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Zwei Seniorinnen in Flöha und in Niederwiesa überfallen

Die Räuber fordern Geld. Mitten am Tag bedrohen sie ihre arglosen Opfer mit einem pistolenähnlichen Gegenstand. Ein Pfarrer will das nicht einfach tatenlos hinnehmen.

Von Katrin Kablau
erschienen am 13.09.2017

Niederwiesa/Flöha. Es wird heftig diskutiert. Zwei Seniorinnen sind überfallen worden - und das am helllichten Tag. Diese Informationen verbreiteten sich gestern in Niederwiesa und in Flöha binnen weniger Stunden, noch vor der Polizeimeldung. Zwei vermummte Männer hatten am Montagnachmittag gegen 15.35 Uhr auf dem Friedhof Niederwiesa versucht, von einer 83-Jährigen die Tasche zu rauben. Weil diese laut um Hilfe rief, flüchteten die Täter mit dem Fahrrad. Nur knapp eine Stunde später wurde in Flöha eine 77-Jährige nach gleichem Tatmuster auf dem Radweg an der Flöha überfallen. Wieder handelte es sich bei den Tätern um zwei Radfahrer. Der Frau wurde der Einkaufskorb entrissen, in dem sich unter anderem Bargeld befand, heißt es im Polizeibericht.

Achim Bausch ist empört. "Bisher sind wir in Ruhe gelassen worden. Und dann passiert das ausgerechnet an meinem freien Tag", sagte der Niederwiesaer Friedhofsverwalter gestern. Gott sei dank sei die Niederwiesaerin nicht verletzt worden. Aber er wisse um den seelischen Schaden - bei einem Überfall ausgerechnet auf dem Friedhof, dort, wo die Menschen Ruhe suchten. Eines sei aber klar, und davon ist Achim Bausch überzeugt: "Wir passen hier jetzt aufeinander auf. Das passiert nicht noch mal."

Pfarrer Daniel Meulenberg ging gestern noch einen Schritt weiter: Im offenen Brief, gedruckt auf orangenem Papier und an der Schautafel direkt am Eingang befestigt, wandte er sich an die Friedhofsbesucher. In den wenigen Zeilen bittet er darum, einen Blick auf den Nächsten zu haben und aufeinander zu achten. "Seien Sie füreinander da. Es hat sich gezeigt, dass gerade die schnelle Hilfe eines Dritten Schlimmeres verhindern konnte."

Und genau darüber reden die Menschen in Niederwiesa und in Flöha: beim Einkauf, mit dem Nachbarn überm Gartenzaun, in der Arztpraxis, im sozialen Netzwerk Facebook ... Bei beiden Raubüberfällen hatten die zwei Täter, auf Fahrrädern unterwegs, ihre Opfer mit einem pistolenähnlichen Gegenstand bedroht. Sie waren mit schwarzen Tüchern vermummt. In beiden Fällen griffen sie ihre arglosen Opfer von hinten an.

Auf dem Friedhof in Niederwiesa rief die 83-jährige Frau mehrmals laut um Hilfe, sodass die Räuber von ihr abließen und über ein angrenzendes Feld in Richtung Flöha die Flucht ergriffen. Eine Friedhofsbesucherin eilte dem Opfer zu Hilfe, stand ihr bei und alarmierte sofort die Polizei.

Auch in Flöha machte das Opfer in seiner Notsituation durch laute Rufe auf sich aufmerksam. In der Nähe spielende Kinder hörten die Hilferufe. Das ergaben die ersten Ermittlungen der Polizei. Die Kinder konnten die Flüchtenden noch ein Stück in Richtung Grüne Aue verfolgen. Die Fahndung an beiden Tat- orten blieb bislang ohne Erfolg. Zusammenhänge zwischen beiden Raubüberfällen würden gegenwärtig intensiv geprüft, ließ die Polizei gestern verlauten.

Doch das 83-jährige Überfallopfer konnte eine sehr konkrete Täterbeschreibung liefern. Gesucht werden zwei schlanke Männer: Beide sind etwa 18 bis 25 Jahre alt, zwischen 1,80 und 1,90 Meter groß und haben helle Hautfarbe. Einer der Täter trug eine dunkle Jacke mit roten Absetzungen. Der andere soll ebenfalls mit einer dunklen Kapuzenjacke bekleidet gewesen sein. Beide waren vermummt und trugen dunkle Basecaps und Hosen. Der Räuber, der die Tasche der 83-Jährigen forderte, habe mit einheimischem Dialekt gesprochen.

Die Kriminalpolizei Chemnitz sucht Zeugen im Zusammenhang mit beiden Raubstraftaten am Montag, 15.35 Uhr, auf dem Friedhof in Niederwiesa und gegen 16.20 Uhr auf dem Radweg an der Augustusburger Straße in Flöha. Wer kann Angaben zu den Tätern machen? Wem sind im Vorfeld und/oder im Nachgang der beiden Taten im Umfeld der Tatorte zwei Fahrradfahrer mit Herrenrädern aufgefallen? Wem sind die Täter bekannt beziehungsweise wer weiß, wo sie sich gegenwärtig aufhalten? Hinweise erbittet die Chemnitzer Kriminalpolizeiinspektion unter Telefon 0371 387-3445.

 
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