Fesselnder "David" im Lebens-Auf und Ab

Mime Jörg Schüttauf hatte einen großen und gleichberechtigten Auftritt im konzertanten Miteinander. Der sinfonische David- Bericht aus dem Alten Testament der Bibel zog die Zuhörer in den Bann.

Freiberg.

Die Aufführung des Sinfonischen David-Psalms von Arthur Honegger in großer Besetzung mit Solisten, der Chemnitzer Singakademie, der Mittelsächsischen Philharmonie und dem Promi-Schauspieler Jörg Schüttauf für sich genommen hätte als Programm genügt, was den Anspruch betrifft. Inhaltsschwer, mit ständig wechselnden musikalischen Farben setzte der Abend auf pure Konzentration. Archaische, monumentale Größe, Triumph und Klage in holzschnittartig knapper Form von 27 Musiktiteln wollen aufgesogen sein. Denn dieser "David" ist ein Pfund, mit dem der künstlerische Leiter Andreas Pabst zu wuchern verstand, zeichnet er doch nicht weniger als die Licht- und Schattenseiten eines Menschen nach, der vom Hirtenjungen aufsteigt, König zu werden, der im Gnadenreich Gottes Erlösung findet.

Das 2. Sinfoniekonzert der Mittelsächsischen Philharmonie in der Nikolaikirche eröffnete zuvor mit der heiteren Roma-Fantasie von Georges Bizet. Dirigent Juehon Han intonierte liebliche Romantik, mit beneidenswert schönem, reifen Bläsersatz am Anfang und einem inspirierten, witzigen Schlusssatz, der ein Thema vorantreibt, um es dann am Höhepunkt abzubrechen und mit allerlei instrumentalem Singsang wieder einzuholen nach dem Prinzip: "Jetzt fahr'n wir übern See...".

Darum also erst, nach lieblicher Fingerübung mehr deutsch als französisch und noch weniger italienisch und nach der ausgedehnten Pause kam es zum Eigentlichen, dem "König-David-Oratorium" von Arthur Honegger (1921), nun mit Andreas Pabst am Pult. Der Leiter der Chemnitzer Singakademie wie alle Protagonisten warteten vergeblich auf die Altistin. Sie steckte tragischerweise im Stau. Ihr Part wurde von der grandiosen Sopranistin Romy Petrick zusätzlich übernommen. Petrick war 2015 ein superwitziges, schlaues und stimmlich bewegliches Ännchen im "Freischütz" bei den Erfurter Domstufenfestspielen, und auch diesmal hing man an ihren Lippen: Vom Hirtenlied bis zum verheißungsvollen Halleluja (Lobet den Herrn) setzte sie durchweg Glanzlichter. Tenor Frank Blümel hat insbesondere mit der "Beschwörung der Hexe von Endor" dramatische Akzente gesetzt.

Sprecher Jörg Schüttauf las zwischen den Nummern das kraftvolle Lebensbild Davids, und er hatte alle Ohren für sich. Als Schauspieler versteht er, sehr authentische Helden voller Zwiespalt zu kreieren. Nicht anders hier: Seinen hellwachen, mit dem Leben, mit Freund und Feind ringenden David führte er durch Wald und Flur, durch Krieg und Zwiespalt, auf Gottes Wegen. Eindimensional ist diese Straße nicht, sondern voller Verführung. Schütt-aufs leicht heisere, nuancenreiche Stimme versteht sich aufs Farbenspiel wie ein Pianist auf einer Klaviatur, er gießt die schwierigen Texte in Rhythmus und Form, macht sie einfach und verständlich und dient damit enorm dem Verständnis der Aufführung.

Bewertung des Artikels: Noch keine Bewertungen abgegeben
0Kommentare
Um zu kommentieren, müssen Sie angemeldet und Inhaber eines Abonnements sein.



    Bitte schalten Sie ihren AdBlocker aus. An alle Adblocker

    Bitte schalten Sie ihren AdBlocker aus.
    Mehr erfahren Sie hier...