Sicheres Trinkwasser: Forscher wollen belastete Böden säubern

Die Freiberger Region wird zum Modellversuch. Die Ingenieurgesellschaft Geos testet in einem EU-Projekt Verfahren, um Arsen im Erdreich nachzuweisen und zu binden. Eine Metallverbindung soll ihnen dabei helfen.

Freiberg/Halsbrücke.

Der Bergbau in Freiberg hat Sachsen nicht nur reich gemacht. In den Böden in und um die Bergstadt hat er seine Spuren hinterlassen - die bis heute auf die Bewohner wirken. Die Belastung mit Schwermetallen - darunter Arsen - ist aus Kartenmaterial eindeutig zu entnehmen. Wie aber können moderne Methoden und Technologien helfen, die Belastung in landwirtschaftlichen Böden und im Wasser zu minimieren?

Seit diesem Monat arbeitet die Ingenieurgesellschaft Geos aus dem Gewerbegebiet "Schwarze Kiefern" zwischen Freiberg und Halsbrücke gemeinsam mit Wissenschaftlern und Ingenieuren aus anderen Ländern an einem neuen europaweiten Forschungsprojekt. Ziel: durch die Eisenverbindung Schwertmannit das Arsen dem Boden zu entziehen. "Die Verbindung soll in den Boden eingebracht werden, um das Arsen daran zu koppeln", erläutert Projektleiterin Susan Reichel. Damit gelange das Schwermetall nicht in Pflanzen und letztlich über den Boden auch nicht ins Wasser.

Freiberg gehört innerhalb des EU-Projektes ebenso zur Modellregion wie ein Gebiet im Nordosten Frankreichs. Dort lasse sich die Arsenkonzentration aufgrund der im Ersten Weltkrieg verwendeten Kampfstoffe und Waffen nachweisen. "Zu Beginn sollen in den Modellregionen Böden und Pflanzen mit neuen wissenschaftlichen Methoden auf Arsen getestet werden", erklärt Susan Reichel und hat dabei schon den Herbst im Visier. Denn im Oktober werden die Bodenproben genommen. Die Projektleiterin wie auch die promovierte Mineralogin und Linke-Landtagsabgeordnete Jana Pinka - sie arbeiten bei Geos an den Forschungen - sprechen von DNA-basierten Tests: Könnten bestimmte Mikroorganismen nachgewiesen werden, seien die auf dem Boden angebauten Pflanzen arsenbelastet. Ergründet werden müsse, warum das Schwermetall auf die Pflanzen übergeht. Standortvergleiche in Deutschland und Frankreich sollen weitere Erkenntnisse bringen. "Eine europäische Bodenrichtlinie - quasi ein Management für arsenbelastete Böden in der EU soll erarbeitet werden", beschreibt Jana Pinka die nächsten Schritte, die nach Ansicht der beiden Fachfrauen unbedingte Notwendigkeit sind.

Zunächst jedoch gehe es darum, jene Technologien zu testen, mit denen das Schwermetall im Boden gebunden werden kann, bevor es von den Pflanzen aufgenommen wird. Für diese Experimente haben die Spezialisten der Halsbrücker Firma zwei Eisenverbindungen entwickelt. "Diese Verbindungen können, in den Boden eingebracht, Arsen ankoppeln, sodass es nicht in die Pflanzen dringt", erklärt Susan Reichel. Das Schwertmannit - eine Verbindung aus Eisen und Schwefel - wird mit Hilfe von Bakterien aus Wasser gewonnen. Dafür betreibt Geos laut der Projektleiterin gemeinsam mit dem Unternehmen Leag in Nochten bei Görlitz eine Anlage.

Das Europaprojekt für die Bewertung und das Management der Arsenbelastung in landwirtschaftlich genutzten Böden ist Anfang April in Stockholm gestartet worden und wird vom geologischen Dienst in Finnland geleitet. Es läuft zwei Jahre und umfasst insgesamt 150.000 Euro, 50.000 Euro davon trägt Geos laut Jana Pinka als Eigenanteil. Weitere Partner sind neben Deutschland auch Frankreich und Schweden. "Dieses Projekt ist Teil eines großen Vorhabens unter dem Dach einer europäischen Forschungskooperation im Bereich der Wasserforschung", sagt Jana Pinka. Es sei "insgesamt eine große Herausforderung, letztlich geht es um den Erhalt der Gewässerökosysteme und die Entwicklung sicherer Wassersysteme in Europa und der Welt", beschreibt sie den globalen Zusammenhang.

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