Mittweidaer fragen Tagesschau-Team aus

Warum sind die neuen Bundesländer so selten in den Nachrichten? Was sagen die Macher des Magazins zum Lügenpresse-Vorwurf? Das und noch mehr wollten jetzt Bürger wissen.

Mittweida.

Da ist er also. Jan Hofer, der Chefsprecher der Tagesschau. In echt, nicht auf dem Bildschirm. An diesem Mittwochabend ist er mit drei Kollegen ins Studio B der Hochschule Mittweida gekommen, um mit dem Publikum über die Sendung ins Gespräch zu kommen. Motto: "Mittweida, wir müssen reden! Die Tagesschau on Tour". Auch wenn die vielen Fragesteller an diesem Abend kaum offene Kritik äußern, treibt doch etliche der rund 150 Gäste dasselbe um.

Warum die neuen Bundesländer deutlich seltener in den Nachrichten auftauchen als die alten etwa? "Viele Firmenzentralen sitzen im Westen", begründet ARD-Korrespondent Danko Handrik. Und warum, wenn schon über den Osten berichtet wird, in der Vergangenheit so oft Pegida thematisiert wurde?, fragt ein junger Mann aus dem Publikum. Das sei offener Rassismus gewesen, antwortet Handrik. "Warum werden Sie als Lügenpresse bezeichnet?", spinnt jemand den Gesprächsfaden weiter. Ein schwerer Vorwurf für jeden Journalisten. Der kratze an der Ehre, sagt der Chefredakteur der Nachrichtenredaktion ARD-aktuell und der Tagesschau, Kai Gniffke. Er gibt zu: "Natürlich machen wir Fehler." Die stelle man dann richtig und entschuldige sich. Über Kundgebungen mit rassistischem Charakter müsse man aber berichten. Es sei wahr, dass in den Beiträgen über Pegida vor allem anfangs negative Zwischentöne eine Wertung suggeriert hätten. Das sollte eigentlich nicht passieren und sei ein Fehler gewesen. Es seien etliche Menschen bei Pegida gewesen, die nicht rassistisch eingestellt seien. Später sagt er: Die Redaktion arbeite unabhängig von wirtschaftlichen oder politischen Einflüssen und ohne Ideologien.

Einmal beim Thema Glaubwürdigkeit angekommen, geht es schnell um die Falschmeldung zum vermeintlichen Mord an dem russischen Journalisten Arkadi Babtschenko aus dieser Woche. Damit hätten Fakenews eine neue Dimension erreicht, so Chefredakteur Gniffke. Zunächst berichtete die Tagesschau, dass der Mann laut der ukrainischen Polizei tot sei. Gniffke: "Traue nichts und niemandem mehr, das haben wir gelernt." Grundsätzlich, erklärt das Team, prüften die Redakteure stets, ob Meldungen wahr seien, indem sie mindestens zwei Quellen verwenden. Allgemein gelte die Polizei als verlässliche Quelle, genauso wie Korrespondenten, so Hofer. Und laut Gniffke haben Qualitätsmanager in der ARD stets ein wachsames Auge auf die Arbeitsergebnisse. Ihre Karriere sei unabhängig davon, wen sie lobten oder kritisierten.

Aber warum schaffen es manche Themen in die Tagesschau, andere nicht? Die Landesrundfunkanstalten wie der MDR, Nachrichtenagenturen und Korrespondenten schlagen Themen vor, erklärt Handrik. Am allerwichtigsten bei der Auswahl ist laut Gniffke die Relevanz der Meldungen. Um die zu ermessen, frage sich das Team: Wie viele Menschen sind von der Nachricht betroffen, wie einflussreich ist die Person, um die es geht, und wie folgenreich wird das Ereignis sein? Ein konstruktiver Streit gehört laut Handrik zur Themenwahl dazu.

Im Anschluss an die öffentliche Gesprächsrunde diskutieren einige Studenten hinter geschlossenen Türen weiter: Die Hochschüler des Studiengangs Media and Comunication Studies haben nicht nur den Abend organisiert, sondern sammeln jetzt noch mehr Gedanken zur Tagesschau. Denn seit 2017 kooperiert der Studiengang laut Hochschule mit ARD-aktuell, damit die Studenten praxisbezogener lernen. Die komplette Dokumentation des Gesprächsabends wollen die Studenten demnach der ARD übermitteln. Chefredakteur Gniffke will aus dem Format "Die Tagesschau on Tour" wahrscheinlich eine ganze Veranstaltungsreihe machen, sagt er. Und auch etliche Gäste sowie Nachrichtensprecher Jan Hofer äußern sich zufrieden mit dem Abend.


Jan Hofer über Mittweida

Der Chefsprecher der Tagesschau war nicht das erste Mal in Mittweida. Ricarda Terjung hat mit ihm über die Stadt und Persönliches gesprochen.

Herr Hofer, wie oft haben Sie Mittweida eigentlich schon besucht?

Fünf-, sechsmal. Zuletzt war ich 2011 hier, als ich mich am Karl-May-Lesemarathon beteiligte. Davor hielt ich aber schon einmal einen Vortrag an der Hochschule und kam durch meine Arbeit beim MDR einige Male her.

Und welchen Eindruck haben Sie von der Stadt?

Ich kenne sie seit mehr als 20 Jahren und bin beeindruckt, wie schön sie sich entwickelt hat. Das Stadtbild finde ich sehr sympathisch.

Apropos sympathisch, heute waren viele Menschen hier, die Sie sehr schätzen. Dabei ist nicht viel über Sie bekannt. Ist es wahr, dass Sie eigentlich anders heißen?

Das ist eine falsche Information. Ich bin auch nicht verheiratet. Es stimmt aber, dass ich vier Kinder habe, davon drei aus einer Ehe. Mein Hobby: Ich sammle Oldtimer.

Wann kommen Sie wieder?

Das dürfte nicht allzu lange dauern.

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