Tollkühne Feuerwehrmänner in ihren uralten Kisten

Generation 50 Plus: In den Papieren steht Baujahr 1970, doch der W 50 der Feuerwehr Friedebach wird gebraucht. Wie eine ganze Reihe weiterer betagter Einsatzfahrzeuge in Mittelsachsen.

Friedebach.

Einerseits haben die Männer der Friedebacher Feuerwehr ihren W50 ins Herz geschlossen. Andererseits aber macht das Fahrzeug Arbeit, auf die sie gut und gern verzichten könnten. Mindestens einmal im Jahr muss der Wagen in die Werkstatt, weil der Motor Öl verliert. Oft aber steht wenige Tage später wieder eine Lache im Gerätehaus, sagt Maik Fritzsche, Chef der Wehr des Saydaer Ortsteils. Bei einer Übung musste der W 50 abgeschleppt werden. Die Fahrt zum Umrüsten auf Digitaltechnik nach Rossau kostete eine Zylinderkopfdichtung, obendrein ging der Scheibenwischer kaputt. "Doch wir brauchen diesen Oldie", sagt Fritsche, "zumal er als Löschfahrzeug 2000 Liter Wasser aufnehmen kann."

Gut möglich, dass der W 50 der kleinen Wehr das älteste Feuerwehrfahrzeug im Landkreis ist. Fritzsche: "Auf den Papieren steht Baujahr 1970. Doch aus unserer Werkstatt wird uns oft mitgeteilt, dass viele Bauteile von Anfang der 60er-Jahre stammen." Bevor das Tanklösch- und Staffelfahrzeug nach Friedebach kam, tat es bis 1994 seinen Dienst in der Verdichterstation Sayda. Als Betriebsfeuerwehr anfangs wohl ohne Straßenzulassung.

Welches das älteste Einsatzfahrzeug im Kreis ist, kann Kreisbrandmeister Gerald Nepp also nicht ganz sicher sagen. Zumal bei 44 Fahrzeugen der Aufstellung in seinem Rechner kein Baujahr angegeben ist. Der älteste, der sich darin findet: ein Magirus Deutz der Feuerwehr Dorfchemnitz. Mit Baujahr 1963 ein echter Oldie. Das Tanklöschfahrzeug wird damit dieses Jahr 55 Jahre alt.

Zur Generation 50 plus zählen unter anderem auch ein Mercedes-Tanklöschfahrzeug der Feuerwehr Saidenbach im Erzgebirge (Baujahr 1966), ein 1968 in Dienst gestelltes TLF Magirus Deutz in Langenau, ebenfalls ein Magirus in Marbach (Gemeinde Striegistal). Und 2019 neu im Club ist auch das Mercedes-TLF Königshain-Wiederau.

Bei der Bewertung der Fahrzeuge schwanken die Wehrleiter zwischen Nostalgie und dem Wunsch nach neuer Technik. "Das Fahrzeug hat keine Servo-Lenkung, da braucht man noch richtige Manneskraft", schildert Wehrleiter Marco Siegel aus Langenau die Anforderungen des alten Magirus. "Aber er macht schon noch seinen Dienst." Ein neues Fahrzeug sei freilich Ansporn für die Mannschaft.

"Auf unsere Technik bezogen ist unser Mercedes ideal, wir sind froh, dass wir ihn haben", sagt Jens Hildebrandt von der Feuerwehr Königshain-Wiederau. Tanklöschfahrzeuge würden sonst meist in den Städten stationiert. Hildebrandt sagt: "Wir würden ein neues Tanklöschfahrzeug nie bekommen." In Marbach steht ein neues Fahrzeug zwar im Bedarfsplan. "Das wird aber frühestens 2019", sagt Wehrleiter Florian Wiering. In vielen Fällen haben die Wehren verschiedene Fahrzeuge im Einsatz, einen Mix aus alt und neu. Das Durchschnittsalter der 445 Fahrzeuge im Kreis liegt laut Statistik bei knapp 21 Jahren. So ist der Leidensdruck unterschiedlich hoch. Doch es gibt Fälle wie eben in Friedebach, wo neben dem W 50 von 1970 nur noch ein Robur LO 2002 von 1988 in der Garage steht.

"Der von uns gemeldete Bedarf ist nur das Notwendigste zum Erhalt der Einsatzbereitschaft", versichert Saydas Bürgermeister Volker Krönert (CDU). Darüber hinaus würde Technik auf Grund fehlender Eigenmittel der Kommunen im Investitionsbedarf gar nicht aufgelistet. Krönert: "Hier wäre eine Feuerwehrleiter zu nennen, die für den Einsatz an prekären Objekten wie Pflegeheimen und Hotels der Region notwendig ist. Seit einigen Jahren ist mit der Ausmusterung der Feuerwehrleiter der Feuerwehr Clausnitz keine Leiter mehr im Bereich vorhanden. Es muss auf die Feuerwehren Olbernhau oder Brand-Erbisdorf zurückgegriffen werden, die aber erst nach frühestens 30 beziehungsweise 45 Minuten vor Ort sein können."

Florian Wiering, Chef der Wehr Marbach, will das Thema Feuerwehr-Finanzierung bei der sogenannten Denkfabrik der Sachsen-CDU heute Abend im Dresdner Flughafen anbringen. Der Oederaner CDU-Landtagsabgeordnete Gernot Krasselt verweist auf das Regierungsprogramm, das eine Verdoppelung der Unterstützung für die Feuerwehren von 21 auf 40 Millionen Euro jährlich vorsehe. Weitere Finanzkraftstärkungsgesetze ermöglichten auch finanzschwächeren Gemeinden, die Wehren modern auszustatten.

Bewertung des Artikels: Noch keine Bewertungen abgegeben
0Kommentare
Um zu kommentieren, müssen Sie angemeldet und Inhaber eines Abonnements sein.



    Bitte schalten Sie ihren AdBlocker aus. An alle Adblocker

    Bitte schalten Sie ihren AdBlocker aus.
    Mehr erfahren Sie hier...