Haltepunkt: Bürger greifen zum Pinsel

Bei der Erneuerung der Wartehäuschen arbeitet Rechenberg-Bienenmühle mit der Bahn zusammen. Am Ende profitieren beide davon.

Rechenberg.

Rathauschef Michael Funke (parteilos) ist überzeugt: "Rechenberg - das ist der schönste Haltepunkt der Bahnlinie Freiberg- Holzhau." Und das kommt nicht von ungefähr. Denn Verwaltung und Gemeinderäte haben sich die Verschönerung aller Haltepunkte innerhalb der Erzgebirgskommune auf die Fahnen geschrieben - in Kooperation mit der Deutschen Bahn.

So sei zuvor per Vertrag mit dem Unternehmen geregelt worden, dass die Erzgebirger die Verschönerungsarbeiten innen wie außen durchführen dürfen. "Der Haltepunkt war marode, hat kein gutes Bild abgegeben. Wir sind eine Gemeinde, die vom Tourismus lebt. Da können wir uns so etwas nicht leisten. Auch die anderen Haltepunkte sollen auf diese Weise verschönert werden", erklärt Funke, der nach einem Aufruf rasch vier freiwillige Helfer für die gut zweiwöchige Aktion gefunden hatte. Schließlich erhielt der Haltepunkt einen neuen Anstrich. Außerdem wurde nach Darstellung von Funke das Dach erneuert. Und nicht zuletzt erfolgten kleinere Reparaturen. "Die Bahn übernahm unter anderem die Kosten für die Farbe", so Funke.

"Das heutige Erscheinungsbild entspricht fast dem Bauzustand von 1885. Aber ohne das Aborthäuschen. Das wurde schon vor der Wende abgerissen", erklärt Heinz Lohse vom Heimatgeschichtsverein Rechenberg-Bienenmühle. Unterdessen sei der Haltepunkt auf die Liste der Kulturdenkmale des Freistaates Sachsen genommen worden.

Ende der 1920er-Jahre seien die Anbauten hinzugekommen. "Zudem wurde ein Wagenkasten für den Stückgutverkehr und zur Lagerung der Kohlen zum Beheizen des Warteraumes aufgestellt", fügte der Heimatfreund an. Zudem sei eine Überdachung für den Bahnsteig errichtet worden, um den Stuhlbauern eine wettergeschützte Lagerfläche für ihre Produkte zu ermöglichen. Denn in Rechenberg habe es kein Verladegleis gegeben. Daher sei eine Beladung der Güterwagen nur zwischen den regulären Zügen möglich gewesen. Damit die Beladung rasch erfolgte, mussten die Stuhlbauer die mit der Bahn zu transportierenden Waren oft schon Tage vorher dort zwischenlagern.

Der Farbanstrich sei mehrfach geändert worden. "Sie entsprachen den jeweiligen Bestimmungen der Bahnverwaltungen", so Lohse. Der letzte Anstrich sei vor der 725-Jahr-Feier von Rechenberg-Bienenmühle 1995, also vor über 20 Jahren erfolgt. Um den Anforderungen an ein Denkmalobjekt gerecht zu werden, seien diese Sanierungsarbeiten notwendig geworden - auch mit Blick auf die 750-Jahr-Feier 2020.

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