Später Aprilscherz? Neuer Titel für Mittweida an der Autobahn

Unbekannte haben den Schriftzug "Hochschulstadt Mittweida" umgestaltet. Das touristische Hinweisschild wirbt nun für die "Gartenstadt". Und so ganz daneben liegen die Urheber damit nicht.

Mittweida.

Was haben sich die Leute nur dabei gedacht? Auf die Frage gibt es noch keine schlüssige Antwort. Fakt ist, seit wenigen Tagen trägt eines der zwei Hinweisschilder, mit denen die Stadt Mittweida an der Autobahn 4 für sich wirbt, einen neuen Schriftzug. Statt "Hochschulstadt Mittweida" prangt nun ein bisher nicht geläufiger Titel für die Große Kreisstadt auf dem braun-weißen Schild: "Gartenstadt Mittweida".

Oberbürgermeister Ralf Schreiber (CDU) steht vor einem Rätsel, was die Urheber des neuen Schriftzugs dazu bewogen haben könnte, zumal die Ausführung professionell gemacht und für den unbedarften Autofahrer nicht als Fälschung erkennbar ist. Dennoch ist es für die Kommune, die Eigentümer des Schildes ist, kein Kavaliersdelikt. "Wir haben Strafanzeige gestellt", so Schreiber. Zudem müsse die Stadt nun einen Auftrag auslösen, um die ursprüngliche Gestaltung wiederherzustellen. Wie hoch die Kosten dafür ausfallen, werde erst heute bekannt sein, wenn das Schilderwerk den Schaden ermittelt hat.

Für den Rektor der Hochschule Mittweida ist es ebenfalls kein Dummer-Jungen-Streich, sondern eine Sachbeschädigung. "Eine Rufschädigung für die Hochschule oder die Hochschulstadt sehen wir aber nicht", sagte gestern Professor Ludwig Hilmer. Bildungseinrichtung und Stadt hatten lange für den Schriftzug "Hochschulstadt" gekämpft, bis das sächsische Wirtschaftsministerium die Gestaltung der Schilder schließlich vor fast vier Jahren genehmigte. Noch heute ist Hilmer davon überzeugt: "Das Schild macht gelungen auf die Hochschule und die Hochschulstadt Mittweida aufmerksam."

Dass es sich bei der illegalen Titeländerung um einen verkappten Hinweis auf die Landesgartenschau 2019 in Frankenberg handeln könnte, kann Frankenbergs Bürgermeister Thomas Firmenich nicht erkennen. Die Stadt Frankenberg wolle auch nicht als Gartenstadt bezeichnet werden, so Firmenich. Die Kommune habe aber ein touristisches Hinweisschild unter dem Titel "Landesgartenschau" an der Autobahn beantragt, wie es bei den Veranstaltungen in den vergangenen Jahren üblich war. Derzeit würden Standorte geprüft. Das Schild werde aber erst kurzfristig vor Eröffnung der Schau im April 2019 aufgestellt und danach wieder abgebaut.

Zu Hainichen könnte der Titel "Gartenstadt" passen, da es hier ein Wohngebiet mit dem Namen gibt, aber Hainichens Rathauschef Dieter Greysinger ist sich sicher, dass der Schilder-Streich nichts mit jener Gartenstadt zu tun hat. Hainichen wirbt hingegen mit dem Titel "Gellertstadt" auf zwei Schildern an der Autobahn. Das sei eine "tolle Werbung für die Stadt", was die rund 9000 Euro Kosten für die Schilder rechtfertige.

Gerd Bergner, Chef des mit 203 Parzellen größten Mittweidaer Kleingartenvereins "Am Kuckucksberg", kann über den Schilderstreich schmunzeln und hat auch eine Erklärung: "Da hat jemand einen Scherz gemacht, aber den Nagel auf den Kopf getroffen." Schließlich sei Mittweida von vielen Kleingärten umgeben. Und hier gebe es mehr dieser grünen Oasen als in allen anderen Orten der Umgebung.

Update: Die Reparatur des touristischen Hinweisschildes der Stadt Mittweida wird etwa 940 Euro kosten. Das teilte am Freitag Mittweidas OB Ralf Schreiber mit. Das Schilderwerk Beutha habe eine entsprechende Kostenberechnung vorgelegt. Die Stadt muss für den Schaden aufkommen, den Unbekannte an dem Schild durch eine Fälschung des Schriftzuges hinterlassen haben. Das für die Standorte dieser touristischen Unterrichtungstafeln zuständige Landesamt für Straßenbau und Verkehr bestätigte, dass der übermalte Schriftzug von der Autobahnmeisterei am Dienstag festgestellt und der Stadt mitgeteilt wurde. Letztere ist Eigentümerin des Schildes.

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