Eine halbe Million für den Breitensport

Für die über 46.000 Mitglieder von Sportvereinen in Mittelsachsen macht der Landkreis mehr Geld locker. Die Förderung wird um 40 Prozent aufgestockt. Sportler sehen allerdings weiteren Bedarf.

Freiberg.

Für den Sport in Mittelsachsen fließt ab 2018 mehr Geld. Der Kreistag hat am Mittwochabend einstimmig eine Erhöhung der Sportzuschüsse beschlossen. Nach dem Antrag der Fraktion von CDU und Regionalbauernverband (RBV) wird die Sportförderung um 137.500 Euro auf jährlich 500.000Euro aufgestockt.

Sportler der Region begrüßen die Entscheidung, wünschen sich allerdings weitere Unterstützung: "Jeder Euro hilft dem Sport, auch wenn die jetzige Erhöhung von 3 Euro pro Mitglied sicherlich ein Tropfen auf den heißen Stein ist", sagt der Vorsitzende des BSC Freiberg, Jörg Neuber. Akut drücken den Verein keine Geldsorgen. "Wir versuchen immer, mit den uns zur Verfügung stehenden Mitteln umzugehen", erklärt der BSC-Chef, dessen Verein derzeit rund 430 Mitglieder zählt. Vielleicht sei dadurch irgendwann eine größere Anschaffung, zum Beispiel eine Judo-Matte, drin, so Neuber gestern.

Denn vor allem für Investitionen und die laufenden Aufwendungen im Sport soll das zusätzliche Geld ausgeschüttet werden, informiert die Landkreisverwaltung. Auch dem Kreissportbund (KSB) werden für Projekte wie Kinder- und Jugendspiele sowie Aus- und Fortbildungen im Ehrenamt weitere Gelder bewilligt. Insgesamt stehen 215.000 Euro für laufende Kosten, 80.000 Euro für den Kreissportbund und 205.000Euro für Investitionen zur Verfügung, teilt Sprecher André Kaiser mit.

"Der Sport ist ein wichtiger Bestandteil des Lebens im ländlichen Raum, was der anhaltende Zuspruch deutlich aufzeigt", erklärt Landrat Matthias Damm (CDU). So konnte trotz des demografischen Wandels die Zahl der Mitglieder in den vergangenen Jahren immer gesteigert werden. 46.135 Mittelsachsen sind im Landkreis in rund 400 Sportvereinen organisiert - nur im Erzgebirgskreis gibt es im sächsischen Vergleich mehr Sportvereine. In diesem Jahr gibt der Kreis über die Sportförderung für jeden von ihnen 7,85 Euro pro Kopf (insgesamt: 362.500 Euro) aus.

Der Präsident des Kreissportbundes, Volker Dietzmann, sieht in der Erhöhung der Sportförderung eine Anerkennung für die Arbeit der Vereine: "Wir sehen unsere Angebote als gesellschaftlichen Beitrag und sind bemüht, zusätzliche Belastungen nicht an die Vereine weiterzugeben", so Dietzmann gestern, der seit mehr als sechs Jahren an der KSB-Spitze steht.

Wegen der Bedeutung der Sportvereine waren CDU und Regionalbauernverband (RBV) im Juni in die Offensive gegangen: Andere Landkreise, die nicht unwesentlich größer seien, unterstützten die sportbegeisterten Einwohner mehr, heißt es. Nun wird die Sportförderung um rund 40 Prozent erhöht - auf knapp 10,83 Euro pro Vereinssportler. "Die Sportvereine haben mit ihrer Mitgliederstärke, bezogen auf den Bevölkerungsanteil, für den gesamten Landkreis große Bedeutung und leisten einen wichtigen Beitrag für die Daseinsvorsorge sowie für das Gemeinwohl", sagte der Vorsitzende der CDU/RBV-Fraktion, Jörg Woidniok, zur Begründung. Er sieht gleichwohl die Vereine im jetzigen System unterfinanziert. Kosten, insbesondere für Strom, Wasser, Abwasser, Wärme und Transport seien trotz niedriger Inflationsrate ständig gestiegen.

Wie die Gelder an die Sportvereine verteilt werden, regelt die Förderrichtlinie, erklärt Kreis-Sprecher André Kaiser. Darüber werde in der Kreistagssitzung im Dezember diskutiert. (grit/sb/rosd/hh/kok)


Kommentar: ErsterSchritt

Die Erhöhung der Sportförderung war überfällig. Mit mehr als 46.000 Mitgliedern bilden die im Kreissportbund organisierten Vereine die größte Bürgerorganisation des Kreises und leisten einen großen gesellschaftlichen Beitrag. Trainer und Übungsleiter sind die am besten ausgebildeten Sozialarbeiter, wird gern betont. Und viele steuern sogar Geld aus der eigenen Tasche bei. Die Erhöhung der Förderung ist auf jeden Fall ein Schritt in die richtige Richtung, andererseits auch nur ein Tropfen auf den heißen Stein. Denn die 7000Ehrenamtlichen in den Sportvereinen verrichten unbezahlte Arbeitsstunden im Wert von über 2 Millionen Euro im Jahr. Das ist immer noch das Vierfache der Summe, die der Kreishaushalt nun einstellt.

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