Aus für Silbermannmuseum im Schloss

Seit 33 Jahren kommen Besucher aus aller Welt nach Frauenstein, um etwas über das Leben und Wirken von Sachsens größtem Orgelbauer zu erfahren. Doch die Tage der Ausstellung am jetzigen Standort sind gezählt.

Frauenstein.

Das Gottfried-Silbermann-Museum im Schloss Frauenstein wird offenbar spätestens zum Jahresende schließen. Bis dahin soll es nur noch verkürzt öffnen. Hintergrund für die einschneidenden Veränderungen des seit 33 Jahren bestehenden, Museums zum Leben und Wirken des berühmten sächsischen Orgelbauers sind Dach- und Sanierungsarbeiten im Schloss. Diese hatte dessen Besitzer Professor Les Turski der Stadt angekündigt.

Die Stadt hat die Museumsräume gemietet und dafür eigentlich einen Mietvertrag bis 2021. "Wegen der umfangreichen Baumaßnahmen, hat uns der Schlosseigentümer jedoch ein Sonderkündigungsrecht angeboten. Das haben wir angenommen", erklärt Frauensteins Bürgermeister Reiner Hentschel (parteilos). Die Bauarbeiten sollen demnächst beginnen und bis Dezember 2018 dauern, heißt es.

Außerdem ist laut Hentschel nach der Sanierung für die Museumsräume eine höhere Miete angekündigt worden. "Deshalb sehen sich Stadt und Stadtrat gezwungen, nach Alternativen zu suchen", erklärt der Bürgermeister. Schlossbesitzer Turski sprach gestern davon, dass er auch künftig daran interessiert sei, das Museum in seiner Immobilie zu halten. "Nur ist eine Nutzungsunterbrechung während der Dacharbeiten und der Innensanierung unbedingt notwendig", erklärt er. Es gehe hauptsächlich um die Sicherheit der Museumsbesucher. Wenn am Dach über dem Museumseingang und im Gebäude gearbeitet werde, müsse das Museum geschlossen und könne eventuell nur am Wochenende geöffnet werden. Darüber sei er mit der Stadt im Gespräch, so Turski. Er warb um Verständnis, dass nach der Renovierung der Räume mit dem Einbau neuer Fenster und einer Klimaanlage die jetzige Miete nicht mehr wirtschaftlich sei. Aus Sicht der Stadt ist das zwar verständlich, so Bürgermeister Hentschel: Die Kommune jedoch hat offensichtlich aber andere Vorstellungen: Oberstes Ziel sei, das Museum zu erhalten. "Es ist unser Alleinstellungsmerkmal - schließlich ist Frauenstein Silbermannstadt", erklärte zum Beispiel Stadtrat Gerd Köhler (CDU). Er tritt damit kritischen Stimmen im Stadtrat entgegen, die in der Einrichtung vor allem eine finanzielle Belastung für die Stadt sehen.

Nach mehreren nichtöffentlichen Beratungen im Stadtrat gibt es nun Vorstellungen für die Zukunft des Silbermannmuseums - allerdings müssen dafür erst die Weichen gestellt werden. Ziel ist demnach, der Einrichtung im Haus Markt 4 - dem der Stadt gehörenden Eckgebäude neben der Grundschule - eine Zukunft zu geben. Dafür fassten die Stadträte am Montagabend mit zwei Gegenstimmen einen ersten Beschluss. So wird der Bürgermeister beauftragt, von sechs namentlich vorgestellten Planungsbüros Angebote einzuholen. Diese sollen neben Vorschlägen zur Sanierung das Hauses ein Museumskonzept enthalten. "Schwerpunkt ist es, die Orgel betriebsfähig und unmittelbarer Verbindung zum Museum zu integrieren. Das wird eine Herausforderung für die Architekten", erklärt Hentschel den Auftrag des Stadtrates. Im Museum erklingt seit Jahren regelmäßig die 1994 von Orgelbauer Kristian Wegscheider geschaffene Kopie der Silbermannorgel aus der Krypta des Bremer Doms. Bereits gestern seien die Schreiben an die Planungsbüros auf den Weg gebracht worden. Bis 18. August sollen die Angebote vorliegen, bereits im September soll ein Beschluss dazu im Stadtrat fallen.

Für das Museums-Projekt sind demnach rund 750.000 Euro veranschlagt. Fließen könnte ein Großteil über Fördermittel aus dem Kleinstädteprogramm. Darüber finanziert Frauenstein derzeit unter anderem die Sanierung der Grundschule am Markt. Ziel ist es laut Hentschel, das Museum zur 800-Jahr-Feier der Stadt am Markt zu eröffnen.


Kommentar: Die Gefahr ist groß

Was einmal geschlossen ist, öffnet nur selten wieder - Beispiele dafür gibt es genügend. Besteht diese Gefahr nun für das Gottfried-Silbermann-Museum in Frauenstein? Mit der Ankündigung, es - vorübergehend - zu schließen und in einem anderen Gebäude neu etablieren zu wollen, sind sofort die Kritiker auf den Plan gerufen. Denn es ist nicht von der Hand zu weisen, dass ein Neubeginn für diesen besonderen Schatz der Erzgebirgsstadt, der über Jahrzehnte Besucher und namhafte Musiker aus der ganzen Welt anzog, sehr viel Kraft - vor allem aber eine Menge Geld erfordert. Und das in Zeiten, in denen die Stadtsäckel der Kommunen nicht überquellen. Zudem stemmt Frauenstein mit der millionenteuren Schulsanierung sowie dem Neubau der Kinderkrippe 2017 zwei weitere Großprojekte. Zwar erhält die Stadt umfangreiche Fördermittel, ohne Eigenanteil aber läuft nichts. Für Krippe und Schule sind das rund 1,25 Millionen Euro. Nun kommt weiteres Geld dazu. Es wird eine Herausforderung werden. Die aber wird Frauenstein annehmen müssen, wenn der Ort weiterhin Silbermannstadt bleiben will.

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