Drei Tage voller Sonnenstrahlen

Zum 19. Mal haben Kinder und Jugendliche, die eine Krebstherapie hinter sich haben, im Kleinen Vorwerk Sayda Kraft getankt - und zwar in Familie.

Sayda.

Einen Korb hat Erik schon geflochten, den möchte er behalten. Nun will er einen zweiten, der für Oma bestimmt ist, in Angriff nehmen. Der Elfjährige aus Radebeul hat so etwas noch nie gemacht, hat aber gleich Gefallen daran gefunden und ist mit Begeisterung dabei. Mutter Diana Niemann schaut ihm zu.

Vor fünf Wochen hätte die alleinerziehende Mutter nie daran gedacht, dass sie und ihr Sohn bei der Familienfahrt des Sonnenstrahl-Vereins Dresden - einer Initiative, die sich um krebskranke Kinder und Jugendliche sowie deren Familien kümmert - dabei sind. Da lag ihr Sohn in der Uni-Klinik Dresden und kämpfte gegen eine schwere Krankheit: Leukämie. "Für mich war es wie ein Weltuntergang, als ich Ende April 2017 von der Diagnose erfuhr. Ich habe ein Jahr lang neben seinem Bett geschlafen, bei Chemotherapien und Bluttransfusionen mitgefiebert und jeden kleinen Schritt der Heilung freudig verfolgt. Das Leben spielte sich nur im Krankenhaus ab", erzählt die Radebeulerin. Der Sonnenstrahl-Verein habe ihren Sohn bereits in der Klinik mit einer Musik- und Kunsttherapie betreut. Obwohl Erik derzeit noch im Rollstuhl sitzt, möchte er so viel wie möglich vom Angebot des Wochenendes mitnehmen. Heute ist sein erster Schultag in seiner alten Schule und da will er von den drei Tagen in Sayda erzählen.

Gastgeber für die Familienfahrt ist seit 19 Jahren Lutz Peschel, Inhaber des Kleinen Vorwerks am Rande von Sayda. "Es ist mir ein Bedürfnis als gesunder Mensch, dem es recht gut geht, für die Kinder und deren Familien etwas zu tun" sagt er. Mit seinem Team stellt er jedes Jahr aufs Neue ein Programm auf die Beine: mit Bogenschießen, einem kleinen Zirkus, Angeln, Filzen, Kremserfahrten und mehr. Erstmals wurde nun mit Hilfe des Geocachings ein versteckter Schatz gefunden.

Der Sonnenstrahl-Verein finanziert sich überwiegend über Spenden, sagt Ulrike Grundmann. "Wir freuen uns, dass diesmal 211 Teilnehmer das Angebot wahrgenommen haben. Viele kennen sich schon lange. Natürlich spielt auch der Austausch über die Krankheit eine große Rolle", so die stellvertretende Geschäftsführerin und Sozialpädagogin. Für die Familienfahrt werde lediglich ein geringer Teilnehmerbeitrag erhoben. Für den Verein sei das Wochenende eines von vielen Projekten. "Wir geben dieses Geld gern aus, weil wir wissen, es ist für einen sehr guten Zweck", sagt Grundmann. Die glücklichen Kinder und Jugendlichen, zum Teil mit ihren Eltern zu sehen, mache die Vereinsmitglieder glücklich.

Die Familien kamen aus dem Raum Brandenburg, dem Osterzgebirge, der Lausitz und aus Dresden. Die 20. Familienfahrt nächstes Jahr sei bereits in Vorbereitung.

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