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Schulleiter im Landkreis noch immer gesucht

Während sich die Chemnitzer Bildungsagentur mit Zahlen zurückhält, benennt Mittelsachsens Kreiselternratschef vakante Posten.

Von Jochen Walther
erschienen am 10.07.2017

Flöha/Frankenberg. Kerstin Appelt atmet auf: Seit der Erkrankung ihres Kollegen hat die Chefin der Grundschule Lichtenberg auch die Leitung der Grundschule in Cämmerswalde übernommen. Das war vor einem Jahr. Inzwischen steht fest: Michael Gläßer kehrt nicht mehr zurück. Ein weiteres Schuljahr in Doppelfunktion wollte sich die 58-jährige Lehrerin nicht zumuten. "Ich komme an meine Belastungsgrenze", erklärt Appelt, die jedoch ihre Kollegen in Cämmerswalde nicht im Stich lässt. Sie selbst hat nach langer Überzeugungsarbeit eine der vier Lehrerinnen gewinnen können, ab dem neuem Schuljahr den Chefposten zu übernehmen. Das sei mit Weiterbildungsmaßnahmen verbunden. Ein Seiteneinsteiger soll dann das Lehrerteam verstärken.

Ein Glücksfall, sagen die Pädagogen. Denn im Bereich der Bildungsagentur Chemnitz, zu der neben Mittelsachsen der Erzgebirgskreis und die Stadt Chemnitz zählen, waren im Mai noch 38 Leiterstellen in Grund-, Ober- und Förderschulen sowie Gymnasien unbesetzt, 30 davon in Grundschulen, bestätigt Manja Kelch, Pressereferentin des sächsischen Kultusministeriums. Für Zahlen zu Mittelsachsen verwies sie auf die Bildungsagentur. Sprecher Lutz Steinert ließ zu dem Thema mehrmalig "Freie Presse"-Anfragen unbeantwortet. Wegen der laufenden Einstellungsverfahren könne frühestens in der Vorbereitungswoche vor Schulbeginn etwas dazu gesagt werden. Er stellte aber klar: "Es wird im nächsten Schuljahr an jeder Schule einen Schulleiter geben."

Daran will Peter Lorenz, Vorsitzender des Kreiselternrates Mittelsachsen, nicht so recht glauben. "Ich weiß von zehn bis zwölf Leiterstellen an mittelsächsischen Grundschulen, die vakant sind", so der Peniger, der in dem Zusammenhang forderte, mehr Grundschullehrer in Chemnitz auszubilden. Dort gebe es 100 Ausbildungsplätze, das sei zu wenig. "Wer keinen Platz bekommt, geht nach Leipzig", sagt Lorenz. In der Messestadt könnten Bewerber auch Lehramt für Gymnasien studieren. Die wenigsten davon würden nach Mittelsachsen zurückkehren. Ob der jetzige Versuch der Behörden gelingt, aus dem Lehrerpersonal Schulleiter zu rekrutieren, bezweifelt der 55-Jährige. Auch die Mobilisierung von 63- bis 65-jährigen Lehrern, die aus dem Ruhestand für drei Jahre zurückgeholt werden und einen Zuschuss erhalten, hält er für bedenklich. "Niemand kann sagen, wie es in drei Jahren weitergeht."

Sachsens Schulleitungsverband macht das Lehrerpaket vom Oktober 2016 für die Schieflage beim Leitungspersonal verantwortlich. Mit dem Paket zielt Sachsen darauf ab, den Lehrerbedarf abzusichern und die Attraktivität des Lehrerberufs zu erhöhen. Dabei wurden finanzielle Anreize für Lehrer in Mangelregionen und -fächern eingeführt. Es könne nicht sein, dass Neueinsteiger ohne Berufserfahrung besser vergütet würden, als gestandene Kollegen, so Verbandschef Michael Ufert.

Auch die Lichtenberger Grundschulchefin Appelt spricht von Versäumnissen der Bildungspolitiker. "Das war doch vorhersehbar", sagt sie und freut sich umso mehr, dass zumindest in Cämmerswalde die Schulleiterstelle bald besetzt ist. "Ich habe der Kollegin Unterstützung zugesagt." Auf einen guten Ausgang hoffen auch Schüler und Lehrer der Viehweg-Oberschule in Frankenberg. Nachdem Leiterin Gerdi Anders im Juni in den Ruhestand verabschiedet wurde, fehlt ein Nachfolger. "Die Stelle wurde ausgeschrieben", sagt Steinert. Es habe mehrere Bewerber gegeben, das Besetzungsverfahren laufe noch. "Wir rechnen mit der Neubesetzung zu Beginn des nächsten Schuljahres", so Steinert.

Weniger problematisch verlief der Schulleiterwechsel am Flöhaer Pufendorfgymnasium. Den einstigen Chef Jacob Matthes, der im April 2016 von den Zwölftklässlern mit einer Überraschungsaktion in den Ruhestand verabschiedet wurde, löste derweil Sylvia Noack ab. Die 52-Jährige hatte zuvor als Mathematik- und Physiklehrerin in Chemnitz unterrichtet, trat die Stelle im Oktober an. Bis dahin war Sylke Wolf als kommissarische Chefin eingesetzt.

 
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