"Die Flüchtlinge sind so dankbar für Hilfe"

Merry Hofmann engagiert sich für die Integration von Asylbewerbern - Von den Mittelsachsen fordert sie Toleranz und Offenheit

Mittweida/Markersdorf.

Die Ankunft von Flüchtlingen in Mittweida steht bevor. Stadtverwaltung, Vereine und ehrenamtliche Helfer treffen Vorbereitungen. Eine, die den Flüchtlingen einen herzlichen Empfang bereiten will, ist die Markersdorferin Merry Hofmann. Sie ist die Sprecherin des ökumenischen Arbeitskreises aus Mittweida. Die 56-Jährige hat viele Ideen, wie das Miteinander zwischen Fremden und Einheimischen gelingen kann. Franziska Pester hat mit ihr gesprochen.

Freie Presse: Frau Hofmann, Sie engagieren sich seit Herbst vergangenen Jahres in der Begegnungsstätte Chemnitzer Brücke und geben Asylbewerbern aus der Erstaufnahmeeinrichtung Deutschunterricht. Warum?

Merry Hofmann: Ich bin zu unserem Bürgermeister Günter Hermsdorf gegangen und habe ihn gefragt, ob nach Claußnitz Flüchtlinge kommen und wenn ja, wie man ihnen helfen kann. Aber er konnte mir keine Antwort geben, da er nicht wusste, ob Flüchtlinge nach Claußnitz kommen. Ich habe mir damals gesagt, wenn die Flüchtlinge nicht zu uns kommen, gehe ich eben dahin, wo die Flüchtlinge sind. Ich will diesen Menschen helfen und ihnen zeigen, dass sie willkommen sind. Viele haben Schlimmes erlebt.

Ist es nicht kompliziert, Deutsch zu unterrichten, wenn die Schüler unterschiedliche Sprachen sprechen?

Wir haben sehr viele Wörterbücher, damit funktioniert es. Die Flüchtlinge, die zu uns kommen, leben derzeit in der Erstaufnahmeeinrichtung. Sie haben noch keinen Anspruch auf Deutschunterricht. Wir vermitteln ihnen aber schon einmal wichtige Begriffe des Alltags, damit sie sich zurecht finden. Wir machen keine Beratung zum Asylverfahren.

Viele Mittweidaer sind angesichts der bevorstehenden Ankunft von Flüchtlingen in ihrer Stadt verunsichert, manche haben Angst vor ihnen. Haben Sie schon schlechte Erfahrungen mit Flüchtlingen gemacht?

Nein. Am Anfang hatte ich auch Skepsis. Das gebe ich ehrlich zu. Aber das ist doch gegenüber allem Fremden erstmal normal. Dann habe ich die Menschen kennengelernt. Die Flüchtlinge sind so dankbar für Hilfe.

Als Sprecherin des ökumenischen Arbeitskreises Mittweida sind Sie in die Vorbereitungen für die Ankunft der Flüchtlinge involviert. Wie können die Mittweidaer den Neuankömmlingen helfen?

Es wäre schön, wenn die Flüchtlinge merken würden, dass sie nett in Empfang genommen werden. Ich glaube, es wäre zum Beispiel eine gute Sache, wenn es von Mittweida Stadtpläne etwa auf Englisch, Arabisch und Persisch geben würde, die man den Flüchtlingen geben kann. Man freut sich doch, wenn man irgendwo fremd ist und dann so etwas in seiner Sprache in die Hand bekommt.

In der Stadt wurde schon einmal über Patenschaften für Flüchtlinge diskutiert.

Das ist eine gute Sache. Ich habe mir vorgenommen, selbst eine Patenschaft zu übernehmen. Andere haben auch schon Interesse signalisiert. Die Paten könnten den Flüchtlingen beim Einräumen der Wohnung helfen, ihnen zeigen, wo Einrichtungen wie etwa die Bibliothek sind und ihnen am Anfang bei der Orientierung helfen. Auch ein Lager für Spenden wie Möbel oder Kleidung sollte es geben. Denn die Flüchtlinge müssen von den 350 Euro, die sie monatlich bekommen, alles außer die Miete bezahlen.

Haben Sie noch weitere Ideen?

Ja. Ich habe der Stadtverwaltung vorgeschlagen, dass man die Gartensparten ansprechen sollte und fragen, ob sie nicht eine leerstehende Parzelle zur Verfügung stellen. Viele Flüchtlinge wollen eine Aufgabe haben. So einen kleinen Garten könnten sie gemeinsam versorgen. Außerdem hatte ich die Idee, dass man einen Shuttle-Service einrichten könnte, um mehrere Flüchtlinge gemeinsam nach Freiberg zu fahren, wenn sie Behördengänge erledigen müssen. Das könnten rüstige Rentner ehrenamtlich übernehmen. Es gibt so viele Möglichkeiten, den Flüchtlingen zu helfen.

Aber nicht alle werden die Flüchtlinge freundlich empfangen. Ausländerfeindliche Hetze gibt es auch in Mittweida.

Es wird doch immer gehetzt. Egal um was es geht, es gibt immer welche, die glauben, Krawall machen zu müssen. Ich denke, die Mittelschicht und auch die älteren Leute lassen sich davon nicht anstacheln. Vor allem die Senioren, die nach dem Zweiten Weltkrieg selbst geflohen sind und deren Kinder und Enkel sollten sich für die Flüchtlinge heute einsetzen und Hetze entgegentreten.

Aber auch manche, die nicht gegen die Asylbewerber sind, argwöhnen doch mit dem Gedanken, dass bald beispielsweise Syrer, Eritreer oder Palästinenser mit in ihrem Mietshaus wohnen, die die örtlichen Gepflogenheiten nicht kennen.

Bei solchen Barrieren ist es schwierig. Ich kenne da auch kein Patentrezept. Es ist wichtig, im Vorfeld mit den Anwohnern zu reden. Man darf sie nicht überrumpeln. Ich finde, Mittweida hat das bislang sehr gut gemacht. Es ist wichtig, dass die Verwaltungen transparent sind und die Bürger informieren.

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