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Ein Mähdrescher der Agrozuchtfarm Breitenau im August bei der Ernte von Brauweizen der Sorte Elixor.

Foto: Hendrik JattkeBild 1 / 4

Rapsernte mies, Mais in Gefahr

2015 und 2016 haben gute Ernten gebracht, sagen die Landwirte. In diesem Jahr zog im Juni Hagel übers Land. Frühling und Frühsommer waren zu trocken, der Herbst ist zu nass. Eine Erntebilanz.

Von Michael Kunze
erschienen am 12.10.2017

Flöha. Laut Landesamt für Umwelt, Landwirtschaft und Geologie gibt es im Altkreis Flöha 120 Landwirtschaftsbetriebe. Sie bewirtschaften insgesamt eine Fläche von 14.063 Hektar. 2017 ist für die Betriebe kein leichtes gewesen. Mal Trockenheit, mal Nässe und dazu Extremwetterlagen: Die hiesige Landwirtschaft brauchte dieses Jahr starke Nerven.

Die Rapsernte etwa fiel sehr schlecht aus, bestätigen mehrere Landwirte. Arndt Hötzel, Geschäftsführer der Agrar-GmbH "Am Kunnerstein", berichtet zudem von Mindererträgen im Vergleich zum fünfjährigen Mittel bei Wintergerste, Winterroggen, Gerste, Hafer, Weizen und der Weizen-Roggen-Kreuzung Triticale. Örtlich sei der Ertrag im Vergleich zum fünfjährigen Durchschnitt um ein Fünftel gesunken, teils sogar um mehr. In Gewässernähe wiederum sei in tieferen Lagen vielfach die Obstblüte erfroren.

Landwirtin Christine Schubert aus Schönerstadt bewirtschaftet 100 Hektar. Beim Raps kommt sie diesmal auf 30 bis 35 Dezitonnen Ertrag je Hektar. "In den überdurchschnittlichen beiden Vorjahren waren es 40 bis 45 Dezitonnen", sagt sie. Durch den Hagel, der Ende Juni übers Land zog, hatte sie auf einem Schlag Einbußen. Hötzel spricht von durchschnittlich zehn bis 15 Prozent auf den 320 Hektar, die sein Betrieb bewirtschaftet. "Trotz Versicherung bleibt da ein Ausfall", sagt er.

Werner Bergelt, Geschäftsführer des Regionalbauernverbandes Erzgebirge, berichtet für das Verbandsgebiet, das neben dem Altkreis Freiberg den heutigen Erzgebirgskreis umfasst, für die diesjährige Ernte von zehn bis 20 Prozent weniger Ertrag im Vergleich zum fünfjährigen Mittel beim Getreide. Als eine Ursache nennt der Fachmann die stark verregneten Monate September und Oktober im vergangenen Jahr. Bei Wintersaaten wie Weizen, Roggen, Triticale verhinderte die Nässe, dass viele Körner keimten - was sich auf die Ernte in diesem Jahr auswirkte. Zwar sei der Winter human gewesen. Ohnehin bereite die seit Jahren feststellbare Milde in der kalten Jahreszeit den Landwirten kaum Schwierigkeiten - im Gegenteil. "Wir haben nämlich auch schon erlebt, wie bei besonders langen Wintern die Gerste auf den Feldern verschimmelt ist", sagt er. Doch "der wiederholt und zunehmend trockenere Frühling" bringe ein ums andere Mal schlechte Starts, sagt er. Vor allem bei Hafer und Sommergerste habe das Phänomen in diesem Jahr Spuren hinterlassen.

"Hinzu kamen eine Reihe von Tagen, an denen das Thermometer auf deutlich mehr als 30 Grad Celsius kletterte, da machen die Pflanzen zu", erklärt Bergelt. Eine Art Stressreaktion, die sich auf Qualität und Ertrag auswirke. Von einer Missernte will der Bauernverbandsgeschäftsführer nicht sprechen, eher von einem "ganz normalen schlechten Jahr". Die Ausreißer nach unten könnten es für den jeweiligen Einzelfall aber sehr hart machen, je nach Betrieb. Nicht die Ertragsmenge, insgesamt gesehen, sei freilich das Problem mit der Getreideernte dieses Jahres, sondern der Preisverfall. "Das liegt daran, dass die Ernten in den zurückliegenden Jahren, weltweit betrachtet, gute waren", so Bergelt. Das drücke den Preis.

Auf der Haben-Seite verbucht er, dass die Erträge mit Blick auf die vergangenen 15 Jahre gestiegen seien. "Das aber geht nur, wenn wir den Boden gut behandeln." Damit wendet sich Bergelt gegen Kritik, etwa von Umweltaktivisten, an der konventionellen Landwirtschaft.

Bergelt weist darauf hin, dass die Betriebe Klima-Veränderungen registrieren: Es wird insgesamt wärmer. Zudem würden die Sommer feuchter, die Frühjahre aber trockner. Außerdem nähmen lokale Wetterextreme zu, was Schubert wie Hötzel bestätigen. Ein Lichtblick in diesem Jahr: der hervorragende Maisertrag. Nur: Den Mais von den Feldern einzubringen, das sei derzeit kaum machbar, weil es arg nass ist nach tagelangem Regen. Nun richtet, sagt Arndt Hötzel, Schwarzwild beträchtliche Schäden an. Die Landwirte müssen dabei zusehen.

 
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