Eine Brutstätte für regionale Unternehmen

Bundeswirtschafts- ministerin Brigitte Zypries besucht die TU Bergakademie, um sich ein Bild von einer neuer Firmengründung zu machen. Die Politik sieht noch mehr wirtschaftliches Potenzial an der Uni.

Freiberg.

Die Bundeswirtschaftsministerin steht in der kleinen Halle hinter dem Otto-Meisner-Bau und weiß, welche Aufgabe sie gerade hat. Mal muss Brigitte Zypries (SPD) einen Schalter drücken, mal einen Schalter umdrehen. Schritt für Schritt weiht sie die neue Recyclinganlage ein. Schließlich hat ihr Ministerium deren Bau mit insgesamt rund einer Million Euro Fördermitteln unterstützt.

Die TU Bergakademie will mit der neuen Anlage beweisen, dass sie ein bedeutenderFaktor im Wirtschaftsleben Mittelsachsens ist. Schließlich soll sie einem der neuen Wirtschaftsunternehmen, das aus den Reihen der Universität gegründet wurde, auf die Beine helfen. "Parforce Technologies" nennt es sich und wird im Oktober offiziell starten. Das Team dahinter hat ein Verfahren entwickelt, wie es Phosphor beispielsweise aus Klärschlamm-Asche wieder herauslösen kann. Und das in einem hohen Reinheitsgrad. Die Wissenschaftler der Universität hätten wieder gezeigt, dass sie Verfahren entwickeln, die auch außerhalb des Reagenzglases bestehen können, sagt Rektor Klaus-Dieter Barbknecht: "Forschung auch im industrienahen Maßstab ist eine unserer Stärken."

Die vom Bund mitfinanzierte Anlage soll das neue Phosphor-Recycling nun veranschaulichen,wie Projektleiter Peter Fröhlich sagt. Sie soll Unternehmen vorführen, welche Möglichkeiten darin stecken. Unter anderem Kläranlagen-Betreiber sollen künftig zu den Kunden von Parforce gehören und sich eine passgenaue, ähnliche Recycling-Lösung bauen lassen. Der Gesetzgeber hat schließlich verfügt, dass Klärschlamm nicht wie früher einfach auf die Felder gebracht werden darf. Die Kläranlagen-Betreiber könnten deswegen an der Methode von Parforce durchaus Gefallen finden. Sie können das Phosphor danach verkaufen - in der Medizin ist es ein häufig eingesetzter Stoff, auch die Tierfutter-Industrie nutzt ihn. Da Deutschland selbst keine Phosphor-Mine besitzt, wird die Aufbereitung von Stoffen, in denen das chemische Element steckt, wichtiger.

Simone Raatz hofft, dass künftig noch mehr Unternehmensgründungen an der Bergakademie und an der Hochschule in Mittweida zustande kommen. Die SPD-Bundestagsabgeordnete, die sich aktuell wieder um ein Mandat bewirbt, setzt darauf, dass sich regionale Wirtschaft und die Hochschullandschaft im Kreis enger miteinander verzahnen. "Es ist mein Anliegen, dass die wissenschaftliche Ergebnisse in die Region fließen", sagt Raatz. "Die Wirtschaft muss auf die Hochschulen sehen und die Hochschulen auf die Wirtschaft."

Für Raatz ist diese Netzwerk-Bildung ein guter Ansatz, um die Wirtschaftskraft im Landkreis insgesamt zu stärken. Das durchschnittliche Unternehmen in Mittelsachsen ist neun Personen groß und wachse seit zehn Jahren nicht mehr - in Ostdeutschland sei die Lage ähnlich. Da könnten Impulse beispielsweise von der TU Bergakademie helfen.

Das Potenzial in Freiberg dafür ist zumindest vorhanden. Mehr als 60 Firmen hat das hochschuleigene Gründernetzwerk Saxeed seit 2006 unterstützt. Und die Forscher an der Bergakademie liefern weiterhin Nachschub: In den vergangenen drei Jahren haben sie 43 deutschlandweite Patente zugesprochen bekommen. Damit liegt die Freiberger Hochschule an der zweiten Stelle im Vergleich der sächsischen Universitäten. Nur die TU Dresden mit 125 deutschlandweiten Patente ist im Freistaat Sachsen erfolgreicher.

Wirtschaftsministerin Zypries ist erfreut über das Unternehmertum, das die Wissenschaftler der Bergakademie beweisen: "Mit ihrer industrienahen Forschung und ihrer stetig wachsenden Zahl an Ausgründungen fördert die Technische Universität den Wissenstransfer in die Wirtschaft und Gesellschaft und trägt dazu bei, Zukunftstechnologien in Sachsen anzusiedeln."

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