Ruhestand bleibt für "Keule" nur ein Wort

Sie standen im Licht der Öffentlichkeit, dann wurde es aber ruhig um diese Menschen. Die "Freie Presse" fragt nun nach, was aus ihnen geworden ist. Heute: Manfred Dombrowe, Mittweidas langjähriger Bauhofleiter, der als "Keule" noch viel bewirkt.

Mittweida.

Die Klingel am Wohnhaus im Ortsteil Kockisch tönt "Alle Vögel sind schon da". Heute ist auch Hausherr Manfred Dombrowe mal zuhause, was aber nicht all zu oft vorkommt. Schon Ende 2011 hatte sich der langjährige Leiter des Mittweidaer Bauhofs aus dem Amt in der Stadt verabschiedet, von Ruhestand kann bei ihm aber wahrlich nicht die Rede sein. Er ist seit 1974 ununterbrochen Leiter der Ortsfeuerwehr, der er seit 1972 angehört. Im Kreisfeuerwehrverband, dem er viele Jahr vorstand, kümmert er sich weiterhin um die Wettkämpfe.

Seinen Spitznamen "Keule", der für den ewigen Antreiber und Macher steht, hat er natürlich behalten. So kennt und schätzt man ihn weithin über die Stadtgrenzen Mittweidas hinaus. Am Wochenende war er in Berbersdorf beim Halbfinale im Kreiswettbewerb gefragt. Und die nächsten Aufgaben stehen schon dick angestrichen im Terminkalender: Am 9. Juni gibt es in Kockisch wieder das Hängebrückenfest, einen Monat später ist internationales Motorradtreffen in Krumbach. Dort wird "Keule" schon beim Aufbau im Vorfeld gebraucht, aber er genießt es als Ehrenmitglied auch, mal wieder ein paar Tage rund um die Uhr unter Gleichgesinnten zu sein.

International ist er mit seiner Maschine nicht erst als Senior unterwegs. Zweimal hat er mit dem Zweirad schon die Isle of Man, das "Mekka" der Biker, besucht. "Da muss man als Motorradfahrer einfach mal gewesen sein. Dieses Jahr im August fahre ich aber nicht wieder mit der Honda dorthin", verrät der 68-Jährige. "Ich will mit der Sport-Awo fahren, und die ist Baujahr 1958." Allein tritt er die Reise nicht an, seine Mittweidaer Freunde sind mit dabei.

Dombrowe mag es, wenn ein Tag mit viel Abwechslung verplant ist. Arbeit will er es nicht nennen. Neben Feuerwehr und Bikerfreunden gibt es für ihn als Wegewart entlang der Zschopau schließlich noch viel zu tun. "Und die Hilfe für die Nachbarn kommt bei uns im Dorf auch nicht zu kurz", ergänzt er. Bei etwa 85 Einwohnern kenne man sich aber in Kockisch. "Und das ist gut, dass das noch so ist." Und dann sind da auch noch seine vier Enkel, denen er gern seine Zeit widmet. Geübt hat er dafür schließlich schon in seiner aktiven Zeit, denn Dombrowe war viele Jahre lang auch der Weihnachtsmann auf dem Markt in Mittweida, zuletzt im Jahr 2015.

"Ich bin nun gut drei Jahre Rentner, war zuvor drei Jahre im Vorruhestand", blickt er zurück. "Die ersten Monate zuhause, also ohne den täglichen Weg zur Arbeitstelle, sind mir schon schwer gefallen. Da habe ich oft gedacht, dass ich doch locker hätte weitermachen können. Das hat sich aber gegeben, schließlich bringe ich mich ja weiterhin bei so vielen Sachen ein." Dass er die Verantwortung auch abgeben kann, hat er in einigen Funktionen schon bewiesen. Von der Kockischer Feuerwehr kann er so schnell aber nicht loslassen, schließlich wohnt er genau gegenüber, und seine Frau pflegt die Blumen am Löschteich.

Dass sein Rat und seine Erfahrung weiterhin zählen, erlebt er fast jeden Tag, zum Beispiel wenn ein anderer Dorfbewohner aus dem Auto heraus mit den Worten "Guten Tag, der Häuptling", grüßt.

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