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Holly (Dritter von links) mit seiner Band. Er will in Venedig eine Platte aufnehmen. Für die Finanzierung dieses Projekts hat er sich etwas Besonderes ausgedacht.

Foto: Jens Gloger/PF Bild 1 / 2

Von Hirschen, Mammuts, freien Geistern

Ein Zwickauer Musiker möchte in Venedig eine Platte aufnehmen. Dafür sammelt er unter seinen Fans Geld - und verteilt Geschenke.

Von Sara Thiel
erschienen am 07.12.2017

Zwickau/Braunsdorf. Er ist wieder da: außen Wandteppich, innen Kult, große Klappe und über der Schulter zu tragen. Der Hirschbeutel - er war das Zubehör jener, die mit Parka, Fleischerhemd und Tramper den DDR-Bluesbands hinterhergereist sind. Diese Zeiten mögen vergangen sein, sind aber nicht vergessen. In Kürze soll die Produktion des Hirschbeutels mit Hilfe der Cammann Gobelin-Manufaktur in Braunsdorf wieder anlaufen.

Nicht die Modeindustrie steckt dahinter, die seelenlos alles kopiert, auf das sich der Stempel "retro" pressen lässt. Sondern ein Musiker, der seine Wurzeln in genau diesem rotweindurchtränkten Boden hat, aus dem auch Männer wie Jürgen Kerth oder Hansi Biebl gewachsen sind. Und eben er: Sein Name war Holger Haustein. Damals, als er in Oberwiesenthal Kindheit und Jugend verbrachte. "Ich habe 20 Jahre dort gelebt, mit Skiern an den Füßen. Dann war ich elf Jahre lang Dachdecker", sagt er. Da hatte er die Nase schon im Wind, lebte aber noch im Zwickauer Stadtteil Cainsdorf. Von dort hat ihn der Wind in die alte Goldgräberstadt Dawson City am Yukon getragen.

Jetzt nennt er sich Driftwood Holly. Seine Wurzeln aber hat er nie vergessen, das Erzgebirge, die Hirschbeutelträger. Manchmal kehrt er zurück und gibt Konzerte - in der Kulturinsel Kirchberg (ein Veranstaltungsort bei Zwickau) etwa oder an anderen kleinen, persönlichen Orten. Holly versammelt dabei eine Fangemeinde um sich, die mit Herz und Seele bei seiner Musik ist. Und auf die er sich verlassen kann - auch wenn es darum geht, Geld für sein nächstes Album zusammenzutragen. Weil sie mit ihm fühlen.

"Holly ist ein Gefühlsmensch. Er hat dafür etwas aufgeben und etwas Neues bekommen", sagt Anja Roocke. Sie hat die Kirchberger Kulturinsel gegründet, hat Holly zum allerersten Konzert eingeladen und fand durch seine Musik den Mut, gemeinsam mit Nicole Hartig als die Murmelmädchen mit Gitarre und Gesang aufzutreten, ihren eigenen Traum zu leben. Mit Holly - so scheint es, wenn man mit den beiden Frauen redet - ist es immer ein Geben und Nehmen. Ein doppeltes Glück. "In allen Menschen schlummern Träume, und er holt sie heraus", sagt Nicole Hartig.

Auch Holly hat einen Traum. Er möchte ein Album aufneh- men: in Venedig. Das kostet rund 40.000 Euro. Er hofft, dass er von seinen Fans 25.000 Euro bekommen kann. Dafür hat er vor wenigen Tagen ein Crowdfunding-Projekt gestartet. Übers Internet sammelt er Spenden; im Gegenzug bekommen die Spender - je nach Höhe der Gabe - ein Geschenk. Das gehört sich so auf Plattformen wie Kick- starter. Doch der ehemalige Zwickauer wird dabei sehr persönlich. Die Palette der Geschenke reicht von Tassen vom Yukon über privaten Musikunterricht bis hin zu einem Konzert in einer Oberwiesenthaler Schwebebahn-Gondel.

Und zwischen all dem taucht ein Posten auf, der nennt sich Driftwood-Holly-Mammutbeutel und ist tatsächlich ein Hirschbeutel im neuen Gewand. Nicht heimlich aus Omas Wandteppich geschneidert, sondern offiziell und exklusiv für das Projekt gewebt. Dafür hat er die Cammann Gobelin-Manufaktur in Braunsdorf gewonnen.

Ein Zufallstreffer und Glücksgriff zugleich. Denn Inhaber Torsten Bäz war früher selbst in Hirschbeutelträger-Kreisen unterwegs. Auch wenn er selbst keinen besaß: "Meine Oma hatte keinen Wandbehang." Aber er kannte den Geist dahinter. "Der ist wieder geweckt worden. Deswegen unterstützen wir das Projekt auch." Und das auf sehr spezielle Weise. Bäz hat seine guten Kontakte ins Textil- und Rennsportmuseum Hohenstein-Ernstthal genutzt, denn dort stehen die originalen Webstühle. Seine Designerin entwirft ein neues Webmuster - keinen röhrenden Hirsch, sondern ein Mammut. Ein Tier, zu dem sich Holly nicht nur wegen der Nähe zum Yukon hingezogen fühlt. "Wir nutzen die historische Technik und übernehmen die technologische Betreuung", erläutert Bäz. Was bedeutet, dass nicht nur ein neues Muster entworfen wird, sondern auch die entsprechenden Lochkarten.

So viel Aufwand betreiben die Menschen im Namen der Musik. So viel Seele steckt darin - sogar, wenn es "nur" um Geld geht. Im Frühjahr wird Driftwood Holly mit seiner Band wieder nach Sachsen kommen. Um persönlich Danke zu sagen.

Kurzelinks.de/holly

 
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