Wahlkampf in Großschirma gewinnt an Schärfe

Nach der Attacke auf Plakate des FDP-Kandidaten Volkmar Schreiter ermittelt der Staatsschutz. Und die Wogen schlagen höher.

Großschirma.

Die Bürgermeisterwahl am Sonntag in Großschirma wirft dunkle Schatten voraus. Der Wahlkampf gewinnt an Schärfe. Nachdem Unbekannte am Wochenende Zettel mit beleidigenden Sprüchen auf 30 Plakate von Amtsinhaber Volkmar Schreiter (FDP) in Obergruna, Großvoigtsberg, Hohentanne und Reichenbach geklebt haben, ermittelt jetzt der Staatsschutz. Das sagte gestern ein Sprecher der Polizeidirektion Chemnitz.

Schreiter hatte Anzeige gegen Unbekannt erstattet, wegen Sachbeschädigung, Verleumdung und Beschädigung des öffentlichen Ansehens des Amtes des Bürgermeisters. Laut dem Polizeisprecher werden die beklebten Plakate geprüft. Erst danach könne gesagt werden, ob es sich um Sachbeschädigung oder ein anderes Delikt handele. Der zweite Kandidat zur Bürgermeisterwahl, Rolf Weigand (AfD), hatte sich von der Aktion distanziert.

Unterdessen hat die Plakat-Attacke eine Welle der Empörung ausgelöst. CDU/RBV-Stadtrat und -Kreisrat Gunther Zschommler sieht darin ein "Zeichen für die Demokratie-Intoleranz mancher Menschen". Der Großschirmaer ergänzt: "Man kann einer anderen politischen Ansicht sein, aber wenn Politik persönlichkeitsverletzend wird, ist das Maß der Dinge überschritten."

Kritik meldet auch der einstige CDU-Kreischef Christian Rüdiger an. "Wettbewerb kann das Geschäft beflügeln, wenn die Regeln der Demokratie eingehalten werden. Dies wurde durch Aufbringen von unsachlichen Aufklebern auf Plakate von Volkmar Schreiter verletzt", so der Krummenhennersdorfer.

Rolf Weigand hatte zum "Freie-Presse"-Leserforum in Siebenlehn gesagt, dass die Bürgermeisterwahl eine Personenwahl sei. "Aber er ist Mitglied der AfD sowie Mitglied des Sächsischen Landtages, und damit trägt er auch für die politische Ausrichtung seiner Partei und seiner Anhänger Mitverantwortung. Es stellt sich für mich die Frage: Zeigt Dr. Weigand im Wahlkampf sein wahres Gesicht?", so Rüdiger.

Darauf entgegnet Weigand: "Es ist schon eine harte Unterstellung, dass ich mich im Wahlkampf verstellen würde. Ich bin der Rolf Weigand, der ich immer bin, bin mir treu und authentisch und ja, ich bin Mitglied der AfD und ja, ich trage nicht alle Äußerungen von AfD-Mitgliedern mit." Aber darum ringe er parteiintern und führe keine öffentlichen Schlammschlachten. Weigand: "Ein Parteienwahlkampf wäre mit Rückblick auf das Ergebnis der letzten Bundestagswahl im Stadtgebiet erheblich leichter. Es geht jedoch ausschließlich um die Person."

Rainer Hageni, Pfarrer im Ruhestand, hatte die AfD im Leserforum als national konservativ bezeichnet, was - laut Rüdiger bei Anhängern von Weigand - zu lautstarken "Buh-Rufen" führte. Dazu Rüdiger: "Im gleichen Jargon sind die jetzt nachträglich angebrachten Aufkleber auf Schreiters Plakaten verfasst."

Weigand sieht den Vorwurf "rechtsgerichtete populistische Politik" als "wortlose Hülle und damit Unterstellung ohne Inhalt". Bereits am Sonntag hatte er gesagt: "Wer so etwas macht, das sind nicht unsere Anhänger." Laut Internetseite der AfD Mittelsachsen schließt Weigand nicht aus, dass Mitglieder von SPD und Grünen das Plakat-Überkleben inszeniert haben könnten, um seinen Wahlsieg zu verhindern. Wolfram Günther, Sprecher des Grünen-Kreisverbandes und Landtagsfraktionschef, kontert: "Wir verwahren uns gegen diese Unterstellung. Unser Anspruch an Demokratie ist es, Wahlkämpfe mit klaren Regeln für eine zivilisierte, politische Auseinandersetzung zu führen."

Indes sagte Volkmar Schreiter gestern, dass er mit unfairen Mitteln im Wahlkampf gerechnet hatte. "Die geistige Saat geht eben auf, die gesät wird. Da muss man sich nicht wundern", so Schreiter.

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1Kommentare
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  • 5
    3
    Steiger272
    12.06.2018

    Großschirmaer nehmt Euch ein Beispiel an den Vogtländern.In Bergen wurde der AFD-Kandidat nicht gewählt,obwohl er der einzige Kanditat für den Bürgermeisterposten war.
    Das ist Demokratie!!!!!!!!!!!!!!!!!!!!!!



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