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Gabriele Hackenberger vor ihrem Geschäft für Herrenmode am Markt in Hainichen. 1983 hatte die Kürschnermeisterin den Laden von ihrem Vater übernommen, zum Jahreswechsel soll nun Schluss sein.

Foto: Falk BernhardtBild 1 / 2

Warum der Einzelhandel in Hainichen aus der Mode kommt

Zwei Geschäfte am Markt schließen demnächst für immer. Es findet sich für sie einfach kein Nachfolger. Bei der IHK sind die Gründe bekannt, aber es gibt keine Mittel dagegen.

Von Falk Bernhardt
erschienen am 12.10.2017

Hainichen. Frauen und Männer in der Gellertstadt müssen sich bald warm anziehen - wenn sie im Ort Kleidung einkaufen wollen. Sowohl der Laden für Herrenmode von Gabriele Hackenberger als auch Richter-Moden mit Bekleidung für die Damenwelt werden schon bald für immer schließen. Beide Geschäftsinhaberinnen haben trotz langer Suche keine Nachfolger gefunden.

Der Räumungsverkauf hat bei Elke Richter längst begonnen. Einige Sondergrößen sind zum Beispiel bei Jeans schon jetzt nicht mehr zu bekommen, dafür gibt es viele Worte des Bedauerns ihrer Kundinnen. Viele hatten gehofft, dass durch das erst vor einigen Tagen eröffnete Café einer Bäckereikette im ehemaligen Schuhladen gleich nebenan eine Belebung einsetzen würde. Doch am 15. November soll für Elke Richter nach 25 Jahren aus Altersgründen endgültig Schluss sein.

"Ich habe gut ein Jahr nach einem Nachfolger gesucht", sagt die Geschäftsfrau. "Es findet sich aber niemand. Das Risiko geht heute doch keiner mehr ein. Ich war hier auch nur zur Miete." Der Großteil ihrer Stammkundinnen sei nicht aus der Stadt selbst, sondern aus umliegenden Orten gekommen.

Gabriele Hackenberger geht es da zwei Häuser weiter kaum anders. "Jetzt kommen die Leute und sagen, dass es schade ist, wenn wir zu machen. Viele waren aber jahrelang nicht mehr im Laden." Einst Brauhaus, dann Eisenwarenladen, wurde nach dem Stadtbrand von 1832 das Haus mit ihrem Laden später neu gebaut. In den 1930er-Jahren eröffnete in dem markanten Gebäude Max Kürth eine Kürschnerei mit Hut- und Mützenhandel. Dessen Neffe Fritz Knoll, der Vater von Gabriele Hackenberger, übernahm 1945 die Geschäfte. Die Tochter wuchs praktisch in der Werkstatt auf, Kürschnerin wurde so ihr Berufswunsch. Das hat sich aber nicht auf ihre beiden Kinder vererbt, sie haben andere Berufsrichtungen gewählt.

In der Wendezeit merkte Gabriele Hackenberger schnell, dass mit der Kürschnerei kaum noch Geld zu verdienen ist. Sie setzte fortan auf Herrenbekleidung. "Mit allen Höhen und Tiefen, aber es läuft bis heute", blickt sie zurück. "Für Tradition kann man sich leider nichts kaufen, auch keinen Nachfolger. Ich habe das Gewerbe noch nicht abgemeldet. Spätestens Mitte Januar 2018 höre ich auf. Der Moment, in dem es richtig weh tut, kommt sicher noch." Was sie ärgert, sei, dass so viele Hainichener nach Chemnitz fahren würden und dass die Einkaufsmöglichkeiten dort mit der neuen Zuganbindung beworben würden.

Für Bert Rothe, Referatsleiter für Stadtentwicklung und Handel bei der Industrie- und Handelskammer (IHK) Chemnitz, ist Hainichen kein Einzelfall: "Die Stadt steht damit nicht allein da, das ist allerorts zu beobachten. Ein Nachfolger für so ein Geschäft mit vielleicht 80 Quadratmetern Verkaufsfläche lässt sich nur finden, wenn der Laden richtig lukrativ läuft." Oftmals seien die Inhaber ja auch Hauseigentümer, würden somit zumindest die Miete sparen. Rothe sieht gerade den Bereich Textil vom Internethandel bedroht. So würden 30 Prozent der Ware online bestellt, insgesamt seien es jedoch nur 10 Prozent aller Waren.

"Für die kleinen Geschäfte in Kleinstädten der Region kommen mehrere Faktoren zusammen", so Rothe. "Chemnitz, Dresden und selbst Leipzig sind gut erreichbar, die Leute schauen leider auch nicht auf Fahrtkosten, und sie wollen ein großes Angebot - also mehrere Läden an einem Standort - zu einem moderaten Preis." Das Ladensterben in kleineren Städten werde nach seiner Meinung für die ältere Generation, die eben nicht so mobil ist, zunehmend ein Problem werden. Daran sei aber nichts zu ändern. "Die Leute haben schon mit ihren Füßen abgestimmt", sagt der IHK-Experte zum Kaufverhalten der vergangenen Jahre.

Die Entwicklung bezeichnet Rothe insgesamt als unbefriedigend. Anfang 2017 führte die IHK in Mittelsachsen rund 2730 Betriebe im Einzelhandel auf, zwei Jahre zuvor waren es noch gut 250 mehr. Für die Nachfolgersuche gebe es eine Next-Change-Börse, im Fall von Hainichen laut Rothe aber ohne Erfolgsaussichten. Der Stadt macht er keinen Vorwurf, denn Handel auf der "grünen Wiese" sei bis auf einen Baumarkt unterbunden worden. Und die Ansiedlung vom Drogeriemarkt Rossmann im Stadtzentrum sei schon ein Glücksgriff gewesen. Zudem habe die Stadt mit 2,05 Quadratmetern pro Einwohner immer noch mehr Verkaufsfläche als im bundesweiten Durchschnitt (1,5).

 
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Kommentare
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Kommentieren (für Digital- und Printabonnenten)
  • 12.10.2017
    14:45 Uhr

    Blackadder: Verbieten Sie doch auch Telefone, damit die Leute mehr miteinander direkt reden und Autos, damit wieder mehr gelaufen wird!

    1 0
     
  • 12.10.2017
    14:35 Uhr

    Interessierte: Vielleicht sollte man mal den Internethandel verbieten , bevor unsere gesamten Städte zurück gebaut werden ...

    1 0
     
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