab 2007 nur 400 Euro jährlich. Das ergibt eine Einsparung von 600 Euro jährlich, also 6000 Euro in den vergangenen zehn Jahren. Im Durchschnitt steigt die Grundmiete jetzt von 4,59 auf 4,78 Euro. Das sind für eine 60-Quadratmeter-Wohnung knapp 137 Euro im Jahr mehr. Maximal steigt die Grundmiete monatlich um zehn Prozent oder zehn Euro pro Raum. Unsere Mieten liegen immer noch unter den Beträgen, die im Bedarfsfall vom Landkreis als Kosten für die Unterkunft gezahlt werden. Und wir liegen dank unserer niedrigen Betriebskosten mit der Gesamtmiete noch unter den Beträgen unserer Mitbewerber.

Sie beobachten also den Mietmarkt. Welche Rolle spielt der Markt bei einer Mieterhöhung?

Der Markt wird grundsätzlich beobachtet. Fakt ist aber, dass der Markt hierzulande nicht den Preis hergibt, um Investitionen vernünftig zu refinanzieren.

Sie sprachen von mehreren Gründen für die Erhöhung.

Ja. In den vergangenen 15 Jahren sind die Preise für Handwerker und andere Dienstleistungen um durchschnittlich 50 Prozent gestiegen. Die Verwaltung des Wohnungsbestandes hat sich entsprechend verteuert. Das sind Kosten, die wir nur über die Mieteinnahmen refinanzieren können. Andere Einnahmemöglichkeiten haben wir nicht.

Wie reagieren ihre Mieter auf die Ankündigung der Mieterhöhung?

Wir haben im März circa 800 Schreiben versendet. Etwa 400 unterschriebene Rückmeldungen liegen mir bislang vor. Ich habe etwa 50 Gespräche mit Mietern geführt, die zwar die Ankündigung der Mieterhöhung unterschrieben und damit also akzeptiert haben, sich aber kritisch dazu äußern. Aktuell liegen uns sieben Widersprüche gegen die Mieterhöhung vor. Die häufigste Reaktion war, dass eine Mieterhöhung nachvollziehbar sei - aber warum jetzt und warum so viel?

Warum fallen die Erhöhungen unterschiedlich aus. Wäre eine pauschale Erhöhung um einen einheitlichen Prozentsatz nicht gerechter gewesen?

Nein. Die absolute Gerechtigkeit ist eine Illusion. Wir haben uns jeden einzelnen Mietvertrag angeschaut. Neben der grundsätzlichen Festlegung, dass die Grundmiete um maximal zehn Prozent oder zehn Euro pro Raum steigen soll, wurden für jedes Wohngebäude Kriterien festgelegt, die sich an der Lage und am Ausstattungsgrad orientieren. Dann wurde jeder einzelne Mietvertrag geprüft. Es gab zum Beispiel Abschläge für Wohnungen ohne Balkon oder die oberen Geschosse. Und wir haben zusätzlich eine soziale Verträglichkeitsprüfung gemacht.

Sie haben gesagt, dass die lange Zeit ohne Mieterhöhungen ein Fehler gewesen sei. Wird es künftig Mieterhöhungen in kürzeren Abständen geben?

Wir werden künftig bei Modernisierungen die Umlagefähigkeit auf die Miete prüfen.

Der Geschäftsführer der städtischen Wohnungsgesellschaft sagte kürzlich, dass sich Wohnungen ohne Balkon kaum noch vermieten lassen. der Balkon sei ein K.o.-Kriterium. Ist das bei ihnen auch so?

Ja, absolut. Wir bereiten inzwischen jede leergezogene Wohnung ohne Balkon vor, indem wir vor dem Neubezug eine Balkontür einbauen, die dann zunächst als bodentiefes Fenster ein Gitter bekommt. Der Balkon kann später unkompliziert angebaut werden, ohne dass wir in die Wohnung müssen.

 
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62-jährige Gesichte
 
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