Auf Tuchfühlung mit Weihnachten

Zu Hause in Afghanistan ist das Fastenbrechen zum Ende des Ramadan das große Fest für die jungen Flüchtlinge. Der Advent ist etwas Fremdes für sie. Beim Plätzchenbacken in der Halsbrücker Schulküche ist das Eis gebrochen.

Halsbrücke.

Neun junge Burschen sind es, die zögerlich und verlegen die Schulküche der Oberschule Halsbrücke betreten. Fast alle haben die Hände tief in ihre Hosentaschen vergraben, unsicher schauen sie sich um, sehen auf die Tische, wo heller und dunkler Teig wartet, flankiert von Ausstechformen und Nudelhölzern. Auf den ersten Blick können sie noch nicht viel damit anfangen, denn eine Weihnachtsbäckerei ist nicht gerade das, was für die Jungs bisher zum Alltag gehörte.

Sie stammen aus Afghanistan, sind aus ihrer Heimat vor Krieg und Terror geflohen, kamen allein nach Deutschland und sind noch minderjährig. Jetzt leben sie im Wohnheim des Fachschulzentrums Zug. Doch an diesem Abend im Advent sind sie in Halsbrücke zu Gast, um hier mit Schülern der Oberschule Plätzchen zu backen und etwas zu basteln.

Die Idee dazu hatten die Mitglieder von Rotaract, der Nachwuchsorganisation des Rotary-Clubs, zu dem auch Schulleiter Henning Oder gehört. "Gemeinsam mit Rotaract haben wir im Frühjahr schon Sportsachen an die jungen Asylbewerber übergeben", erzählt er. "Nun kam man mit der Idee einer Weihnachtsaktion auf mich zu. Und da wir hier diese schöne Küche haben, war alles recht einfach." Vier Mädchen und vier Jungen der Oberschule meldeten sich spontan, um mitzumachen. "Es wird immer nur geredet und es gibt so viele Vorurteile", sagt Emily Schulze, die auch Schülersprecherin ist. "Auf die Art kann man sich wirklich kennenlernen und ein wenig bei der Integration helfen."

Viel Zeit - verschüchtert an der Wand zu lehnen - haben die jungen Afghanen nicht. Ohne viel Federlesens bekommen sie von den Rotaractern, um den Vorsitzenden Richard Habbel, Schürzen umgehängt, und Jessica Mader teilt sie zügig in Gruppen ein. Fast ein wenig verdutzt schauen die Jungs drein, als sie mit Teigrollern ausgestattet sind, und diese zum Einsatz bringen sollen. Dann endlich siegt der Spaß: Ausrollen, ausstechen, backen.

Für Mustafa ist es bereits der zweite Advent, den er hier verbringt, und man sieht ihm die Freude an. Hassan hingegen ist noch etwas distanziert. "Bei uns zu Hause ist das große Fest das Fastenbrechen zum Ende des Ramadan", sagt er. Das sei zwar vergleichbar, aber dennoch sind Advent und Weihnachten etwas Neues und Fremdes für ihn. Ebenso für Ahmad, doch wirft er sich mit Feuereifer in dieses ihm bislang unbekannte Ritual. Die Verständigung funktioniert ganz gut, sind doch mittlerweile Grundkenntnisse in Deutsch bei den Flüchtlingen vorhanden.

Und was den unmittelbaren Kontakt mit einem religiösen Brauch des Abendlandes angeht, so sehen die Jungs das ganz entspannt. Ihnen ist wichtig, mal aus ihrem Alltag herauszukommen und etwas dazu zu lernen. Letzteres tun an diesem Abend alle, die bei der fröhlichen Weihnachtsbäckerei dabei sind.

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