Abgeblitzt: Das Eichamt spielt nicht mit

Seit Oktober gibt es mitten in Greifendorf eine Blitzersäule. Zu Kasse wird damit aber niemand gebeten. Das dürfte wohl noch eine Weile so bleiben. Ein Freifahrtsschein für Raser ist dies aber nicht.

Greifendorf.

Es ist der Blitzer, der nicht blitzt, weil er nicht blitzen darf. Die im Oktober 2017 direkt vor dem "Schmiedelandhaus" in Greifendorf an der B 169 errichtete stationäre Geschwindigkeitsmessanlage wird in absehbarer Zeit nicht in Betrieb genommen. Das bestätigte nun das zuständige Landratsamt Mittelsachsen auf Nachfrage. "Auch nach mehrfacher Überprüfung mit Änderungsversuchen durch die beauftragte Fachfirma" konnte die Anlage mit dem Radar-Messverfahren nicht geeicht werden. Das teilte Pressereferentin Tina Soltysiak mit.

Das Landratsamt hat damit jetzt bestätigt, was das zuständige Eichamt auf Anfrage von "Freie Presse" angekündigt hatte. "Für dieses Messverfahren ist die Stelle ungeeignet", sagte Holger Leibelt, kommisarischer Leiter des Eichamtes Zwickau. "Wir haben die Prüfung am jetzigen Standort abgelehnt. Die Geräte unterliegen einem Zulassungsverfahren. Vor dem Einsatz wird von uns kontrolliert, ob alle Vorschriften und Forderungen eingehalten werden." Wenn nur ein Kriterium nicht erfüllt sei, dann dürfe die Messtechnik nicht eingesetzt werden. Laut Holger Leibelt kommen in Greifendorf gleich zwei Faktoren zusammen: Die Straße in der Ortslage ist kurvig und nicht gerade. Zudem wird entlang eines Geländers gemessen. Dies könne für Messfehler sorgen. Leibelt geht davon aus, dass das Gerät an einen anderen Standort versetzt oder die Messmethode geändert werden muss. Nur sein Eichamt, eine von vier derartigen Einrichtungen in Sachsen, ist im Freistaat für das "Prüfen von Messgeräten im amtlichen und geschäftlichen Verkehr" zuständig. "Jeder Blitzer muss von uns ein Mal im Jahr überprüft werden, sonst verliert er seine Zulassung", so Holger Leibelt.

Auch Rossaus Bürgermeister Dietmar Gottwald (parteilos) hat erfahren, dass der Blitzer nicht blitzen wird. "Jedenfalls nicht in diesem Jahr", sagte er. Seine Kommune habe im Vorfeld ohnehin einen Standort weiter entfernt in Richtung Kirche vorgeschlagen. Das Landratsamt will hingegen am Standort festhalten, die Autos allerdings nicht mehr per Laserstrahl kontrollieren. Der Kreis will laut seiner Sprecherin eine anderes Messverfahren in Abstimmung mit Bürgermeister und Landesamt für Straßenbau einsetzen, voraussichtlich unter Verwendung von Mess-Sensoren in der Fahrbahn.

Gottwald hält Blitzer für nötig. Die Stelle galt vor Jahren noch als Sachsens gefährlichster Schulweg. Das Überqueren der Bundesstraße wurde durch bauliche Veränderungen, darunter ein verlegter Gehweg, sicherer gemacht, der Verkehr auf 30Stundenkilometer gebremst. Obwohl der in Sachsen vorgesehene Abstand von 150 Metern zwischen Blitzeinrichtung und Geschwindigkeitsschild nicht eingehalten wird, ist dies laut Tim Küchenmeister, Fachanwalt für Verkehrsrecht beim ADAC, kein Problem. "Eine Ausnahme besteht immer dann, wenn es eine besondere Gefahrenstelle gibt."

In Greifendorf käme noch eine Besonderheit hinzu, ein sogenannter "Geschwindigkeitstrichter". Gemeint ist damit das Abbremsen von Tempo 100 außerorts, auf "50" innerorts und dann auf "30". Tempokontrollen plant das Landratsamt Mittelsachsen nun auch ohne festen Blitzer. Für einen "Übergangszeitraum" sollen mobile Geschwindigkeitsmessungen geprüft werden.

Die Kosten für den Aufbau des Blitzers übernimmt nach früheren Angaben des Kreises der private Betreiber, der im Gegenzug an den Einnahmen beteiligt werden sollte.


Kommentar: Es wirktschon

Aus dem Glashaus wirft man keine Steine, schon gar nicht auf Blitzer. Den Autofahrer, der noch nie zu schnell gefahren ist, kann es gar nicht geben. Und irgendwann kommt für jeden mal ein "Blitz", meistens auch ein Geistesblitz hinterher, also die Einsicht. Nur muss die Strafe für ein Vergehen auch nachvollziehbar und begründet sein. Als Fußgänger in Greifendorf weiß man Tempo 30 wohl zu schätzen. Als Autofahrer will man aber auch die Gewissheit, dass wenigstens richtig gemessen wurde. Und da darf die zuständige Behörde ruhig mal einen Fehler eingestehen.

Was bleibt, ist die Erkenntnis, dass ein Blitzer an dieser Stelle wirklich Sinn hat. Im Dorf bremst inzwischen jedes Auto ab. Dieser Effekt wurde in vielen Orten auch schon mit Blitzer-Attrappen erreicht. Und manchmal reicht am Straßenrand sogar schon ein Mann mit einem größeren Fotoapparat, um Autofahrer von Gas gehen zu lassen.


Geschwindigkeitskontrollen sollen die Verkehrssicherheit erhöhen

Die Stadt Freiberg hat im November 2016 eine Blitzersäule an der Anton-Günther-Straße in Betrieb genommen. Insgesamt hat sie laut Ordnungsamt der Stadt im vergangenen Jahr 10.738 Raser erfasst. "Im Jahresschnitt sind die Verstoßzahlen erwartungsgemäß zurückgegangen", sagt Amtsleiterin Antje Liebernickel. Der gravierendste Verstoß: Ein Fahrzeug war mit einer Geschwindigkeit von 64Kilometern pro Stunde erfasst worden; erlaubt war um diese Zeit Tempo 30 - der Bußgeldkatalog sieht dafür 160 Euro Strafe, zwei Punkte in Flensburg und einen Monat Fahrverbot vor. Zudem seien in der Kreisstadt voriges Jahr 2332 Temposünder durch mobile Laser- und Radarmessgeräte überführt worden. Die Spitzenwerte: 90 Stundenkilometer bei erlaubten 50 km/h und 68 "Sachen" in einem Tempo-30-Bereich.

Der Landkreis hat voriges Jahr mit mobilen Radar- und Lasermessgeräten 12.433 Geschwindigkeitsübertretungen erfasst; das waren 133Fälle mehr als im Jahr zuvor. Zudem war die stationäre Messanlage des Landratsamtes auf der Colditzer Straße in Leisnig 2017 voll im Einsatz und zeichnete 1684 Temposünder auf; die Anlage war 2015 und 2016 infolge umfangreicher Reparatur- und Umrüstarbeiten nicht durchgängig im Einsatz gewesen. Darüber hinaus hat die Kreisbehörde voriges Jahr Anfang Dezember auf der Augustusburger Straße in Flöha und Ende November auf der Mittweidaer Straße in Burgstädt zwei neue Blitzer in Betrieb genommen. Bis Jahresende wurden dabei in Flöha 351 und in Burgstädt 1033 Autofahrer ertappt. Noch im März soll an der Chemnitzer Straße in Burgstädt ein weiterer Kreis-Blitzer in Betrieb genommen werden.

In Burgstädt haben die drei städtischen "Starenkästen" 858 Tempoverstöße im Gesamtjahr 2017 dokumentiert. Die meisten Kraftfahrer würden jetzt bremsen, hat Bürgermeister Lars Naumann beobachtet: "Damit haben wir unser Ziel erreicht." Denn die Stadt habe die Anlagen vor fünf Jahren angeschafft, um die Raserei auf der Ortsdurchfahrt und vor der Goetheschule zu unterbinden.

Die Polizei hat 2017 in Mittelsachsen bei 865 Geschwindigkeitskontrollen 4349 Raser zur Verantwortung gezogen. Im Jahr zuvor hatten die Beamten ihre Laserpistolen zwar 38 Mal weniger aufgebaut, aber in Summe 318 Tempoverstöße mehr festgestellt. Polizei, Landkreis und Kommunen verweisen unisono darauf, dass die Kontrollen der Verkehrssicherheit dienten. Wo regelmäßig geblitzt werde, so Kreissprecher Kaiser, werde langsamer gefahren: "Besonders deutlich zeigt sich der Effekt an den stationären Anlagen." (mit bj)

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