Nach Kaiserschnitt ist Kuscheln im OP erlaubt

Gestern nutzten werdende Eltern den Tag der offenen Kreißsaaltür, um sich in der Mittweidaer Klinik umzusehen. Dabei war Schmerz kein Tabuthema.

Mittweida.

Deutlich mehr werdende Eltern als bei einer ähnlichen Veranstaltung im vorigen Jahr haben sich gestern zum Tag der offenen Kreißsaaltür auf der Entbindungs- und der Kinderstation des Mittweidaer Krankenhauses über deren Ausstattung und Angebote informiert. "Es waren mehr als 200 Besucher, wir freuen uns über das große Interesse", sagte der Chefarzt der Klinik für Frauenheilkunde und Geburtshilfe Gunnar Fischer. Er sowie Hebammen führten durch Untersuchungszimmer, Wehenraum und die Geburtsräume. Lange Schlangen bildeten sich vor dem 3D-Ultraschall, denn es wurden kostenlose Aufnahmen des Nachwuchses angeboten. Davon machten mehr als 50 Schwangere Gebrauch.

Nun hofft die Klinik-Leitung, viele der Besucherinnen zur Geburt wiederzusehen. Als ein dafür Ausschlag gebendes Argument führte Ines Schreiber, Sprecherin des Mittweidaer Krankenhauses, unter anderem die im Haus angesiedelte Kinderstation an. "Viele werdende Eltern legen darauf Wert", so Schreiber. Die Station mit zwölf Betten ist auf Neugeborene und Intensivpatienten eingestellt. Babys, die ab der 36. Schwangerschaftswoche auf die Welt gekommen sind, können im Ernstfall hier versorgt werden. Die Kinderstation sei unter anderem mit neuer Ultraschalltechnik ausgestattet. Zudem könne ein Elternteil als Begleitperson aufgenommen werden.

Zur Medizintechnik, die im Geburtensaal gezeigt wurde, gehört ein neues kabelloses Überwachungsgerät, mit dem der Arzt die Herztöne des Kindes und die Wehentätigkeit der Mutter messen kann. Die Gäste konnten sich zudem in den in Wohnraum-Optik ausgestatteten Familienzimmern umschauen und erfuhren, dass nicht nur die werdenden Mütter in der Entbindungsstation willkommen sind. Kündige sich der Nachwuchs an, dürfe der Partner rund um die Uhr und im OP-Saal dabei sein, so Schreiber. Das als "Sectio-Bonding" bezeichnete Kuscheln im Operationssaal, das nach einem Kaiserschnitt Nähe zwischen Mutter und Kind ermöglichen soll, biete das Krankenhaus ebenfalls an.

Etwa 75 Prozent der Babys kommen nach Klinikangaben auf natürlichem Weg zur Welt. In einem Vortrag zeigte Chefarzt Dr. Wolfgang Heinke Möglichkeiten der Schmerzlinderung während der Geburt auf. Die Klinik bietet unterschiedliche Methoden an. Die "einzige wirklich effektive Methode" ist laut Schreiber die Periduralanalgesie. Dabei werden eine entzündungshemmende und eine narkotisierende Substanz in unmittelbarer Nähe der vom Rückenmark abgehenden Nervenwurzeln injiziert. Das Verfahren führe ein Facharzt für Anästhesie aus. Heinke, der die Klinik für Anästhesiologie und Intensivmedizin leitet, erklärte: "Eine Frau braucht unter dem Gesichtspunkt der modernen Medizin unter der Geburt keine Schmerzen zu spüren."

Derzeit arbeiten acht Ärzte in der Gynäkologie und Geburtshilfe sowie sechs in der Kinderstation. Hinzu kommen 12 Krankenschwestern auf der Entbindungs- und 13 auf der Kinderstation. Weiter seien für das Krankenhaus acht angestellte und eine selbstständig arbeitende Hebamme tätig. Bei 474 Geburten haben im vorigen Jahr im Mittweidaer Krankenhaus 477 Kinder das Licht der Welt erblickt. In diesem Jahr sind laut der Krankenhaus-Sprecherin bisher 130 Mädchen und Jungen geboren worden.


"Bauchgefühl" und familiäres Umfeld entscheidend für Wahl der Entbindungsstation

Zu den Besuchern beim Tag des offenen Kreißsaals gehörten gestern auch Sabrina Murath und Christian Kutzke. "Ich entscheide aus dem Bauchgefühl heraus, ob ich mich hier wohlfühle. Und es gefällt mir gut", erklärte die 24-jährige Mittweidaerin. Aus Burgstädt war Kristin Hein angereist. Sie bringt im Juli ihr zweites Kind zur Welt. "Ich suche ein familiäres Umfeld. Mein erstes Kind wurde vor vier Jahren in Hartmannsdorf geboren, das fand ich auch gut. Ich möchte nicht in eine so große Klinik", berichtete die Schwangere.

Der vier Tage alte Lenny machte gestern seine erste Ausfahrt im Kinderwagen im Park der Klinik mit Mama Stefanie Schindler und Papa Patrick Schmidtke. Er kam durch Kaiserschnitt in Mittweida auf die Welt. "Ich war schon einen Tag vor der Geburt mit Wehen hier und fand es gut, dass mein Freund mit im Familienzimmer übernachten konnte", sagte die junge Mama. Ihr Freund ergänzte: "Die Betreuung ist gut, wir fühlen uns in guten Händen". Für Sabrina Eckstein aus Waldheim ist es auch wichtig, dass es nicht so steril aussieht, wie man sich ein Krankenhaus vorstellt. "Es ist alles sehr wohnlich und gemütlich". In drei Wochen sei der Geburtstermin ihrer Tochter, die wahrscheinlich in Mittweida zur Welt kommen wird. (fun)

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