Toni braucht zum Glück nur eine Kuh

Wenn Toni Puschke auf dem Biohof der Familie Schönherr helfen kann, ist die Welt trotz Handicaps für ihn in Ordnung.

Grünberg.

Immer wenn Toni Puschke Kühe sieht, geht sein Herz auf. Zwei Mal wöchentlich ist der 20-jährige Leubsdorfer zu Besuch auf dem 90 Hektar großen Biohof von Markus Schönherr in Grünberg. Seit seinem zwölften Lebensjahr zieht es ihn regelmäßig dorthin, wo er viel Zeit mit seinen Lieblingstieren verbringen kann. "Ich war zusammen mit meinem Vater das erste Mal da, kurz nachdem das Dach eingestürzt ist." An den 15. Dezember 2010 erinnert sich Markus Schönherr noch genau. Damals war nach tagelangem Schneefall die Last auf einigen Bereichen des Daches des Landwirtschaftsbetriebes so schwer geworden, dass plötzlich Teile vom Kuhstall einstürzten. Mehrere Kühe starben bei dem Unglück. Menschen wurden nicht verletzt.

Seit dieser Zeit ist Toni Stammgast bei den derzeit 60 Milchkühen und 60 Jungrindern. Im Sommer fährt er nach seiner Arbeit in der "Glück auf"-Werkstatt der Lebenshilfe in Oederan allein mit seinem Elektro-Scooter den Weg von Leubsdorf nach Grünberg. Während der dunklen Jahreszeiten fährt Rudi Puschke seinen Sohn. Ein großer Wunsch von Toni und seinen Eltern ist eine Einstiegshilfe für das Familienauto, weil es für den 70-jährigen Vater zunehmend schwieriger wird, seinen Sohn auf den Beifahrersitz zu heben. Toni ist durch eine Hirnblutung während seiner Geburt spastisch gelähmt. Der Leubsdorfer kann seine Beine sowie den rechten Arm kaum bewegen. Er sitzt im Rollstuhl.

Wenn Toni auf dem Bauernhof in Grünberg ankommt, tauscht er als erstes seinen Scooter gegen einen alten Stall-Rollstuhl, für den er auf dem Hof einen Extra-Stellplatz bekam. Sein Vater hat Rampen gebaut, sodass Toni auf dem Hof mobil ist. "Zurzeit ist die Elektrik vom alten Rollstuhl aber kaputt. Ich hoffe, dass der Fehler schnell gefunden wird, damit ich ihn wieder nutzen kann", sagt Toni. Er hat es sich zur Aufgabe gemacht, den Kühen das Heu oder Gras am Futtertisch ranzukehren, dass diese beim Fressen immer wieder nach vorne schieben. Die Kühe kennen ihn schon sehr gut und beschnuppern gern mal seinen Rollstuhl oder seine Jacke.

Im Laufe der Jahre hat sich Toni viel Wissen über Kühe angeeignet. Sein Steckenpferd ist die biologische Tierhaltung, von der er begeistert ist. "Ich finde die Haltungsbedingungen der Tiere auf dem Biohof toll. Es geschieht viel im Kreislauf der Natur. Ich würde mir wünschen, dass die Menschen bewusster leben, dass der Konsum vermindert wird und alle Tiere in biologischer Haltung leben könnten", erzählt Toni, der davon überzeugt ist, dass die Menschheit auch mit einer biologischen Tierhaltung ernährt werden könnte.

Das Wissen über die Rinder hat er sich im Internet sowie durch viele Gespräche mit Bärbel Schönherr, der Seniorchefin angeeignet. Mit ihr verstehe er sich sehr gut. Die 70-jährige Bärbel sei für Toni so etwas, wie eine Ersatzgroßmutter, sagt Rudi Puschke. Ein Praktikum hat Toni vor zwei Jahren bei der Agro Produkt GmbH in Leubsdorf absolviert. Dort war er im Büro tätig und hat unter anderem in Tabellen ausgewertet, wie viel Wasser eine Kuh täglich braucht. "Etwa 60 Liter säuft sie am Tag", berichtet Toni. Auch Markus Schönherr bestätigt, dass Toni sich viel mit dem Thema Rinder beschäftigt. "Er kennt sich schon aus, und der Umgang mit Kühen macht ihn unübersehbar glücklich."

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