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Der stimmungsvolle Abendhimmel über dem Obermarkt Freiberg spiegelt sich im Vorfeld eines Unwetters in einem Autodach. Mit Gewittern ist am Wochenende wieder zu rechnen.

Foto: ECKARDT MILDNERBild 1 / 3

Wo schlagen Blitz und Donner diesmal zu?

Die Gewitterneigung steigt wieder. Sören Klippstein vom Freiberger Wetter spricht von einer Sumpfwetterlage: Unwetter ziehen kaum vom Fleck. Die Folgen können höchst unterschiedlich sein - und für manche Orte drastisch.

Von Frank Hommel
erschienen am 09.06.2018

Freiberg/Neuhausen. Maik Wagner vom Seat-Autohaus Kfz-Service GmbH in Neuhausen war gerade im Gespräch mit einem Gutachter, als plötzlich ein Lichtstrahl durch die Luft fuhr. Gleichzeitig krachte es mörderisch. In unmittelbarer Nähe musste ein Blitz eingeschlagen haben. "Solch einen Knall habe ich lange nicht gehört", sagt Maik Wagner. Im Autohaus war kein Schaden zu verzeichnen, anderswo schon. Der Blitz legte Teile des Telefonnetzes im Ort lahm, fünf Tage brauchte die Telekom, die Störungen zu beheben.

Für Samstag und Sonntag sagen die Meteorologen wieder Gewitter voraus. So gebe es "vor allem westlich der Elbe kräftige Schauer und Gewitter", erklärt der Deutsche Wetterdienst. Überhaupt müsse in Deutschland lokal mit Unwettern gerechnet werden, Starkregen und Hagel eingeschlossen. Solche und ähnliche Warnungen sind die Menschen gewöhnt. Nicht immer nehmen sie sie ernst. Denn in jüngster Zeit schien es häufig der Fall, dass eine Gewitterwarnung nicht eintraf.

Das bedeutet nicht, dass die Meteorologen hierbei falsch liegen würden, versichert Sören Klippstein, Betreiber der Seite "Freiberger Wetter" bei Facebook. Vielmehr seien die Warnungen den Besonderheiten der Witterung geschuldet, die Klipp-stein als "Sumpfwetterlage" beschreibt und die heute und morgen auch wieder auf Mittelsachsen übergreife. Klippstein spricht von einem aktuell vorherrschenden, weitgehend stabilen Hochdruckgebiet über Osteuropa, das durch seine Rotation entgegen des Uhrzeigersinns warme und feuchte Luftmassen aus Südeuropa herbeischafft. Gleichzeitig gibt es innerhalb des Gebiets kleine Tiefdruckgebiete und Tiefdruckrinnen, aber kaum Verlagerung der Luftmassen, also kaum Wind. Diese Tiefdruckzone führt zu Hebungsimpulsen: Feuchte und instabile Luft kann sich örtlich durch Sonneneinstrahlung stark erwärmen und steigt in der Folge auf. So können sich massive Gewitterwolken bilden. Anders als sonst ziehen keine breiten Gewitterfronten von West nach Ost übers Land. Ohne nennenswerte Bewegung regnen sich die Gewitterwolken vielmehr in begrenzten Gebieten ab. Dabei sei das Risiko im Erzgebirge größer, da die bodennahen Luftmassen durch die Höhenlage eher zum Aufsteigen gezwungen werden als in tiefer gelegenen Regionen. "Hierbei spricht man von sogenannter Orografie", sagt Klippstein. "Während es an einem Ort wie auf Teufel komm raus schütten kann, bleibt es nur drei Kilometer weiter trocken."

Die Vorhersage, wo diese Gewitter punktuell entstehen, ist aber so gut wie unmöglich, verdeutlicht Klippstein. Auch wenn man weiß, dass sie entstehen. "Das ist wie bei einem Topf Wasser, den man auf den Herd stellt", versinnbildlicht der Hobbymeteorologe. "Man weiß sicher, dass es kochen wird. Aber man weiß nie, wo die erste Blase aufsteigt."

Und so kommt es, dass in diesem Frühsommer der Eindruck entsteht, dass die Meteorologen besonders häufig vor Unwettern im Zusammenhang mit Gewittern warnen. Ein Eindruck, der berechtigt scheint. Deutschlandweit gab es von der Seite Unwetterzentrale.de in diesem Jahr bis Ende Mai 8741 Gewitterwarnungen. Im gleichen Zeitraum des Vorjahres waren es lediglich 4095. Die Warnungen sind an spezielle Grenzwerte gebunden. Kriterien für die Warnung der geringsten Stufe: Blitzaktivität, Böen mit mehr als 75Kilometern pro Stunden, Hagel von mehr als 0,5 Zentimetern oder Starkregen mit mehr als 10 Millimetern pro Stunde", sagt Dennis Schulze von der Meteo-Group, der die Seite betreibt. Für höhere Stufen gelten entsprechend höhere Schwellwerte.

Dennoch bleibt bei lokalen und isolierten Gewittern die Wahrscheinlichkeit, getroffen zu werden, verschwindend gering, erklärt Klippstein. Sie bewegt sich theoretisch im Promillebereich. Doch irgendwo schlagen Blitz und Donner garantiert zu. Das wurde den Menschen vergangenen Freitag nicht nur in Neuhausen in Erinnerung gerufen. Am Erzgebirge war durch Orografie eine Gewitterformation hängen geblieben, wie Klippstein auf seiner Seite berichtete. Der Gewitterherd zog weiter, nahe Brand-Erbisdorf zündete eine kleine Zelle mit Nordkurs. In Freiberg beobachteten die Anwohner des Münzbachtals so einmal mehr mit Sorge, wie der Wasserstand stieg. In Langhennersdorf drückte das Wasser von den Feldern, in Kleinschirma setzte ein Blitz eine Bahnschranke außer Betrieb. Zwischen Nossen und Döbeln wurde die A 14 überflutet, während im 15 Kilometer entfernten Ostrau die Sonne schien. Eine Frau aus Freiberg, die von einer Dienstreise nach Leipzig zurückkehrte, berichtet von gut sieben Stunden Stau. Das Wasser stand beim Parkplatz "Hansens Holz" gut einen dreiviertel Meter hoch.

 
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