Herderhaus soll künftig das Stadtarchiv beherbergen

Der Stadtrat hat ein Büro aus Freiberg beauftragt, den Umbau des Gebäudes Herderstraße 2 zu planen. Fast 8 Millionen Euro sind als Kosten veranschlagt.

Freiberg.

Im Hof liegt Sperrmüll, auf den Fluren steht die Hälfte der Wohnungstüren offen, und an die Wände wurden Sinnsprüche, Krakeleien und Stadt-Name-Land-Spiele gemalt: Das Herderhaus steht vor dem Umbau. Zwei Wohnungen seien noch belegt, sagt ein ehemaliger Mieter, der fast 30 Jahre in der Herderstraße 2 gewohnt hat: "Die anderen sind alle schon ausgezogen." Rausgeschmissen worden sei keiner: "Die haben uns sogar den Umzug bezahlt."

Jetzt haben hier Architekten und Statiker das Sagen. Der Stadtrat hat das BBF Baubüro Freiberg vorigen Donnerstag beauftragt, den Umbau zum Stadtarchiv zu planen. Das Büro, das in der gleichen Sitzung auch den Planungsauftrag für die Modernisierung und Erweiterung der Ohainschule erhalten hatte, war mit seiner Honorarforderung von reichlich 1,2 Millionen Euro zwar rund 70.000 Euro teurer, aber offenbar auch überzeugender als ein Mitbewerber aus Dresden gewesen.

Im Mai hatte der Stadtrat hinter verschlossenen Türen beschlossen, das Haus samt 1329-Quadratmeter- Grundstück für rund 500.000 Euro von der Städtischen Wohnungsgesellschaft Freiberg (SWG) zu kaufen und zum Stadtarchiv umzubauen. Geschätzte Bausumme: fast 8 Millionen Euro. Zuvor hatte es eine Variantenuntersuchung gegeben, die in Summe etwa 3000 Meter langen Regale mit Akten andernorts unterzubringen. Aber sowohl die Brückenstraße als auch der Hospitalweg fielen aus - das Herrichten der Standorte wäre noch teurer geworden. Und das Kornhaus wäre zu klein für Archiv und Bibliothek gewesen.

Die Kapazität des Stadtarchivs, das 1489 erstmals als "archivo publico" erwähnt worden war, ist bereits seit 1999 erschöpft. Jährlich kommen etwa 100 laufende Meter Akten hinzu. Beispielsweise werden seit 1800 Freiberger Tageszeitungen archiviert. Daher waren Ausweichquartiere im DBI an der Halsbrücker Straße, an der Akademiestraße und am Petriplatz genutzt worden, den Rückstau beziffert die Verwaltung auf rund 300 laufende Aktenmeter.

Das historische Archiv - die Urkunden reichen bis ins Jahr 1224 zurück - soll im Rathaus bleiben. Neuere Bestände kommen ins Herderhaus, dessen Umbau zu rund zwei Dritteln mit Fördermitteln finanziert werden soll. Immerhin erfüllt das Archiv auch Aufgaben, die der Stadt per Gesetz übertragen worden sind. Die jetzigen "Wandgemälde" in dem Haus werden sicher nicht aufbewahrt. "Wir hatten viele Studenten-WGs, und einige Abschiedsfeten sind etwas aus dem Ruder gelaufen", erinnert sich der ehemalige Hausbewohner.

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