Der, der für die Bildungspolitik brennt

Man kennt sie aus der Zeitung und aus dem öffentlichen Leben. Für die"Freie Presse" zeigen Macher aus Mittelsachsen ihre private Seite. Heute: Peter Lorenz, Kreiselternratschef aus Penig.

Penig.

Ein Aktenordner in der Hand. Drei weitere stehen im Regal. Nicht viel für fast sieben Jahre Ehrenamt möchte man denken. Peter Lorenz muss nach diesem Satz des Reporters lachen. Seit 2010 ist der 55-jährige Peniger nun schon Kreiselternrat. Von 2012 bis 2016 engagierte er sich zusätzlich im Landeselternrat. "Das mag wenig klingen, aber geschätzt 5000 Dokumente liegen auf dem Rechner", sagt Lorenz.

Eigentlich sollte sich das Gespräch an diesem sonnigen Frühlingstag in erster Linie um ihn drehen, die Person Peter Lorenz. Es wird jedoch mehr ein Exkurs in die Bildungspolitik. Zu fest steht der mehrals 1,90 Meter große und stämmige Vater von vier erwachsenen Töchtern im Stoff. Er spricht über Erfolge, die er in den vergangenen Jahren "mit sehr aktiven und engagierten" Leuten erreicht hat - Stichworte wie Schulsozialarbeit an Oberschulen und Berufsorientierung an Gymnasien werden fallen. Aber auch Misserfolge verschweigt Lorenz nicht. "Ein Bildungsticket, also ein kostengünstiger Fahrschein für zehn Euro pro Monat und sachsenweit gültig, das wäre schon was", bemerkt er einmal, um einen Atemzug danach hinterherzuschieben, "leider spielen da die Landräte nicht mit".

Auch die Landespolitik hat dem leidenschaftlichen Elternvertreter, der sein Ehrenamt als sein Hobby bezeichnet, wenigstens einmal einen gehörigen Strich durch die Rechnung gemacht. Der schmerzt bis heute. In den sächsischen Gremien dürfen sich nur Männer und Frauen engagieren, deren Kinder minderjährig sind und eine Schule besuchen. "Diese Grenze wollten wir aus dem Gesetz raushaben", bemerkt der 55-Jährige und schaut nachdenklich zur Seite. Dann betont er: "Dass wir das nicht geschafft haben, enttäuscht mich."

Seine jüngste Tochter, die an der Rochlitzer Berufsschule lernt und Erzieherin werden möchte, wird in Kürze 18 Jahre alt. Die Folge: Bereits im Dezember musste er als Vorsitzender des Landeselternrats seinen Hut nehmen - unfreiwillig. Schließlich konnte er nicht wiedergewählt werden. Das gleiche Schicksal steht ihm auf Kreisebene bevor, wenn die aktuelle Wahlperiode im kommenden Jahr ausläuft und Neuwahlen anstehen. Wehmut klingt in seinen Worten mit, als er davon spricht.

Schließlich wechselt das Thema und der Peniger gewährt doch noch Einblick in sein Privatleben. Der gebürtige Berliner wuchs in Treptow auf und war später in Pankow Lokführer. "Das empfand ich mehr als Berufung statt als Beruf." Unmittelbar vor dem Mauerfall reist er mit einem alten Moskwitsch 21/40 über die damalige Tschechoslowakei, Ungarn und Österreich in die BRD ein. Er strandet in Stuttgart und arbeitet für die Hohenzollerischen Landesbahn als Lokführer. Nicht einmal ein Jahr später, im August 1990 war das, wechselt er die Branche und wird Handelsvertreter. Einige Monate später macht er sich in Waldenburg selbstständig. Heute vertritt Lorenz mehrere Hersteller aus dem Heizungs- und Sanitärbereich in mehreren Bundesländern. Und wie sollte es anders sein, verbringt er, wenn er beruflich unterwegs ist, seine Freizeit mit seinem Hobby. "Die Politik ist überall anders. Daher schaue ich mir oft Schulen an, wie die dort Probleme lösen oder welche Anregungen ich mitnehmen kann."

Bis 2001, als er nach Chursdorf zog, wo er ein Ausstellungsstudio mit Service- und Schulungscenter hat, pendelte er zur Familie nach Stuttgart. Doch die Beziehung zerbricht. Mit der damals kaum zweijährigen Tochter zieht er nach Sachsen. Seine Frau, von der er geschieden ist, bleibt mit den heute 28, 30 und 37 Jahre alten Töchtern in Baden-Württemberg. Auch 2014 scheitert eine Beziehung. Warum Penig? "Als ich durch die Stadt ging, habe ich festgestellt, dass Kitas und Schulen in einem Topzustand sind und auffällig viel für die Kinder getan wird." Sagt es und lacht herzlich auf.

"MITTENDRIN" Teil 39 widmet die "Freie Presse" Alexander Richter, dem Betreiber des Skigebiets Holzhau. Alle Porträts im Internet. www.freiepresse.de/mittendrin


Nachgehakt

Wann klingelt der Wecker?

In der Regel um 6 Uhr, oft auch früher.

Was darf auf dem Frühstückstisch nicht fehlen?

Kaffee, "Freie Presse", Schwarzbrot.

Welches Buch lesen Sie gerade?

Manfred Spitzer "Digitale Demenz".

Ihr Lieblingsschriftsteller heißt ...

Da gibt es mehrere: Erwin Strittmatter, Emile Zola, Richard David Precht und und und.

Welches Instrument spielen Sie?

Kleine Triangel, auch mal gern die erste Geige ...

Ihre schönsten Urlaubsziele sind?

Usedom, Toskana, Larissa (Griechenland), Gardasee.

Was wären Sie geworden, wenn Sie nicht Industriekaufmann geworden wären?

Mein erster Beruf ist Lokführer oder wie es genau heißt Triebfahrzeugführer. Ich konnte alle Traktionen auf fast allen Strecken fahren und empfand es mehr als Berufung statt als Beruf. Doch die vielen roten Signale störten mich, auch dass Ende der 1980er-Jahre alles marode, alt und verbraucht war und außerdem zu viel auf der Stelle stand. Ich wollte schon immer was bewegen und das fand ich im Vertrieb haustechnischer Produkte, frisch von der Entwicklung und der Produktion. Das ist eine spannende Beschäftigung, die ständiges Lernen und Innovationsbereitschaft erfordert - also genau das Richtige für mich. Dennoch: Mein Herz schlägt nach wie vor für die gute, alte Eisenbahn.

Was ist Ihr Lebensmotto?

Ein selbstbestimmtes, erfülltes Leben. Dinge ändern, die man ändern kann und Dinge die man nicht ändern kann, ignorieren. Und: Jeden Tag lernen, beides zu unterscheiden.

Wann werden Sie schwach?

Ich habe ein Herz für Kinder, nicht nur für die eigenen. Gerade wenn Kinder voller Stolz zeigen, was sie können, werde ich schwach.

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