Museumsanbau: Kammer spricht sich für Architektenwettstreit aus

Die breitere Beteiligung von Planern führe zu mehr Ideen, heißt es aus Dresden. Und sie senke das Risiko eines Vergabefehlers.

Freiberg.

In der Debatte um den vom Stadtrat abgesegneten Anbau an das Stadt- und Bergbaumuseum Freiberg hat jetzt auch die Architektenkammer Sachsen Stellung bezogen. Dabei gibt die Berufsstandsvertretung Kritikern Recht, die eine breiter angelegte Suche nach Gestaltungsideen gefordert hatten.

"Aus unserer Sicht ist es wünschenswert und sinnvoll, wenn bei Planungsaufgaben von besonderer Bedeutung ein Planungswettbewerb im dafür vorgesehenen Rahmen der Vergabeverordnung durchgeführt wird", erklärt Oliver Stolzenberg. Als Kriterien nennt das Vorstandsmitglied städtebauliche und Nutzungsaspekte sowie öffentliches Interesse.

Die Gesamtkosten für einen Architektenwettbewerb beziffert der Freie Architekt aus Dresden für ein Vorhaben dieser Größenordnung auf ungefähr zwei Prozent der Baukosten. Sie ergäben sich aus dem Preisgeld, das in Summe einem einfachen Vorentwurfshonorar entspreche, und den Ausgaben für die Wettbewerbsorganisation, die grob geschätzt ähnlich hoch ausfielen, so Stolzenberg. Der Museumsanbau in Freiberg wird derzeit mit insgesamt rund zwei Millionen Euro veranschlagt. Abzüglich der Nebenleistungen von rund 400.000 Euro ergäben sich 1,6 Millionen Euro, zwei Prozent davon wären 32.000 Euro.

Stolzenberg weiß, dass ein Architektenwettbewerb auch für viele seiner Kollegen ein mühsamer Weg ist, um an einen Auftrag zu gelangen. Jedoch führe der Wettstreit häufig zu mehr Ideen und daraus folgend zu besseren Lösungen in städtebaulicher und wirtschaftlicher Hinsicht. Da das Verfahren anonym ablaufe, könne auch kaum der Verdacht einer Begünstigung einzelner Planer aufkommen.

Und: "Ein Wettbewerb senkt das Risiko eines Vergabefehlers." Denn laut EU-Recht müsse die öffentliche Hand ihre Planungsvergaben ab einem Auftragswert von 209.000 Euro netto öffentlich ausschreiben. "Die Vergabekammer hat bereits mehrere Vergaben aufgehoben, weil nicht beachtet wurde, dass es bei diesem Schwellenwert um das Gesamthonorar über alle Leistungsphasen geht", so der Dresdner.

Sachsenweit sei leider zu beobachten, so Stolzenberg weiter, dass der Architektenwettbewerb immer exotischer werde. Nicht selten würden Vorplanungen freihändig beauftragt. So versuchten Kommunen zum Beispiel, möglichst günstig an Unterlagen zu kommen, die sie für einen Fördermittelantrag benötigen. "Häufig findet sich dann auch einer, der es billig macht. Dabei beinhaltet unser Standesrecht auch die Einhaltung der Honorarordnung", sagt der Dresdner.

Die Siegeridee eines Wettbewerbs müsse auch nicht zwingend umgesetzt werden. Zwar werde den Regeln für Planungswettbewerbe zufolge "in der Regel" der erste Preis beauftragt. "Der Auslober kann aber mit allen Preisträgern Verhandlungen durchführen und im Ergebnis gegebenenfalls auch den zweiten oder dritten Preis beauftragen", so das Vorstandsmitglied der Kammer.

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