Ehemalige Buchdruckerei bekommt eine neue Aufgabe

Für mehr als 1 Million Euro soll das historische Haus Markt 8 in Frankenberg saniert werden. Dort sind Wohnungen und ein Friseurgeschäft geplant.

Frankenberg.

Wo einst Frankenbergs erste Zeitung auf Holzschliffpapier gedruckt wurde, können sich künftig die Frankenberger eine moderne Frisur verpassen lassen. Lars Ruttloff, Geschäftsführer der Ruttloff Friseure, der im Landkreis zahlreiche Filialen betreibt, hat das Traditions-Haus am Frankenberger Markt 8 gekauft und will es nun für mehr als 1 Million Euro sanieren lassen. Die Frankenberger Stadträte hatten ihm zur jüngsten Sitzung einen Förderzuschuss in Höhe von etwa 375.000 Euro zugesagt.

"Ich habe drei Jahre lang einen Gewerberaum auf dem Frankenberger Markt gesucht", berichtet Lars Ruttloff. Schließlich wurde ihm das Gebäude Markt 8 von Privatleuten zum Kauf angeboten. "Dann hat es noch einmal 1,5 Jahre gedauert, bis ich alle Genehmigungen und die Finanzierung zusammen hatte", erklärt der Unternehmer. Im März soll nun Sanierungsstart sein.

Das ehemalige Produktionsgebäude der Buchdruckerei C. G. Roßberg hat eine hohe städtebauliche Bedeutung und ist den meisten Frankenbergern bekannt. Rein äußerlich macht es mit seiner gelben Fassadenfarbe auch noch einen recht respektablen Eindruck. Doch schaut man hinter die Eingangstür, zeigt sich das ganze Ausmaß der Sanierungsbedürftigkeit. Im Hinterhaus, dort wo einst die Druckerei ihre Produktionsräume hatte, sieht es noch sehr wüst aus. "Hier sollen künftig drei Wohnungen entstehen", berichtet der Bauherr. Die markante Wendeltreppe, die einst vom unteren Produktionsraum in den oberen führte, ist bereits abgebaut und geborgen. "Die möchte die Stadt für das Erlebnismuseum ,Zeit-Werk-Stadt' haben", berichtet Ruttloff. Die Natursteindurchgänge in den unteren Räumen müssen erhalten bleiben, das sei eine Auflage des Denkmalschutzes, erklärt Rottluff. Im Korridor unter dem Mittelbau sind sogar noch die ehemaligen Plumps-Klos erkennbar. "Hier ist künftig der Heizungsraum, Abstellkammer und Fahrstuhl vorgesehen", berichtet Rottluff. Im Mittelbau selbst seien das Treppenhaus, der Fahrstuhl und ebenfalls ein Abstellraum geplant.

Ins Erdgeschoss des Vorderhauses zieht künftig der neue Friseurladen ein. "Dafür lasse ich den Eingang nach links verlegen, das ist mit der Denkmalbehörde abgestimmt", sagt der Geschäftsführer. So könne er einen Raum, der nicht anders nutzbar sei, als Eingangsbereich gestalten. Für sein Geschäft hat er dann 75 Quadratmeter Fläche zur Verfügung. Zudem sollen auch im Vorderhaus zwei Wohnungen geschaffen werden, eine im 1. Obergeschoss und eine unterm Dach. Die alten Bleiglasfenster würden allerdings nicht wieder eingebaut. Sie lassen laut Ruttloff nicht genügend Licht in die modernen Wohnungen herein. Aber auch sie seien bereits gesichert und sollen künftig in die "Zeit-Werk-Stadt".

Strenge Denkmalschutzauflagen gebe es vor allem für die Dacheindeckung, die wieder Biberschwanz-Dachziegel erhalten muss. Die Gauben könnten allerdings nicht alle bleiben. "Statt drei wird es nur noch zwei Dachgauben geben, weil ich die Vorschriften zur Breite des Rettungsweges einhalten muss", begründet Ruttloff. Die Fassadengestaltung, die Eingangstür, Schaufenster und Wohnungsfenster müssten hingegen wieder wie original hergestellt werden. Auch im Außengelände plant der Bauherr einige Veränderungen. So sollen drei alte Garagen abgerissen werden. "Dort soll es eine Zufahrt vom Dammplatz her geben", so Rottluff. Für die künftigen Mieter würden Stellflächen geschaffen. Angesichts des enormen Sanierungsaufwandes scheint die Zielstellung des Bauherren sportlich. Dennoch: "Im Sommer 2019 soll alles fertig sein", sagt er.

Für die Stadt ist der Investor ein Glücksfall. "Es handelt sich schließlich um ein sehr geschichtsträchtiges Haus", sagt Frankenbergs Beigeordneter Ralf-Peter Regner. Doch genauso wichtig sei, dass der Eigentümer neuen Wohnraum schaffen wolle. Gemeinsam mit dem neuen Geschäft helfe das, den Markt zu beleben.


Buchdruckerei eröffnet vor mehr als 170 Jahren

Am 21. Februar 1842 eröffnete Carl Gottlob (C. G.) Roßberg seine Buchdruckerei in Frankenberg am Markt. Nach 1945 wird der Betrieb von der russischen Besatzungsbehörde geschlossen und musste später verpachtet werden. 1949 gelingt es Johannes Roßberg, die Druckerei wieder in die Hände der Familie zu bekommen und als privaten Handwerksbetrieb durch die DDR-Zeiten zu führen. 1977 beginnt Christa Frohburg, geborene Roßberg, ihre Lehre als Schriftsetzerin und legt 1985 ihre Meisterprüfung ab. 1992 überträgt Johannes Roßberg den Betrieb seiner Tochter Christa Frohburg. Im Oktober 2001 zieht das Unternehmen in das Gewerbegebiet Mühlbacher Straße, wo es heute noch ansässig ist.

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