Ofenbauer will sich aus der Krise feuern

Die Böhrigener Firma Mioba ist offenbar auch durch Managementfehler eines Subunternehmers in Schieflage geraten. Die Gläubiger haben nun die Zukunft in der Hand.

Böhrigen/Striegistal.

Der größte Arbeitgeber in der Gemeinde Striegistal blickt nach turbulenten Monaten wieder optimistischer in die Zukunft. Der Industrie-Ofenbauer Mioba will das seit November laufende Insolvenzverfahren heute beenden. Geschäftsführer Mike Wenzel setzt dabei auf die "sehr gute" Auftragslage. "Großkunden haben uns die Treue gehalten. Es sieht nicht schlecht aus. Wir schaffen das", sagte Wenzel.

Konstrukteure springen ab


Seit Jahresbeginn habe das Unternehmen bereits wieder Aufträge mit einen Volumen von 2,2 Millionen Euro erhalten, bis März sollen Projekte für weitere 5,7 Millionen Euro ausgelöst werden. Zu den Hauptkunden der Böhrigener Ofenbauer gehören unter anderem global agierende Konzerne wie die Stahlgiganten Thyssen Krupp und Salzgitter.

Mioba hat sich in den vergangenen Monaten umgekrempelt. Die Strukturen sind laut Wenzel verändert worden. Der Personalstamm sei über einen längeren Zeitraum von 120 auf aktuell 64 reduziert worden - weitere Kündigungen seien nicht geplant. "Einige wichtige Konstrukteure sind im Dezember von sich aus auch noch gegangen. Das war schmerzhaft", sagte Wenzel.

Heute entscheidet sich die Zukunft von Mioba. Dann sollen die Gläubiger, zu denen auch Banken und BMW gehören, einem Schuldenschnitt zustimmen. Laut dem verantwortlichen Juristen Rüdiger Weiß sind 6,5 Millionen Euro angemeldet, von denen allerdings der Großteil durch Vermögenswerte gedeckt sei. Etwa 40 Prozent der Außenstände könnten Gläubiger so zurückbekommen, der Rest wäre weg. Das sei viel - normalerweise blieben nach Firmenpleiten im Schnitt deutschlandweit nur Quoten zwischen 3 und 5 Prozent, bestätigt Ingo Schorlemmer, Sprecher einer europaweit agierenden Anwaltskanzlei.

Stahlkrise fordert Tribut

Doch Mioba ist ein seltener Fall. Firmenchef Wenzel hat trotz Insolvenzverfahrens weiter das Sagen - sonst führen die Anwälte die Geschäfte quasi allein. Möglich macht dies ein sogenanntes Schutzschirmverfahren. "Das genehmigen die Richter nur, wenn es keine Rückstände bei Löhnen und Sozialversicherungsbeiträgen gibt, und die Firma noch nicht zahlungsunfähig ist", erklärte Anwalt Weiß.

Es gibt wohl mehrere Gründe für die im November angemeldete Mioba-Insolvenz. Ein Auftrag mit BMW entpuppte sich laut Weiß als Minusgeschäft, nachdem ein Subunternehmer sich zunächst verrechnet und in einem zweiten Angebot an Mioba 1,2 Millionen Euro mehr veranschlagt hatte. "Da die alte Angebotsfrist verstrichen war, hatten wir keine Chance. Das war auch mein Fehler", sagte Wenzel. Der Auftrag brachte so einen Verlust ein, der nur teilweise durch Eigenkapital abgefedert werden konnte. Hinzu kam, dass Aufträge in Millionen-Höhe an Konkurrenten verloren worden. "Sonst hätten wir den BMW-Auftrag wohl kompensieren können", sagte Wenzel. Aufgrund der Stahlkrise sei zudem kaum investiert wurden.

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