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Demografie: Vor allem Dörfer verlieren

Von den 53 Kommunen in Mittelsachsen hat nur Freiberg neue Einwohner dazu gewonnen. Experten warnen: Für strukturschwache Regionen wächst die Gefahr, abgehängt zu werden.

Von Jochen Walther
erschienen am 19.06.2017

Wiederau/Hainichen. Johannes Voigt muss nicht lange überlegen: "Die vergleichsweise günstigen Grundstückspreise locken Bauwillige. Außerdem ist die ländliche Lage ideal für Familien mit Kindern. Immerhin haben wir eine Grundschule und drei Kitas", zählt der Bürgermeister der Gemeinde Königshain-Wiederau (CDU) auf. Und dennoch schrumpfen auch seine vier Ortsteile weiter - seit 2011 um etwa 30 Einwohner (-1,1 Prozent). Schlusslicht bildet im Landkreis, der etwa 7600 Menschen verloren hat, die an der tschechischen Grenze gelegene Gemeinde Neuhausen. Um mehr als 200 Einwohner schrumpfte die Schwartenberggemeinde. Von den insgesamt 53 Städten und Gemeinden in Mittelsachsen wächst lediglich Freiberg (+4,1 Prozent).

Eine Entwicklung, die die Expertin Petra Klug seit Jahren beobachtet. "Der demografische Wandel verstärkt die Unterschiede zwischen Stadt und Land", ist die Projektmanagerin der Bertelsmann Stiftung überzeugt. Für ländliche und strukturschwache Regionen wachse die Gefahr, abgehängt zu werden. Weniger Kinder, eine zunehmend ältere Bevölkerung und vor allem starke Wanderungsbewegungen führten in den Kommunen zu großen Änderungen. Das kann Neuhausens Rathauschef Peter Haustein (parteilos) nur bestätigen. Das Durchschnittsalter der Einwohner betrage derzeit 50 Jahre. "Uns fehlen die Mütter", erklärt Haustein, der sich mit seinen Gemeinderäten in einem Punkt einig ist: Dem anhaltenden Einwohnerschwund sei nur durch "den demografiegerechten Dorfumbau" zu begegnen. "Wir sind eine arme Gemeinde, allein schaffen wir das keinesfalls", betont Haustein, der deshalb erst kürzlich in einem Brief an Landtagspräsident Matthias Rößler (CDU) und die Landtagsfraktionen den Ärger über die schlechte Finanzausstattung seiner Gemeinde zum Ausdruck brachte. "Was nützen uns Förderprogramme, die uns nur vorschreiben, wo wir die Mittel einsetzen sollen", moniert Haustein. "Wir brauchen nicht mehr Geld, sondern echt verfügbares Geld, das wir endlich in die Instandhaltung unserer Infrastruktur stecken können."

Bei allen Problemen in der Grenzregion will sich Haustein den Überlegungen von Demografie-Experten, wonach in abgelegenen Gebieten über die Auflösung von kleinen Siedlungen nachgedacht werden sollte, nicht anschließen. "Bei uns gibt es Dörfer, die weder einen Laden noch Kneipe und Post haben, und trotzdem ziehen die Leute in diese Orte." Der wunde Punkt sei der Nahverkehr, der nicht noch mehr zurückgefahren werden dürfe.

Ähnlich sieht das Dieter Greysinger, Rathauschef in der Stadt Hainichen (SPD), die ebenfalls weiter schrumpft - seit 2011 um mehr als 100 Einwohner. Wie in den meisten Kommunen in Mittelsachsen auch sei die Sterberate deutlich höher als die Anzahl der Geburten, begründete Greysinger, der der Auflösung von Siedlungen in abgelegenen Regionen ebenso eine Abfuhr erteilt. "Von solchen Szenarien halte ich nicht viel", sagt er und appelliert in dem Zusammenhang zu mehr Besonnenheit. "Wir sollten das Ganze nicht zu schwarz sehen." Gleichwohl müssten die Einwohner aber wissen, dass in Zukunft nicht mehr jeder Ort über ein Lebensmittelgeschäft, Dorfgemeinschaftshaus oder eine Schule oder Kita verfügt. "Ich glaube, da ist eine gewisse Akzeptanz da. Das merke ich bei den Schulen, die wir in Hainichen zentralisiert haben." Dass der demografische Wandel in den nächsten Jahren eine große Rolle spielt, komme im neuen Entwicklungskonzept für die Stadt zum Ausdruck. Greysinger fügt hinzu: "Auch Arbeitsplätze sind wichtig, um junge Familien ansässig zu machen."

Letzteres scheint zumindest Freiberg mit Bravour gelungen zu sein. "Seit 2011 steigt die Einwohnerzahl entgegen dem allgemeinen Trend. Wir investieren viel in die Schulen und Kitas. Allein im Vorjahr zählten wir 418 neue Erdenbürger, 2015 waren es 421", sagt OB Sven Krüger (SPD).

Dort, wo es nicht so gut laufe, empfehlen die Experten des Berlin-Instituts für Bevölkerung und Entwicklung, kreative Lösungen der Bürger mehr zu fördern. Denn in entlegenen Gebieten werden sich in Zukunft nur jene Dörfer stabilisieren, in denen eine aktive Bürgerschaft für attraktive Lebensbedingungen sorgt. Wo kein Gemeinschaftsgefühl entsteht, sei der demografische Niedergang nicht aufzuhalten. Zudem müssten neue Mobilitätskonzepte entworfen werden. Vor allem Schüler und ältere Menschen sollten durch eine Kombination geeigneter Verkehrsmittel - etwa Bürgerbus und Linienverkehr - jene Orte erreichen können, die für sie von Bedeutung seien.

 
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