Natur sinnlich erleben auf dem Erlbacher Barfußpfad

Auf geht's, Socken runter - schließlich ist ein Barfußpfad abzulaufen. Ein letzter Blick noch auf die Hinweistafel, die darüber informiert, dass die Füße, meist eingezwängt in Schuhen, jeden Tag eine Menge aushalten müssen, und dass Barfußlaufen gesund ist, weil es die Muskeln und Gelenke kräftigt, den Gleichgewichtssinn trainiert, die Durchblutung fördert und das Immunsystem stärkt. Das alles tut not bei mir, meint die Redaktion.

Wie sich in der Folge zeigt, ist der Barfußpfad in verschieden lange Segmente unterteilt, die allesamt aus Naturmaterialien angelegt sind. Die groben Holzspäne gleich zu Anfang des Pfades pieken ein wenig, was aber nicht unangenehm ist, weil es beim zweiten Begehen zu einem Kitzeln wird. Über den Sand zu laufen, das erinnert an den Strand der Ostsee. Er schmiegt sich an die Sohlen und zwischen die Zehen - ein wohliges Gefühl. Hoppla, was haben sie sich denn da ausgedacht?

Über feinkörnigen Splitt oder Schotter läuft man normalerweise besser in Schuhen, aber auch das ist gerade der Sinn des Pfades: das Material barfüßig zu erfühlen, mit vorsichtigem oder energischem Aufsetzen der Sohlen. Gar nicht so schlimm, wie auch das Balancieren über die entrindeten oder noch berindeten Stämme, das Staken durch die Fichtenzapfen, über die Heuballen oder die Pflastersteine. Zugegeben: Es drückt hier und da ein wenig an den Fersen und die Zehen flüstern "Hej, pass auf!", aber Indianer kennen keinen Schmerz, auch wenn sie nur eine dünne Hornhaut haben. Vielleicht, so fällt mir ein, wäre es eine gute Idee, wenn Kinder mit Hilfe und geschlossenen Augen über den Pfad gehen und erraten, auf welchem Material sie gerade laufen.

Was, schon zu Ende der Barfußpfad? Schade eigentlich, ein quergelegter Stamm über dem Weg ist die Ziellinie, eine Bank lädt zum Ausruhen ein. Ein Schelm hat "Pizza" draufgesprüht - na ja, kräftezehrend war's nicht. Es gibt jetzt zwei Möglichkeiten: Entweder man hat seine Sachen dabei und geht ungefähr 300 Meter bis zum Rudolf-Thiele-Bad, um sich dort zu erfrischen, oder - was wegen des doppelten Genusses zu empfehlen ist - den Barfußpfad retour. Noch einmal das Krabbeln und Kribbeln, das Streicheln und Pieken - tut das gut! Am Start- und jetzt Zielhäuschen steht eine Pumpe.

Den Schwengel zweimal rauf und runter, schon fließt das Wasser (kein Trinkwasser!) und kühlt säubernd die Füße. Der Barfußpfad hat sich gelohnt. Das haben auch schon andere vor mir festgestellt und selbst Erlbacher, die anfangs meinten "Solchen Furz brauchen wir nicht!", geben mittlerweile kleinlaut zu, dass er eine Attraktion für den Ort ist.

Meine Schlappen hängen noch am Haken, kein Wunder. Dafür habe ich mir als Erinnerung an den Barfußpfad einen schönen runden Stein eingesteckt. Was steht doch noch gleich auf der Hinweistafel geschrieben: "Der unmittelbare Kontakt der Fußsohlen mit dem Boden hilft, Stress abzubauen..." Das stimmt haargenau und deshalb hat sich der Text fast von allein geschrieben.

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