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Foto: Wolfram Kastl/dpa

Mitarbeiterin beklagt Übergriffe in der Ausländerbehörde

Attacken, Belästigungen, Drohungen - und damit auch noch allein gelassen: Schwer sind die Vorwürfe der Angestellten. Das Landratsamt interpretiert die Situation anders - und weist die Kritik zurück.

Von Heike Hubricht
erschienen am 21.04.2017

Freiberg. Körperliche und sexuelle Übergriffe von Asylbewerbern auf Mitarbeiter, unzureichende Sicherheitsmaßnahmen, ausbleibende Konsequenzen nach Vorfällen - eine Mitarbeiterin* der Ausländerbehörde des Landratsamtes Mittelsachsen, die anonym bleiben möchte, berichtet von unzumutbaren Zuständen. Ihren Höhepunkt hätten diese zwischen Oktober 2015 und Mai 2016 erreicht, als in Spitzenzeiten bis zu 250 Asylbewerber pro Woche im Kreis eintrafen. Mit dem Rückgang der Flüchtlingszahlen habe sich die Lage etwas entspannt. Aber nach wie vor gebe es Vorfälle. Die Kreisverwaltung sieht es anders.

Vorwurf 1: Laut der Mitarbeiterin kommen verbale und körperliche Angriffe, Bedrohungen und auch sexuelle Übergriffe von Asylbewerbern auf Mitarbeiter der Ausländerbehörde relativ häufig vor. "Ich bin schon mehrfach an Beinen, Brust und im Schritt berührt worden", sagt sie. Zudem sei sie gewürgt worden. Etwa jeder zehnte männliche Flüchtling sei auffällig. Jedoch unternehme die Kreisverwaltung zu wenig gegen diese Übergriffe. Zudem gebe es keine Supervision, bei der betroffene Mitarbeiter die traumatisierenden Erlebnisse verarbeiten könnten. Durch die Unfallkasse sei nur eine Schulung im Konfliktmanagement erfolgt, mehr nicht.

Das Landratsamt hält dagegen: Verbale und körperliche Angriffe, Bedrohungen und sexuelle Übergriffe von Asylbewerbern auf Mitarbeiter der Ausländerbehörde kämen nicht "relativ häufig" vor. 2015 habe eine Mitarbeiterin berichtet, dass sie im Wartebereich unsittlich berührt wurde. Allerdings habe sie den Täter nicht identifizieren können. Im gleichen Jahr habe es zudem zwei Vorfälle mit Handgreiflichkeiten gegeben, die angezeigt wurden. Ein Hausverbot sei verhängt worden. Auch eine Drohung sei vorgekommen. Durch den starken Anstieg an Zuweisungen von Flüchtlingen 2015 sei der Verwaltungsstandort der Behörde überlastet gewesen, so eine Kreissprecherin. Man habe zusätzliche Mitarbeiter und Wachschutz eingesetzt. Zudem sei die Erstaufnahmeeinrichtung in Rossau eröffnet worden. Laut der Sprecherin bot 2016 eine externe Firma eine Supervision für die Mitarbeiter an. "Verbale Angriffe durch Ausländer sind nicht alltäglich, gehören aber mit zum Erscheinungsbild in der Behörde", so die Sprecherin.

Vorwurf 2: Laut der Mitarbeiterin der Ausländerbehörde sind Missstände mehrfach bei der übergeordneten Stelle gemeldet worden - allerdings änderte sich nichts.

Laut Landratsamterfolgten seit 2015 viele Veränderungen in der Ausländerbehörde, um die Sicherheit der Kollegen zu gewährleisten. So seien Tresen zur Trennung von Mitarbeiter und Antragsteller in den Sprechzimmern und Alarmierungsmöglichkeiten in allen Arbeitsräumen eingebaut worden. "In dem Zusammenhang von Missständen zu sprechen, ist nicht nachvollziehbar", so die Sprecherin.

Vorwurf 3: Die Arbeitsbedingungen bei der Geldausgabe an die Asylbewerber seien für die Mitarbeiter in der Leistungsabteilung teils unzumutbar, so die Mitarbeiterin. Nicht in allen Heimen werde die Auszahlung von Wachschutz oder Polizei überwacht. In den Auszahlungsräumen gebe es meist keine Abtrennung der Mitarbeiter von den Asylbewerbern durch eine Glasscheibe.

Laut Landratsamterfolgen Auszahlungen nur noch im Beisein von Wachschutzunternehmen. An mehreren Standorten sei zusätzliche Alarmierungstechnik installiert worden. Wo es technisch möglich sei, werde kein Bargeld mehr ausgezahlt, sondern ein Kassenautomat genutzt. Die Mitarbeitergäben für diesen nur noch die Kartenaus.

Vorwurf4: Nach dem Einsatz der Polizei im Freiberger Flüchtlingsheim an der Chemnitzer Straße am 30. Dezember 2015 in Zusammenhang mit der Geldausgabe seien keine Konsequenzen gezogen worden. Die Angestellte spricht von Übergriffen auf Behördenmitarbeiter. Auf Nachfrage der "Freien Presse" hatte die Polizei damals berichtet, dass sich Mitarbeiter eingeschlossen hatten, um sich zu schützen. "Die Kollegen mussten aus dem Fenster flüchten", sagt die Mitarbeiterin. Nach dem Polizeieinsatz hätten die Behördenmitarbeiter die Auszahlung fortgesetzt. "Ein Kassenautomat steht dort noch immer nicht zur Verfügung", so die Mitarbeiterin. In dem Heim gebe es noch immer viele Vorfälle bei der Auszahlung und zu wenig Schutz für das Personal.

Das Landratsamt spricht hingegen nicht von einem Übergriff auf Mitarbeiter, sondern einem Tumult in der Warteschlange der Asylbewerber. Daraufhin sei der Auszahlraum verriegelt worden, die Mitarbeiter hätten das Gebäude unter Polizeischutz durch das Kellerfenster verlassen. Danach seien weitere Sicherheitsmaßnahmen erfolgt: "Der Wachschutz wurde verstärkt und regelt den Ablauf vor der Auszahlstelle", so eine Kreissprecherin. Für das Heim seien die Planungen zur baulichen Veränderung der Auszahlstelle noch nicht abgeschlossen. Ob ein Kassenautomat errichtet werde, stehe noch nicht fest.

Frank Walther, Chef des Personalrates im Landratsamt, wollte sich auf Anfrage nicht äußern.

* Der Name ist der Redaktion bekannt.

 
© Copyright Chemnitzer Verlag und Druck GmbH & Co. KG
 
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Kommentare
3
Kommentieren (für Digital- und Printabonnenten)
  • 23.04.2017
    12:35 Uhr

    Zeitungss: Es dürfte keine Neuigkeit sein, dass Beschäftigte in solchen Einichtungen und im öffentlichen Dienst allgemein, keine eigene Meinung mehr haben sollten, sonst gibt es Ärger mit dem Beschäftigungsverhältnis. Wer die Gechichte zurück verfolgt, wird feststellen, es war schon immer so. Wie das mit dem Brot und dem Lied ?????? Wer regelmäßig an DARMBEGEHUNGEN unaugefordert teilnimmt, hat wesetlich bessere Karten, das war, ist und bleibt so.

    1 3
     
  • 21.04.2017
    18:55 Uhr

    1953866: "Frank Walther, Chef des Personalrates im Landratsamt, wollte sich auf Anfrage nicht äußern."
    Allein dies reicht mir für eine Meinungsbildung und Einschätzung A, der Vorwürfe und B, der Reaktion der Verantwortlichen des Landratsamtes.

    0 10
     
  • 21.04.2017
    18:15 Uhr

    voigtsberger: Da werden Betroffene von ihren Vorgesetzten politisch korrekt abgestempelt und die Vorfälle bagatellisiert, denn wer die Situationen verklärt, hat meist mit den Problemen an der Basis nichts zu schaffen und wird auch mit den Zuständen nicht bedrängt.
    Das haben Kritiker schon längst vorausgesagt und wurden immer in die rechte Ecke geschoben, nur um sich den zu erwartenden Problemen nicht stellen zu müssen. Doch wo bleiben da die großen Meldungen und der große Aufschrei der so Anständigen, der FdG, der Politiker und der Medien, denn genau das ist das was Wut erzeugt und damit Wutbürger, denn die Mär vom traumatisierten Flüchtling glauben doch nur noch die fern der Realität in ihren exponierten Wohnlagen leben. Auch wurde im TV diese Woche genau das gesendet, was Kritiker dieser Asylpolitik schon immer sagten, denn da wurde der Fluchtgrund der meisten jungen Syrier und Iraker genannt, sie wollen nicht zum Wehrdienst einberufen werden, denn da müssten sie gegen radikale islamische Milizen und den IS kämpfen. Da stolzieren sie doch lieber durch unsere Einkaufszonen und spielen die Machos. Bekommen unsere Politiker solche Sendungen nicht mit und wo bleiben da die Konsequenzen für die Flüchtlingspolitik und der Integration, denn diese Typen gehen nach Befriedung der Heimatländer nicht wieder zurück, doch ich und die meisten wollen auch nur die wirklich vom Krieg betroffenen Zuflucht gewähren, doch die haben meist nicht die Mittel um weit genug zu fliehen und harren in den Lagern rund um ihre Heimat aus.
    Wenn hier Vorgesetzte, Politiker und die FdG die Opfer dieses Verhaltens zu Verursachern machen, wie es auch bei den Busbetrieben von Politikern der Grünen versucht wird, der hat die Zeichen der Zeit nicht erkannt und wir wissen doch "wer zu spät kommt, den bestraft das Leben". Natürlich gibt es auch Personen unserer Bevölkerung die sich nicht benehmen können, doch hier macht die Masse und die stärke der Gewalt bei den Vorkommnissen, die Musik!
    Auch ist hier nur von Freiberg die Rede, da würde mich doch einmal interessieren, was da in all den Ausländerbehörden unserer Republik so ab geht und wer da die Verantwortung für das verschweigen und verleugnen der Probleme übernimmt?

    0 11
     

 
 
 
 
 
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