"Architektur muss streitbar sein, sonst taugt sie nichts"

Leserforum: Auf gegensätzliches Echo stößt der Entwurf für den Anbau des Stadt- und Bergbaumuseums Freiberg. Der Zwischenbau wird zu dominant, befürchten die einen. Lob kommt von den anderen.

Freiberg.

Das Stadt- und Bergbaumuseum Freiberg bekommt einen neuen Anbau. Und der sorgt für Debatten, im Stadtrat, aber auch darüber hinaus. Die "Freie Presse" berichtete am Samstag und Dienstag. Nun diskutieren auch die Leser mit. Und zwar ebenfalls kontrovers, wie die folgenden Zuschriften zeigen.

Wünsche Standhaftigkeit Es freut mich, dass es mit der Modernisierung des Museums nun endlich vorangeht. Lange genug hat es gedauert. Besonders dankbar bin ich jenen 17 Stadträten, die sich mutig hinter den Beschlussvorschlag der Stadtverwaltung gestellt haben, und damit den Weg für ein neues Erscheinungsbild unseres altehrwürdigen Museums frei gemacht haben. Architektur muss streitbar sein, sonst taugt sie nichts. Deshalb bin ich auch den Entwurfsverfassern für ihren Mut dankbar, einen modernen Baukörper als neuen Eingangsbereich zu konzipieren. Den Kritikern kann ich hier nicht folgen. Ihre Kritik ist wenig überzeugend. Albrecht Koch ist sicherlich ein Virtuose auf der Silbermannorgel, aber in der Beurteilung von Architektur ist er alles andere als ein Fachmann. Die Bauten unserer Zeit müssen auch die Formensprache unserer Zeit aufnehmen und für die Zukunft eben von unserer Architekturepoche künden. Dass tut der Neubau in vollem Umfang. Der Stadtverwaltung wünsche ich Standhaftigkeit. Den Kleinmütigen ist noch nie ein großer Wurf gelungen. Künftige Generationen werden den Entwurfsverfassern dankbar sein.Rudolf Müller, Weißenborn

Nachbargebäude aufnehmen Auch wir empfinden den geplanten Museumsanbau als Fremdkörper, der auch uns an eine Trauerhalle erinnert. Außerdem scheint uns, dass der historische Stufengiebel aus der Hauptblickrichtung zu sehr verdeckt wird. Dadurch wirkt der Zwischenbau zu dominant. Wir fänden es besser, wenn der Anbau in Traufhöhe enden würde. Vielleicht könnte man die Fenster- oder Portalform der Nachbargebäude aufnehmen. Sicher wäre ein Architekturwettbewerb, auch außerhalb des Planungsteams, sowie eine frühere Einbeziehung der Freiberger Öffentlichkeit besser gewesen. Wir möchten uns der Bitte von Herbert Pforr anschließen: Bitte revidieren Sie, liebe Stadträte, Ihren Beschluss und finden Sie eine bessere Lösung. Rosemarie und Falk-Uwe Keil, Freiberg

Kein Verständnis Als gebürtiger Freiberger bin ich traurig, dass man durch die im Entwurf vorliegende Lückenbebauung der ansässigen Bevölkerung und den Besuchern von außerhalb den unversehrten Blick auf den Giebel des benachbarten Hauses nehmen will. Im Übrigen bin ich der Meinung, dass manche Stadt froh wäre, wenn sie eine Vergrößerung der musealen Stell- und Depotfläche durch machbare Einbeziehung bereits vorhandener und wie im vorliegenden Fall aus meiner Sicht dafür durchaus geeigneter Nachbarhäuser erreichen könnte. Für den vorgesehenen Verkauf der Häuser Am Dom 2 und 3 hätte ich kein Verständnis. Wolfgang Göthe, Freiberg

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