Stadt- und Bergbaumuseum erhält "Tor zur Montanregion"

Der neue Eingang kostet fast zwei Millionen Euro und schafft mehr Platz für Exponate. Die Meinungen im Stadtrat gehen aber auseinander.

Freiberg.

Wir leben in einer stillosen Zeit - so beantwortete Volker Benedix am Donnerstagabend vor dem Freiberger Stadtrat die Frage von Wolfgang Hopf, welchem Architekturstil der geplante Lückenschluss am Stadt- und Bergbaumuseum zugeordnet werden könne. Der Architekt, der wie Hopf der CDU-Fraktion angehört, war als Mitverfasser des Entwurfs eigentlich von der Beratung ausgeschlossen worden. Er erhielt aber Rederecht, um ein paar Erläuterungen geben zu können.

Die Aufgabe sei schwierig, führte der 77-Jährige aus - nicht nur wegen der Giebel der Nachbargebäude, die laut Denkmalbehörde "erlebbar" bleiben müssten. Auch der erst kürzlich angebaute Fahrstuhl schränke die Möglichkeiten ein, so Benedix: "bei gemeinsamer Planung hätte ich das etwas anders gelöst."

Die Erwartungen an den Zwischenbau sind groß. Oberbürgermeister Sven Krüger (SPD) erinnerte daran, dass Freiberg Gastgeber für die Landesausstellung 2020 sein und zudem eine Eingangsfunktion für die "Montanregion Erzgebirge" wahrnehmen möchte: "Wo, wenn nicht an unserem Museum, soll das Tor zum Weltkulturerbe stehen?"

Mit seiner Kritik an der Gestaltung war Stadtrat Hopf - ihn erinnerten die klaren Linien und die Schmucklosigkeit an den Bauhausstil, der gar nicht mehr so gefragt sei - nicht allein. Der Freiberger Altertumsverein hatte in einer Stellungnahme unter anderem moniert, dass der Entwurf sehr stark dem Wetterschutzbau der Goldenen Pforte am Dom ähnele. Die Hauptsorge des Vereins jedoch gilt dem Vorhaben, die Nachbarhäuser Am Dom 2 und 3 zu veräußern.Zumindest das direkte Nachbargebäude sollte im Besitz der Stadt bleiben und das andere erst verkauft werden, wenn anderweitig mehr Depotfläche geschaffen ist.

Dieser Aspekt und Fragen des Denkmalschutzes spielten in der ausführlichen Debatte des Stadtrates ebenso eine Rolle wie der Bürgerhaushalt, in dem das Lückenschluss-Projekt am Museum vor knapp einem Jahr abgewählt worden war. OB Krüger wertete die Umfrage unter Bürgern hingegen als "Orientierung"; die Entscheidung treffe aber letztendlich der Stadtrat.

Dessen Mehrheit folgte dem Argument, dass das jahrzehntelange Ringen um mehr Platz für das Museum jetzt endlich von Erfolg gekrönt werden könnte. Mit 17 Ja- und 4Neinstimmen bei 4 Enthaltungen billigte der Stadtrat den Neubau mit Keller-, Erd- und Obergeschoss, der mit Sandstein verkleidet werden soll. Die Investition ist derzeit mit knapp 2 Millionen Euro veranschlagt und soll dem Museum 627Quadratmeter zusätzliche Fläche bringen.


Kommentar: Bürger mitnehmen

Mir gefällt der neue Eingangsbau für das Stadt- und Bergbaumuseum nicht. Dabei stört mich weniger die Firstrichtung, die aus der Gebäudefront herausspießt, sondern vielmehr die sakrale Anmutung. Das Portal erinnert mich an eine Trauerhalle. Aber das ist eine Geschmacksfrage. Und ich gebe auch offen zu, dass ich keinen Vorschlag habe, wie man es besser machen könnte.

Möglicherweise hätte aber eine breitere Einbeziehung der Öffentlichkeit oder ein Architektenwettstreit diskussionswürdige Alternativen hervorgebracht. Zeit dafür war genug. Jahrzehntelang schon klagt das Museum über Platzmangel, es gab mehrere Ratsbeschlüsse dazu.

Dass nun nur ein Entwurf präsentiert wurde, der bereits mit dem Landesdenkmalamt und dem Sandsteinlieferanten abgestimmt ist, wertete Grünen-Stadträtin Ulrike Neuhaus als "undemokratisch". Die Stadtverwaltung täte gut daran, die Bürger stärker mitzunehmen. Denn die Montanregion lebt nicht von Bauwerken, sondern von Menschen.

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